Double C
Nach dem Fall der Mauer nutzte Double C. seine Chance als DJ zu arbeiten. Er gehörte zu den ersten DJ’s die mit Vinyl arbeiteten und hatte damit großen Erfolg. Er ist auch einer der Wegbegründer für den Techno-Movement in Ostdeutschland! Zuerst mit steigendem, kickendem Techno, später mit verschiedenen House-Variationen und minimalem Techno, bis zum Neo-Pop arbeitete er sich mit seinen Sets durch die Club und Partylandschaft.
Wie bist du dazu gekommen als Dj zu arbeiten und auch selbst Musik zu produzieren?
Mit kläglichen Ostplattenspielern und einer RUN DMC Platte ausgerüstet, stürmte 1987 unsere Hip Hop Combo „Beat Club 99″ und ich als Dj DC die Kulturhäuser der DDR. Ebenfalls 1987 habe ich mit Unterstützung des Arbeiter und Jugend Ensembles Jänschwalde für den „Beat Club 99″ die ersten Songs mit einer Roland Drum-Maschine und einem Yamaha DX 7 geschrieben. Danach wurde es Produktionstechnisch eher ruhig und ging erst 2004 wieder richtig los.
Du hast schon 1987 zusammen mit BCR (DJ Michael von Boon) Rapper Raid (Dirk Suckert) den “Beat Club 99″ gegründet. Was hat sich damals für dich durch den Fall der Mauer geändert?
Die Größte Veränderung war auf einen Schlag an alle begehrten Schallplatten ranzukommen und ich hielt stolz meine erste eigene „Africa Bambaataa”- Scheibe in den Händen. Aber auch musikalisch änderte sich einiges. Nach Anfängen im Hip Hop und Electro-Bereich eröffnete sich mit dem Besuch im Berliner UFO die Welt zur elektronischen Musik.
Wie unterscheiden sich die Partys von heute gegenüber denen in den 90′er Jahren? Man bekommt ja immer wieder zu hören wie toll die Zeiten des Clubs Aqua waren und das die heutigen Partys da nicht mithalten können.
Früher war alles besser! Dummer Spruch- früher war nur alles neuer. Das ist wohl wie in der Lebe: Am Anfang ist alles neu und aufregend, aber nach Jahren ist alles sehr gefestigt und man schätzt das ganze viel mehr.
Die größeren Partys sind musikalisch schon sehr oberflächlich geworden, aber den Veranstaltern bleibt meist nichts anderes übrig, als eine gute Zwischenlösung zu finden. Ich selbst mag eher die kleineren Partys bis 300 Leute in coolen Location´s und Technokellern – da kann man die Musik viel intensiver erleben!
Momentan wird ja viel über die Vor- und Nachteile der MP3 gegenüber dem Vinyl diskutiert. Was nutzt du und aus welchem Grund?
Ich nutze Final Scratch. Dadurch hat man den Vorteil viel aktueller und unabhängiger zu sein.
Da ich keinen Bock habe das zu spielen was alle spielen, hat man mit Final Scratch die Möglichkeit viele unveröffentlichte Tracks von Net Labels oder Eigenproduktionen zu spielen.
Info: Final Scratch ist ein System aus einem Laptop oder Computer, speziellen Schallplatten und einer dazwischen geschalteten Schnittstelle, das von DJs benutzt wird, um Musikdateien verschiedener Formate (zum Beispiel MP3 oder AIFF) unter Verwendung normaler Plattenspieler „aufzulegen”. Dabei wird die intuitive Handhabung der Plattenspieler mit der Kapazität von Computer-Festplatten kombiniert.
Wie würdest du deinen momentanen Musikstil beschreiben und was macht dich als DJ besonders? Immerhin hast du es geschafft 20 Jahre erfolgreich zu sein.
Mein Musikstil kann man nicht in eine Schublade stecken. Ich sag immer, wir machen alle Techno! Ich denke als DJ bin ich nichts Besonderes. Höchstens besonders komisch – Hauptsache den Leuten gefällt es und sie haben Spaß dabei. Erfolg ist für mich jeder Tanzende bei meinen Sets.
Also bedeutet das Du möchtest deinen Musikstil nicht über die verschiedenen Genres wie Electro / Techhouse / Minimal definiere?
Definitionen von Musikstilen find ich blöd weil jeder seine Definition anders auslegt.
Was hältst Du von den neuen Internetplattformen wie „mySpace”? Viele Künstler nutzen es ja mittlerweile um sich und eigene Produktionen zu präsentieren.
mySpace ist für alle Musiker das Tor zur Musikwelt – Man lernt sehr viele unbekannte Künstler kennen die exzellente Musik machen und kann Remixe austauschen, Bookings machen und mit seiner eigenen Musik an Labels und Veranstalter herantreten.
Was kannst du jungen Leuten empfehlen die selbst auch als DJ arbeiten wollen?
Dranbleiben, sich mit Musik beschäftigen und sich authentisch präsentieren. Viele junge DJs benutzen die Bühne leider nur zum Posen und die Musik bleibt auf der Strecke – „Hits spielen kann jeder!”.
Was hörst Du privat? Immer noch nicht genug vom Techno ;-) oder gibt’s auch mal andere Kost?
Im Auto höre ich immer noch sehr viel Techno, dabei sind sehr viel unterschiedliche unbekannte DJ Sets.
Privat auch sehr viel Ambient. Ne zeitlang hab ich meine Freunde damit abgenervt weil ich im Auto den Soundtrack von „Herr der Ringe” gehört habe.
Wie geht es mit dir bzw. deinem Projekt den Turntablehoshis weiter, sind schon neue Projekte geplant?
Im Augenblick bereiten wir die Clubtour zum Track „concerned” vor, wobei wir dort auf die vielen coolen Tracks die in den letzten 3 Jahren entstanden sind zurückgreifen.
Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg und bedanken uns für dieses Interview.
Schlagworte zu diesem Beitrag:DJ, Double C, Interview, Musik, Techno






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