RadioFritz-Plattenmann Christoph Schrag
Seit anderthalb Jahren moderiert Christoph Schrag bei Radio Fritz vom rbb mit UNSIGNED jeden Sonntag von 18 bis 20 Uhr das weit und breit einzige Radioformat, das exklusiv Bands ohne Vertrag vorbehalten ist. Hier kann man sich den geballten Ausstoß der Berlin-Brandenburger Probekeller anhören. Im November wird es unter Lausitzer Beteiligung und von einem Cottbuser organisiert nun das erste Festival geben – leider in Potsdam, aber diese Reise ist es allemal wert. Wir sprachen mit Christoph Schrag über seine Sendung, junge Bands und das Festival:
Du bist bei Fritz der Zuständige für junge Musik und moderierst jeden Sonntagabend mit FRITZ UNSIGNED ein kleines Hoffnungsforum für Bands ohne Vertrag – wie ist es denn um den musikalischen Nachwuchs in Brandenburg bestellt?
Hervorragend, da kann ich nur großes Lob ausschütten. Es gibt viele innovative Bands – wie Ortega aus Cottbus. Es gibt HipHop, elektronische Bands, sehr komplexe Kompositionen. Dann gibt’s auch großartige Bands wie GARP, die ihre Sachen einfach nur dahinrotzen, obwohl sie viel mehr aus sich machen könnten. Es gibt alle möglichen Stile, gerade Cottbus und Potsdam sind da schon fast Musikmetropolen und stehen im Vergleich zur Größe Berlin in Nichts nach. Ich erhalte jede Woche über 50 neue Stücke, da komme ich kaum hinterher.
Ich habe dich beim Googeln in mehreren meist nicht mehr aktiven Bands entdeckt … wie viele Bandprojekte gibt es in Deinem Leben?
Da hat es eine ganze Menge gegeben. Momentan beschränkt es sich auf „Mister Who”. Das geht wahrscheinlich auch nur, weil wir zu zweit sind und der andere Kollege den seltenen Luxus genießt, mit Musik einigermaßen auskommen zu können. Er erhält das eigentlich am Leben.
Warum hat es bei Dir noch nicht mit einem Plattendeal geklappt – Du müsstest doch wissen, wie es funktioniert?
Wir waren einfach faul und arrogant. Das zeichnet viele gute Band aus – die wenigsten wissen aber, wie viel von ihnen selbst abhängt. Man braucht heute verdammt viele Business-Qualitäten. Man darf nicht da sitzen, Musik machen und warten, dass jemand kommt. Das muss man selbst machen – und daran scheitern die meisten Bands. Dadurch entsteht leider oft eine antikreative Auswahl. Eine Band muss schon raffen, dass sie selbst etwas für ihren Erfolg tun muss.
Wie kam es eigentlich zu UNSIGNED, haben die Fritzen dich entdeckt – oder umgekehrt?
Ich habe bei Fritz vom rbb schon lange gearbeitet und die Plattenkritiken gemacht. Weil ich mich bei der Bewertung immer ganz schön reingesteigert habe, besonders gegen offensichtliche Kommerzproduktionen, bekam ich so eine Art Stempel als „Rächer der Enterbten”. Als da ein Nachfolger für die Sendung „Popagenten” her musste, kam man irgendwie auf mich.
Gibt es schon Beispiele, dass Bands aus Deiner Sendung den Sprung zu einem Vertrag geschafft haben?
BONAPARTE zum Beispiel, die sind jetzt gerade auf dem Cover eines der beiden großen Berliner Stadtmagazine, die haben nun auch einen Vertrag bei einem Independent-Label. Es gab auch eine australische Band THE LONG WALK HOME, die nach Berlin gezogen sind und auch ein Label gefunden haben. Da gibt es schon Beispiele, die wir zuerst gespielt haben.
Hast Du schon mal über einen UNSIGNED Sampler nachgedacht – sozusagen das Beste der Region, was sonst nicht im Geschäft zu haben ist?
Wir veröffentlichen jede Woche alle Audios der Sendung online auf fritz.de Da gibt`s also im Prinzip jede Woche einen Sampler, nur eben zum Anhören und nicht zum Downloaden.
Zum bevorstehenden Festival: Am 7.11. findet im Potsdamer Waschhaus das erste FRITZ UNSIGNED Festival statt. Gibt es einen bestimmten Anlass?
Das ist ein Versuch. Wir wurden schon häufig von Bands und Veranstaltern angesprochen, sind bislang aber davor zurück geschreckt. Du musst den Saal ja auch voll bekommen. Popmusik funktioniert über die Bekanntheit und den Starkult. Es gibt aber auch neugierige Musikfans, die bei guter neuer Musik ganz vorn dabei sein wollen – und auf die verlassen wir uns bei diesem Experiment.
Wie kam es da zu der Zusammenarbeit mit den Cottbuser Jungs der Cbook Agency, die das Festival veranstalten?
Der Tino von der CBook Agency ist der Veranstalter und stemmt das im Prinzip. Konzerte sollte immer ein Profi in dem Bereich machen – und da sind die genau die Richtigen. Wir haben für das erste Festival Bands der ersten Stunde bei UNSIGNED ausgewählt, die erwiesenermaßen richtig gut sind.
Was erwartet uns an diesem Abend?
Als Opener gibt’s ganz Großes von „Hasenscheisse”. Das sind skurrile, schizophrene und moderne Wanderbarden, das kann man schwer beschreiben. Da wird Humor mit schneller Musik verbunden, das ist fast schon Musiktheater. Danach spielen „Ortega”, die hoffentlich bald ein Album produzieren. Die haben ein sehr gutes Gespür für Melodien, die im Kopf hängen bleiben. „Loosavanna” stehen mit sehr unterschiedlichen Rockstyles als ungewöhnliches Konglomerat aus vier Frauen und einem Typ auf der Bühne. Die sind außerdem auch einfach schön anzusehen. Den Abschluss machen „The Hotel” mit sehr sphärischen Songs und einem visuellen Konzept – da läuft komplettes Kino auf der Bühne.
Vielen Dank für das Interview.
Infos zur Sendung und zur Zusendung von Demos/MP3 etc. unter www.fritz.de/unsigned
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