MIA.
Inzwischen pfeifen es ja die Zirkus-Spatzen von den Dächern: die neue Single vom aktuellen MIA.- Album heißt “ENGEL” und ist am 13. Juli erschienen.
Die Band sagt dazu:
“Küsse wie kalte Kirschen…
Zeit wie Sand am Meer…
Jeder Tag wie der erste des Sommers…
Die Formel, die das alles hier erklärt -
Auch wie Luft und Liebe Hungernde nährt.”
In “Engel” geht es um Wünsche, um den laut gedachten Traum, nur mal ganz kurz, mit ein paar gezielten Flügelschlägen all die großen und kleinen Missstände und Katastrophen zu richten. Die meisten Menschen kennen dieses Gefühl und können sich daran erinnern, dass die Sehnsucht nach “Küssen wie kalte Kirschen” für jeden von uns in bestimmten Momenten genauso bedeutend sein kann, wie das Verlangen, die vielen Ungerechtigkeiten auf dieser Welt abzuschaffen. Wer also mag, schlägt einen Bogen vom Liebeskummer über internationale Solidarität bis hin zum Klimaschutz und kann dann selbst entscheiden, ob sich der Wunschtraum oder die Aussicht, ein ganzes Leben glücklich verliebt zu sein, mit der Hoffnung, durch das eigene Handeln etwas Sinnvolles, Positives am Lauf der Geschichte zu drehen, messen lässt und welche Konsequenzen sich aus diesem Vergleich für den Einzelnen ergeben.
“Was gäb’ ich her?”
Mia. beantwortet diese Frage indem die Band ihre Stimme und Musik für “Amnesty International”, “Pro Asyl”, “Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage”, “Greenpeace” und erst kürzlich für “Live Earth” einsetzen.
In diesem Jahr feiert die Band ihr 10-jähriges Bestehen. Ein Grund und Geschenk an die Fans, die erst kürzlich beendete “Zirkus” – Tour zu verlängern. Neben diversen Festivals gehen MIA. und Gäste also nun auch im Sommer on Tour. Eine Station ist dabei das Populario Festival am 17. August auf dem Flugplatz Nardt bei Hoyerswerda. Auch für uns ein schönes Geschenk mal näher nachzufragen und euch dieses Interview zu präsentieren. Drummer Gunnar stand unserer Redakteurin Nicole Rede und Antwort:
Bei Recherchen bin ich auf viele kritische Bewertungen eurer Sängerin Mieze gestoßen. Sie wurde anfänglich als eine übertriebene hysterische Selbstdarstellerin bezeichnet. Wie seid ihr denn mit dieser Situation umgegangen?
Ja das wurde in unseren ersten Jahren sehr stark polarisiert. Sicher haben wir das mitbekommen, aber wir haben uns da an anderen Dingen festgehalten. Als Band erlebt man sich ja sowieso intern ganz anders als es Außenstehende mitunter sehen. Deshalb kennen wir ja auch eine andere Seite von Mieze. Wir waren halt auch nicht die bescheidenen Jungs von nebenan in Trainingsjacke und Saubermann-Image. Es steckte keine Strategie dahinter. Letztendlich besuchten damals trotzdem ziemlich viele Leute unsere Konzerte, der Erfolg nach unserem ersten Album sprach für sich.
Ihr seid ja persönlich stark Links orientiert und setzt euch gegen die Rechtsgesinnung ein. Mit welchen Grundsätzen ist diese Haltung für euch verbunden?
Unser Weltbild ist natürlich sehr stark von unserer Erziehung geprägt. Wir stammen nun fast alle aus der ehemaligen DDR und sind damit groß geworden. Ein Teil unserer Eltern war da auch sehr engagiert in dieser Richtung. Es gehört für uns aber auch dazu, selbst eine klare politische Linie zu verfolgen. Wenn man sich als Band in Songtexten mit politischen Themen wiederum beschäftigt, kann man sich schon mal gehörig die Finger verbrennen und Diskussionen hervorstoßen, wie mit unserem Song „Was es ist“. Deshalb wird in unseren Texten das Thema Politik sehr klein gefasst. Ich finde es effektiver sich zu engagieren und interessanter seine Popularität dafür auszunutzen, um Organisationen und Initiativen zu unterstützen. Das sind Sachen, die kann man anfassen und spüren.
Genau, ihr setzt euch sozial und ökologisch sehr stark ein. Unter anderem für den Klimaschutz. Man könnte euch ja glatt als „Umweltaktivisten“ bezeichnen, oder?
Ja, „Ökostrom“ ist dafür zum Beispiel ein sehr plakativer Titel. Im Grunde, wenn man nicht darüber nachdenkt, kann man da ja Tausende Sachen im Umgang mit seiner Umwelt falsch machen. Deshalb ist es wichtig mit vielen kleinen Schritten Dinge zu verbessern. Zum Beispiel seinen Stromanbieter zu wechseln, weil er saubereren Strom anbietet, sich auch mal Fragen zu stellen wie z. Bsp. muss ich mir den Cafe wirklich hier kaufen, wo kommt der her?, man kann Energiesparbirnen verwenden usw.. Das ist natürlich gerade jetzt eine große globale Herausforderung. Gerade in Zeiten, wo man sich bei all dem Überangebot so überfordert fühlen könnte. Und wir können als Band dazu beitragen dieses Bewusstsein zu schaffen. Unser Bassist Robert teilt sich beispielsweise ein Auto mit einem Freund, weil es einfach effizient ist.
