Housemeister
Am 11.11.1977 im Norden Deutschlands geboren, lebt er seit 25 Jahren in Berlin. Aufgewachsen in Ostberlin, in einem sozialistischen Neubaugebiet gab die Wende ganz neue Möglichkeiten … Ein bisschen Anarchie, ständige Veränderung, Desorientiertheit, kiffen, sprühen und Musik hören … das gab ein riesiges Durcheinander und viel neu gewonnenen Spielraum! 1995 verlässt er sein Elternhaus und zieht mit seinem besten Freund Alex nach Kreuzberg 36, in die Mitte Berlins. Das legendäre Hardwax gleich um die Ecke, die guten Clubs auch nicht weit, wurden sich Plattenspieler zugelegt und gemixt ohne Ende. Vorerst nur zur Mixtapeversorgung von Freunden.
Und heute? Wer kennt ihn nicht, den Berliner DJ und Produzent … seit ´99 Mitglied im „Bpitchkollektiv”, bespielt seit Mitte der 90iger Berlin und die Welt mit unverwechselbaren DJ Sets, produzierte 4 Maxi´s auf „bpitchcontrol”, die erste mit Karl Lagerfeld Lizenzierung. Insgesamt gehen 17 Platten auf seine Kappe. 2006 releaste Housemeister sein erstes Album „enlarge your dose” auf Boysnoize Records, was ihm u.a. die Cover-Story des „De.Bug” Magazins einbrachte und den Remix für die englische band „The Client”. Jedes Wochenende tourt er durch ganz Europa … Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien, aber auch Tokio, Russland oder die Türkei hat er schon bespielt.
Du bespielst jedes Wochenende als Partygarant die Clubs dieser Welt. Gibt es da noch wirklich aufregende Herausforderungen für Dich oder geht das mittlerweile blind mit 40 Fieber?
Es ist immer wieder herausfordernd, vor allem im Ausland. Es ist oft ein Floor, den man noch nicht kennt, den muss man dann greifen! Das ist jedes Mal eine Aufgabe und wenns läuft, ist alles gut. Jetzt im Dezember bin ich 10 Tage in Tokio und spiele dort im „Womb”, dem größten und neuesten Club dort. Da freu ich mich schon riesig drauf. Ich war vor vier Jahren schon mal in Tokio und wollte unbedingt wieder hin. Meistens fliegt man allein, was auch Vorteile hat, man hat mal Zeit zum lesen, Rechner aufrüsten, Samples schneiden, Rumliven oder mit der Playstation Portable mit „rhyhtm7″ fette Tracks produzieren. und dann kommt man immer irgendwo an, man spricht globish und versteht sich.
Welche Erinnerungen, Inspirationen oder gar Lebensweisen nimmst Du Dir aus solchen Ländern wie Japan mit nach Hause?
Ich nehme eigentlich von überall was mit, meist Inspiration. wenn man viel rumkommt, fängt man auch an globaler zu denken, was auch immer das bedeutet…
Wenn Du nicht gerade Musik machst, kreierst und entwirfst Du gerne Layouts und Grafiken. Was gehört da alles so zu dDeinem Repertoire und wo bekommt man deine Entwürfe zu sehen?
Ja ich mach zum Beispiel das komplette Artwork von allyoucanbeat, die letzten 5 sind ja alle Vollfarbcover, da kann ich mich immer schön austoben.=) Ich denk immer, das ein cooles Cover die Platte auch kaufattraktiver macht, in der Zeit der download Shops. Außerdem mach ich ständig neue Sticker, gestalte jetzt auch T-Shirts und Truckercaps, könnt ihr auf allyoucanbeat.info oder myspace.com/allyoucanbeat ja mal abchecken. Ich finds voll geil, wenn man irgendetwas herstellt, es irgendwo hintut und es einem irgendwann wieder begegnet. Es ist cool, wenn man in einen Flieger steigt und mein Sticker klebt schon dran. Yes, freut man sich, sie haben ihn nicht abgemacht, wahrscheinlich keine zeit gehabt oder noch nicht gesehen…oder der klebt richtig gut ;)
Hast Du da auch eine eigene Modereihe oder Kunst-Projekte bei denen Du mitwirkst?
Kunstprojekte? Nö nicht wirklich und Modereihe ist echt nen bisschen übertrieben, ich gestalte halt nen paar T-Shirts und nen paar Kappen. Außerdem bekleb ich die Welt, ich gestalte die Strassen und Clubs, ist ja vielleicht auch Kunst.
Noch dazu betreust Du seit einiger Zeit dein eigenes Label allyoucanbeat. Ist das ein heimlicher Wunsch eines jeden DJs auch irgendwann ein eigenes Label umzusetzen oder was hat Dich dazu bewegt?
Ich hatte ja vorher schon mein kleines Label berlinkraft, und es ging hierbei nur um Freiheit, zu tun und zu releasen, was man will und zu sagen, das hab ich hier auf die Beine gestellt, stolz das fertige Produkt in der Hand haltend. Zu AYCB hat mich mein Partner und guter DJ, Velten Doering bewegt. der kam halt irgendwann an und fragte, ob wir nicht nen Label machen wollen. ich fands ne gute Idee und nun sind wir beim zehnten Release und stehen vor einer ersten Album-Veröffentlichung auf AYCB und ergänzen uns hervorragend.
Und natürlich ganz wichtig, was gibt’s da so demnächst auf die Ohren?
