Klee – Berge versetzen
Ihr seid ja überwiegend eine Liveband und jede Menge Festivals und Konzerten unterwegs! Welche Art von Auftritt bevorzugt ihr?
Im Sommer sind Festivals bei gutem Wetter super, so Matschepampe Festivals finde ich nicht so dolle. Aber sonst spürst du natürlich den Wind, die Sonne und die Natur während du spielst. Das hat man drinnen in einem Club oder einer Konzerthalle natürlich nicht. Indoor wiederum hast du nicht diesen Zeitdruck und musst in einer Stunde alles gesagt und gespielt haben. Da kannst du dir Zeit lassen und spielen und ausschweifen wie du es willst.
Wie sieht denn ein idealer Auftritt für euch aus?
Wenn alles gut läuft, wenn man nicht gehetzt wird und man sich richtig gehen lassen und darin verlieren kann und selbst zu Melodie und Musik wird. Oftmals ist man ja durch äußerliche Einflüsse gehandikapt, weil einem durch Staus und Stress die Ruhe und eben die Zeit genommen wird, sein Umfeld kennen zu lernen, oder Veranstalter gar an der Anlage sparen, was ziemlich uncool ist.
Welchen Einfluss auf das neue Album, hatte euer Wechsel zur Plattenfirma Universal Music?
Bis jetzt fühlt sich alles sehr gut an. Unser Vertrag bei Ministry of Sound lief aus und wir haben verschiedene Angebote geprüft und dabei ist die Wahl auf Universal gefallen. Wir werden sehen was die Zukunft bringt, aber unser Karussell dreht sich nun auf jeden Fall ein bisschen schneller.
Was sind die wohl grundlegendsten Veränderungen zwischen den alten Alben und dem aktuellen? Worauf seid ihr besonders stolz?
Das Album ist unser abwechslungsreichstes buntestes Album geworden. Wir trauen uns musikalisch mehr zu, sind textlich viel direkter und trauen uns auch Dinge anzusprechen, die wir vorher vermieden hätten. Es klingt sehr selbstbewusst und ich würde sagen, es ist unser bestes Album!
Das Cover sowie die Album-Bilder und das Video zur ersten Single sind sehr gelungen! Wo und wie sind diese denn entstanden?
Oh vielen Dank, das freut uns sehr! Die Bilder sind gemeinsam mit dem Fotografen Espen Eichenhöfer entstanden in Almeria in Südspanien. Mit ihm haben wir auch bereits beim letzten Album zusammen gearbeitet. Unsere Idee dabei war, eine Landschaft die recht karg ist, fast schon wüstenähnlich, mit Leben auszufüllen und ich denke das haben wir geschafft und es wirkt sehr romantisch. Ja und sonst, alles was Grafik und Design angeht, da wirkt unser Sten auch sehr stark mit. Das Video zu „Zwei Herzen” drehten wir mit Markus Sternberg. Den kennen wir noch von der Nena Tour. Eines schönen Tages stand er plötzlich in einem Berliner Hotel-Fahrstuhl vor mir und wir vereinbarten kurzerhand den Videodreh. So läuft’s halt manchmal. Aufgenommen ist das Video auf der Rollbahn des Flughafens bei Eberswalde, gleich in der Nähe von Berlin. Hier landen ja sonst ganz geheim und abseits die Stars und Sternchen.
Eure neue Single „Zwei Herzen” ist sehr tiefsinnig. Für welchen von euch hat dieses Lied biografische Züge und welche Bedeutung tragen die anderen Songs so mit sich?
„Zwei Herzen” ist eine Hymne an die persönliche Freiheit und die Anerkennung von Ambivalenzen. Es steht für jeden von uns. Das Polarisierende für jeden einzelnen muss dabei ja nicht immer das Selbe sein.
„Weil es Liebe ist” ist ein grandioser Popsong. Bei den Streichern bekomme ich jedes Mal Gänsehaut. Es ist ein sehr ehrlicher Song, wenn man doch den Mut hat sich jemandem so dermaßen zu öffnen.
