Gregor Tresher
Wann und wie hat deine DJ-Karriere begonnen?
Ich habe 1992 angefangen aufzulegen und habe 1993 das erste Mal in einem Club gespielt. Seit 2003 mache ich das ganze hauptberuflich.
2005 bist du mit der „Still Ep” endgültig durchgestartet. Wenn man Produzent der Jahre 2006 &2007 wird, ist das ja für die Zukunft wegweisend und enorm viel Druck, oder?
Ich würde das nicht als Druck bezeichnen, eher als positive Energie. Natürlich habe ich mich darüber sehr gefreut, weil das eine Abstimmung war, die von den Lesern gewählt wird und nicht von irgendeiner Jury. Insofern ist das natürlich besonders schön, weil man eine Bestätigung dafür bekommt, dass den Leuten gefällt was man macht.
Du bist ein sehr gefragter Produzent bei namhaften Künstlern wie Monika Kruse und Sven Väth zum Beispiel oder diversen Labels wie Cocoon/ Intacto/ Moon Harbour usw. Wie stellst du dich denn auf die verschiedenen Projekte immer wieder ein und was macht deinen Sound so beliebt deiner Meinung nach?Ich unterscheide grundsätzlich zwischen Produktionen für andere und meiner eigenen Musik. Bei Fremdproduktionen versuche ich mich ein wenig musikalisch zurückzunehmen und darauf einzugehen wo der jeweilige Künstler hin will. Auch ist ein großer Unterschied, dass man immer zeitlich begrenzt ist. Bei meinen eigenen Sachen bin ich eher Perfektionist und arbeite daran bis ich 100% zufrieden bin.
Welche sind deine aktuellen Projekte und Co-Produktionen?
Nachdem ich in den letzten Monaten viel für andere produziert habe, konzentriere ich mich im Moment wieder auf meine eigene Musik und arbeite an neuen eigenen Veröffentlichungen und Remixen. Zunächst werden bis Ende des Jahres noch ein paar Remixe erscheinen, unter anderem für Adultnapper, Dirt Crew oder Mihalis Safras. Zu Beginn nächsten Jahres wird es dann wieder eigene neue Veröffentlichungen geben.
Erzähl uns doch ein klein wenig über die Arbeit und das Entstehen des Albums mit und für Monika Kruse, was ja in diesem Jahr erst erschienen ist! Schließt man sich da Monate gemeinsam im Studio ein und verbringt unheimlich viel zeit miteinander oder sieht so ein Prozess anders aus?
Wir haben das Album über eine Zeitspanne von sechs Monaten in mehreren Sessions produziert. Monika kam dazu immer zu mir für einige Tage ins Studio und so habe ich nach und nach die Tracks produziert. Im Prinzip muss man sich das so vorstellen, dass Monika eine grundsätzliche Stilrichtung vorgibt, und wir das dann zusammen erarbeiten. Bei so einer Albumproduktion steht mir auch nicht unbegrenzt Zeit zur Verfügung, wie ich es bei meinen eigenen Sachen habe. Dadurch schließt man Tracks schneller ab und so entsteht andere Musik als wenn man sehr viel Zeit hat. Natürlich habe ich im Nachhinein die Tracks neu gemixt oder noch mal hier und da was verändert aber im Prinzip hatten wir für jeden Track einen Tag.
Mit wem arbeitest du sonst noch super gern zusammen?
In nächster Zeit wird´s wie gesagt erst mal eigene Produktionen geben, mit Ausnahme von der neuen Karotte Single, die wir in den nächsten Wochen machen werden.
Was macht für dich allgemein einen guten Track oder gute Musik aus. Heute gibt es so viele DJs/ Produzenten und Labelmacher auf dieser Welt, wo Qualität schwer zu filtern ist?
Ich denke dass sich gute Musik immer durchsetzt. Kontakte sind natürlich hilfreich weil man schneller Feedback von Labels bekommt als wenn man völlig unbekannt ist, aber grundsätzlich denke ich dass Qualität immer zählt. Heute braucht man zum Musikmachen auch kein Riesenstudio mehr wie vielleicht noch vor 10 Jahren, insofern kann jeder zuhause seine Ideen umsetzen. Natürlich ist auch Soundqualität wichtig und für die braucht man schon ein wenig Erfahrung, aber im Prinzip zählt doch immer die Idee selbst.