Euer aktuelles Album „Zirkus“ klingt im Gegensatz zu den anderen nicht mehr so kritisch. Spielen inzwischen für euch Gefühle, Beziehungen und Liebe eine größere Rolle? Die Liedtexte haben sich ja schon gewandelt.
Für uns ist das kein Wandel sondern eine Weiterentwicklung. Klar, jedes Album hört sich anders an und gesellt sich mit seinen Inhalten zu den anderen dazu. Persönliche Geschichten sind dabei natürlich genauso wie fiktive ganz wichtig. Man muss sich auch zutrauen, eine andere Stimmung zu bewältigen, so dass man es selbst auch glaubt. Früher spielte sicherlich in unseren Texten mehr Wut und Verzweiflung eine Rolle. Aber auch wir sind älter und reifer geworden. So das man ein lautes Knurren halt auch anders ausdrücken kann. Wir schreiben ja als Band alle Songs gemeinsam und da muss man sich entscheiden, Prioritäten setzen und sich auf einen Nenner einigen können. Denn jeder von uns hat ganz verschiedene Ansichten, die alle zum Ausdruck gebracht werden wollen. Da gehören auch oftmals lange Diskussionen dazu.
Man kann euch ja als ziemlich bunte Band bezeichnen. Die besten Beispiele sind eure Videos und eure Bühnenauftritte. Wie kommt ihr denn immer wieder auf solche verrückten Sachen und welche Idee hat euch persönlich am Besten gefallen?
Für uns ist so was eine Selbstverständlichkeit und was ganz Normales auch mal eine schrille Klamottenauswahl oder eine bunte schräge Story zu präsentieren. Das gehört für uns einfach dazu! Für unser Video zur „Zirkus“- Single haben wir zum Beispiel einen sehr alten Filmtrick verwendet, den sonst kaum jemand nutzt oder angewendet hat. Wir liegen auf einer weißen Fläche und tun so als ob wir live stehen und spielen. Dabei verändern sich natürlich die ganzen Verhältnismäßigkeiten und man kann dabei Dinge tun, die sonst unmöglich sind. Das war schon recht spektakulär.
Ihr selbst erreicht ja viele junge Fans mit eurer Musik. Wo seht ihr heute die Jugend in dieser Welt?
Sicher macht es einen Unterschied, ob es sich dabei um die Jugend in Deutschland oder Asien handelt. Und sicher ist die Jugend an sich viel zu bunt und zu kompliziert um da ein Fazit ziehen zu können. Es war schon immer so, dass die Welt kompliziert ist. Es gibt und gab nie einfache Lösungen. Aber in einem Kommunikations-System wie heute ist es sicher schwierig sich den Blick für das Wesentliche zu bewaren. Und man sollte da wohl öfter mal das eigene Koordinatensystem beäugeln. Aber ich finde trotzdem, dass es ganz schön viele coole junge Leute gibt.
Was möchtest du und die Band zum Schluss unseres Gesprächs gerne noch loswerden. Was ist euch ganz wichtig und was sollten eure Fans nie vergessen?
Also ein Mia.– Konzert lohnt sich immer! Weil wir das, was wir da machen, mit Leidenschaft tun. Eine Überzeugung, die nicht aus uns raus zu bekommen ist. Und wir haben verdammt viel Glück gehabt, das wir die Musik leben dürfen. Was man in so einer Konstellation lernt, ist nichts unter den Teppich zu kehren! Es ist gut, wenn man seinem Gegenüber auch mal unbequeme Fragen stellt. Es ist immer wieder heilsam, solche Dinge auszusprechen und zu diskutieren. Man darf neben allen virtuellen Möglichkeiten das vertraute Gespräch nicht verlernen! Also, das Vier- Augengespräch liegt ganz weit vorn!
Mia. on Tour im August:
04.08.07 Sa 18:00 CHEMNITZ – Wasserschloss Klaffenbach
support: sioen, tba.
07.08.07 Di 19:00 HANAU – Amphitheater
support: sioen, polarkreis 18
22.08.07 Mi 19:00 ROTTWEIL – Kraftwerk
support: sioen, super 700
23.08.07 Do 19:00 KÖLN – Tanzbrunnen
support: sioen, super 700
31.08.07 Fr 19:00 HANNOVER – Capitol
support: sioen, super 700
Festivals
Fr 10.08.07 Schwerin – Freilichtfestival Schlossgarten
Do 16.08.07 A-Salzburg – FM4 Frequency
Fr 17.08.07 Hoyerswerda – Populario
Sa 18.08.07 Hohenfelden – Highfield
Schlagworte zu diesem Beitrag:Bands, Interview, MIA., Musik, Populario, Titelstory






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