Jetzt kommt erstmal die Housemeister “In order to dance” ep im Januar auf allyoucanbeat, einen Track könnt ihr auf mySpace schon mal vorab abchecken. ich persönlich find den Track so geil, ich hab ihn mir vor 3 Monaten schon auf ein Dublate schneiden lassen und spiel es seitdem in jedem Set. Dann kommen einige Remixe, unter anderem für Boysnoize oder “Aim of design”, die Berliner Pfadfinder Band. Und dann erscheint im Mai 2008 mein 2tes Album “WHO IS THAT NOIZE”. Ich bin sehr zufrieden mit mir und glaube, ich habe ein kreatives, vielseitiges und cooles Album gebaut. Mir kommt es vor, als wäre es komplett anders als mein erstes. aber nicht ruhiger, es geht mehr in Richtung Electro, Techno Acid und Sessions, ein wenig aufgeräumter, melodischer, lustig und vorwärts. Das Album hat einen guten Flow, alle Tracks sind natürlich in ungefähr derselben Arbeitsweise aufgenommen, Live-Sessions, das heißt am Stück die Tracks abmixen, wie beim Liveact und entweder der Take sitzt oder nicht, ist er scheiße, dann halt noch mal. Manchmal auch wie früher alles auf eine Spur, oder völlig übersteuert, was natürlich nur analog Sinn macht und Freude.
Berlin ist ja Deine City und Plattform seit Deinem 5. Lebensjahr. Heute ist es das na ja Hollywood des Techno. Gibt es Dinge oder Entwicklungen in der Berliner Szene, die Dich zum überkochen bringen oder wo Du Dir Veränderung wünschst?
Berlin könnte sich musikalisch ja mal wieder ein bisschen aufmachen, und DJs könnten mal wieder versuchen musikalisch ein cooles Individuum zu sein. Stattdessen haben viele im Moment eher Lust sich gleichzuschalten. es geht nur noch um länger wach sein, After Hour, Drogenbefriedigungsmusik, und die darf natürlich nicht zu “stressig” sein;). Die Musik, die früher nur zur After Hour lief, läuft jetzt auch zur Prime Time, gähn! Stilbrechen wird nicht mehr mit anerzogen. Schade! Aber ansonsten liebe ich Berlin, wie eh und je…
Wie stehst Du zu digitalen Auflege- Medien? Du bist ja einer, der noch lieber zu analogen Maschinen greift, oder? Wie das ausschaut, kann man erleben, wenn Du als Live Act am Start bist.
Ich spiel nur Vinyl und das wird auch erstmal so bleiben, auch wenn ich es langsam interessant finde, schon alleine, weil man nur mit Handgepäck reist und geile Effekte mit im Spiel hat. Dafür aber dämliches Bildschirm geglotze, was bei erhöhten Alkoholpegel auch nicht mehr soviel Spaß macht, ja vielleicht sogar völlig ablenkt, mich jedenfalls. ich bin visuell und brauch meinen Plattenkoffer und die Cover und meine Sticker darauf. Na ja scheiß aufs Handgepäck! Ich hab mein Gepäck schon wieder verdoppelt. DJ und Liveact gleichzeitig, ein paar Platten, dann den Liveact, bestehend aus Electribe Sampler, Fricke Drumcomputer, modifizierte 303, Micromodular und Chaospad. Das wird dann eingetappt, sozusagen eingepitcht und rübergemixt, ein bisschen live gespielt und wieder zurück. Man kann auch in jedem Track von Platte ne Acidline oder nen Hihat dazugeben. Macht für alle echt Riesenspaß!
Beim großen Liveact ist auch die Monomachine und Machinedrum dabei. wenn ich live spiele, gibt es keinen Ablaufplan, meist weiß ich kurz vorher nicht mal wie ich anfange.
ibt es auf dem Ellen Alien- Label „Bpitch Control” demnächst mal wieder Stuff von Dir?
im Moment nicht.
Wie kam es zu der Boys Noize Kooperation und letztendlich 2006 zu der Veröffentlichung Deines ersten Albums auf seinem Label?
Ah ja, der Boysnoize Alex war schon immer Housemeister-Fan. Jetzt sind wir gute Freunde. Eines Tages hat er mich kontaktiert, dann um einen Remix gebeten, ein paar Tracks lizenziert und irgendwann gefragt, ob ich nicht ne Single machen will. Ich geb ihm ne CD mit etwa 15 Tracks und er meinte: alter, das ist doch nen Album! Lass mal nen Album machen … Thats it!
Welche Deiner vielen eigenen Produktionen sind eigentlich Deine persönlichen Lieblingsstücke und Ohrwürmer?
Interessante Frage, noch nie drüber nachgedacht! Na ja auf jeden Fall die “wake up ep” und die “do you wanna funk” auf bpitchcontrol, die “we need cash” auf boysnoize, BEACHCONTROL auf boysnoize und natürlich “roadmovie” auf allyoucanbeat (den track gab’s nur auf Vinyl, nicht digital=) und “Fersengeld” (absoluter acid dancefloorkiller) ausserdem meine Neue!!! INORDERTODANCE! – Freut euch drauf.
Deine aktuelle Top 5:
01. Modeselektor Album – “happy birthday” -bpitch
02. Housemeister – “inordertodance” allyoucanbeat
03. Zombie Nation – UKW 08
04. smithnhack 2 – strenght&inspiration
05. Jan Driver – trains – grandpetrol
Du hast das letzte Wort:
tschüss!
Dates
22.Dez.2007 Funtasy Club (Cottbus)
25.Dez.2007 coconut beatclub (Waschaus Potsdam)
31.Dez.2007 NEWYEARSEVE AT LE RACHDINGUE GIRONA
www.housemeister.info
www.myspace.com/housemeister
Schlagworte zu diesem Beitrag:House, Housemeister, Interview, Musik






[...] Interview mit Daniel Stefanik Interview mit Housemeister Interview mit Gregor Tresher Spotlight [...]