Was ist eigentlich aus deinem Electrolux-Projekt Sniper Mode geworden. Für die, die es nicht mehr kennen, Electrolux ist ein Frankfurter Label für chillige Musik und lieferte unter anderem die passende Musik zur einst beliebten Fernseh-Musik- und Vinyl -Reihe Space Night.
Sniper Mode liegt momentan auf Eis, aber ich werde bestimmt früher oder später mal wieder etwas für dieses Projekt machen, im Moment fehlt mir einfach ein wenig die Zeit dafür. Letztes Jahr habe ich zusammen mit Marcus Schmahl ein Album auf dem Elektrolux-Sublabel Mikrolux gemacht, das Album heisst “Algorhythms” und das Projekt Professor Kazkaz. Ab und an arbeite ich also immer noch an Ambient oder Electronica-Projekten, das ist immer ein ganz guter Ausgleich zur Clubmusik.
Gibt es Tracks egal ob von dir oder anderen Künstlern auf die du ganz besonders stolz bist?
Es gibt sicherlich immer einzelne Tracks die für einen selbst was ganz besonderes sind. Für mich sind das z.B. meine “Full Range Madness” oder auch „A Thousand Nights”. In diesem Jahr war für mich vor allem mein Release „Break New Soil” auf Moon Harbour wichtig, weil ich da mal wieder mit für mich neuen Sounds gespielt habe und mich besonders gefreut habe dass das draußen so gut angekommen ist. Mir ist es wichtig meinen Sound weiterzuentwickeln und nicht auf der Stelle zu treten. Damit verschreckt man sicher immer ein paar Leute, aber bei Techno geht’s ja seit jeher um Erneuerung und das ist auch mir besonders wichtig.
Was meinst du, gibt es im Techno noch Sparten oder Arten von Sounds, die neuartig für die Zukunft wären? Oder wird sich das 4/4 Rad immer weiter drehen?
Der 4/4-Beat wird sicher bleiben, das funktioniert nun mal auf dem Dancefloor am besten, aber ich finde dass immer noch viel Platz für Innovationen da ist. Sicher ist das nicht mehr so eine große Aufbruchsstimmung wie in den 80ern/90ern, weil sich damals einfach durch die neue Technik der ganze Sound so verändert hat, aber auch heute gibt es immer wieder technische Innovationen die das ganze vorantreiben.
Schaun wir mal in die Zukunft. Was meinst du, wie wird die elektronische Szene in 10 Jahren feiern, vielleicht gibt’s dann virtuelle Partys?
Also unter virtuellen Partys kann ich mir recht wenig vorstellen, ich denke dass die Partykultur uns so wie sie ist erhalten bleibt, da hat sich ja in den letzten 20 Jahren auch recht wenig verändert was das Grundprinzip angeht und das ist ja auch ganz gut so.
Vielleicht hast Du ja eine Idee, was noch erfunden werden müsste?
Unbedingt das Beamen, würde vieles sehr vereinfachen… :)
Du kommst als DJ viel rum. Gibt es da Plätze, wo man am liebsten bleiben würde?
Jetzt wo es kühler wird in Deutschland natürlich immer an sonnigeren Orten, aber ich freu mich auch immer wieder heimzukommen. Besonders gut gefällt´s mir in New York und auch Barcelona und generell Spanien ist toll.
Wenn du als DJ spielst, legst du ausschließlich Vinyl auf, warum greifst du da nicht zum Laptop?
Ich lege immer noch mit Vinyl auf und natürlich ein paar CDs, weil man die neuen Sachen oft lange bevor es Vinyl gibt schon zugeschickt bekommt. Da kann man auf CDs nur schwer verzichten wenn man aktuelle Musik spielen möchte. Ich konnte mich noch nicht dazu durchringen auf eine Laptop Lösung umzusteigen, weil ich das wenn dann konsequent machen würde und dann gar nicht mehr DJing im konventionellen Sinne machen wollen würde sondern weg vom Pitchen & Mixen Prinzip hin zu einem Live-basierteren Konzept. Darüber denke ich schon länger nach und werde es wohl früher oder später mal ausprobieren.
Gelegentlich trittst du ja auch mal als Liveact auf. Wie kann man sich das bei dir vorstellen?
Live-Acts mache ich ja nur sehr selten und nur für besondere Events, dieses Jahr habe ich nur zweimal Live gespielt und werde das auch vorerst bei einigen wenigen Gigs belassen, weil ich möchte dass es was besonderes bleibt. Ich bin in erster Linie DJ.
Herzlichen Dank!
Schlagworte zu diesem Beitrag:DJ, Interview, Musik






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