„Berge versetzen” ist sehr romantisch und melancholisch. Dabei geht es darum, auch wenn man mal keine Berge versetzt, das man sich das auch mal selbst und anderen eingestehen muss. Wenn du ein Album machst, fühlst du dich natürlich so, als ob du etwas Unmögliches möglich gemacht hast und man mit Kraft der Fantasie natürlich in sich auch so ein Gefühl aufbauen kann. Aber wenn man Dinge eben auch mal unangenehm oder gar endgültig aussprechen muss und den Mut dazu aufbringt, dann versetzt man damit letztendlich auch Berge.
Vom Charakter her, wie würdest du jeden einzelnen von euch beschreiben?
Pele- Sonnenschein ist Professor Pinot! (wie der Wein)
Bei Daniel trifft der Spruch stille Wasser sind tief…zu.
Tom oder auch Bo ist unser Charmeurbolzen.
Sten ist der Philosoph.
Ich bin die Romantikerin, aber auch sehr ambivalent.
Noch eine allgemeine Frage. Gibt es denn etwas, was dich gesellschaftlich momentan total anpiept?
Also tierisch Mist finde ich das Rauchverbot, ok es schützt die Gesundheit, macht aber auf der anderen Seite die Geselligkeit in den Kneipen kaputt. Ja und sonst habe ich etwas Angst vor dem Zusammenbruch der sozialen Gemeinschaft. Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer, die Leute vereinsamen, weil sie das Geld und Vertrauen der Gesellschaft nicht haben. Für die soziale Verantwortung untereinander wünsche ich mir mehr miteinander! Das kann jeder einzelne für sich umsetzen indem er darüber redet, andere aufmerksam macht. Das einem andere nicht egal werden, ist dabei ganz wichtig! Als Musiker kann man da schon ein paar Leute erreichen. Wir unterstützen deshalb die verschiedensten Projekte, ob Krebshilfe oder gegen Rechts, wir engagieren uns auf vielen Ebenen.
Und zum Abschluss…wie schauen eure Pläne für die kommende Zeit aus und hast du vielleicht noch was auf dem Herzen?
Natürlich geht’s jetzt ab auf die Bühne, über den Sommer spielen wir noch allerhand Festivals und dann ab Oktober geht’s auf große Album-Tour, was ja das schönste Gefühl überhaupt ist, wenn man so was mit den Leuten erleben und teilen kann. Die Energie, die sich dabei freisetzt, diese zu spüren, ja dafür mache ich das!
Schnell ein paar Tipps zur Festivalsaison aus dem Hause Klee:
Auf den Festivals wird es eine gute Mischung aus alten und neuen Songs zum Mitsingen von uns auf die Lauscher geben und sonst auf gar keinen Fall die Sonnen- und Mückenschutzmittel vergessen! Genießt den Sommer miteinander und natürlich unser neues Album!
Festivals 2008
23.08.2008 Fredeburg/Sauerland, Festival der Kulturen
29.08.2008 CH – St. Gallen, BBC Gossau Open Air
30.08.2008 Niedergörsdorf, Summer Spirit Festival
Berge versetzen Tour 2008
12.10.2008 Duisburg, Hundertmeister
14.10.2008 Hamburg, Ü&G
15.10.2008 Bremen, Lagerhaus
17.10.2008 Köln, Stollwerk
18.10.2008 Hannover, Musikzentrum
19.10.2008 Münster, Gleis 22
21.10.2008 Frankfurt, Brotfabrik
23.10.2008 A – Wien, B 72
24.10.2008 München, Ampere
26.10.2008 Augsburg, Kantine
27.10.2008 Stuttgart, Wagenhalle
30.10.2008 Konstanz, Kulturladen
31.10.2008 CH – Solothum, Kofmehl
01.11.2008 CH – Zürich, Mascotte
02.11.2008 CH – Bern, Bierhübeli
04.11.2008 Erlangen, E-Werk
07.11.2008 Eisenach, Spitz
09.11.2008 Berlin, Postbahnhof
PHOTO CREDIT (c) Espen Eichhöfer Ostkreuz für Universal 2008
Schlagworte zu diesem Beitrag:Bands, Interview, Klee
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