Tom Cyber
Der Mann hinter Interklang und vielen Clubprojekten im Gespräch über das Clubleben der Region und neue Vorhaben.
Du wirbelst nun seit 13 Jahren im Cottbuser Clubleben herum, hast Du den Weggang aus deiner alten Heimat Dresden je bereut?
Mein Gott, wo ist nur die Zeit geblieben? Mir kommt’s so vor, als hätte alles erst vor ein paar Wochen angefangen. Du hast natürlich völlig recht, es sind dann doch schon ein paar Jährchen geworden in Cottbus und dessen Nachtleben. Ob ich meinen Weggang aus meiner alten Heimat Dresden je bereut habe – bisher konnte ich mir das nicht einmal selber beantworten. Das war wohl die Liebe sowie die vielen faszinierenden Seiten von Cottbus, die dies verhindert haben
Du hast in Deinem Leben auch eine krasse Phase mitgemacht, das ganze Programm mit vielen Partyexzessen. Nutzt Dir diese Erfahrung heute?
Ich glaube schon. Doch wer hat die nicht schon selber durchgemacht. Cest la vie … so ist das Leben. Es gibt gute und so auch schlechte Zeiten. Ich erinnere mich viel lieber an die Guten! Die Jahre haben mich sicher geprägt und reifer werden lassen, was aber nicht heißt, dass ich sämtlichen Partyexzessen abgeschworen habe. Den einen oder anderen Spaß gönne ich mir dann doch noch. So ist er halt, der Cyber. (Grins)
In Cottbus wurde aus dem DJ Tom B Mitte der 90er Tom Cyber und auch Deine Agentur Interklang gab es damals schon. Beide sind noch immer am Start, siehst Du dich selbst als Instanz der Cottbuser Clubkultur?
Danke für den Orden und die Anerkennung. Es gibt aber noch viele andere, die in diesem Bereich Großes geleistet haben. Ich freue mich für mich selber, insbesondere über den Erfolg mit Interklang.
Im vergangenen Monat hat mit dem Schallwerk eine Location ihr Re-Opening gefeiert, die Du vor einigen Jahren schon unter gleichem Namen an den Start gebracht hast. Ist das für Dich mit gemischten Gefühlen verbunden?
Eigentlich nicht. Ich bin da eher offen und habe schon lange mit dem Vergangenen abgeschlossen. Sicher kommt ab und an ein bisschen Wehmut auf. Vielmehr jedoch der Ärger über Cottbusser Ämter, die damals nicht unschuldig am Scheitern des „Schallwerks” waren. Aber wie sagt man so schön: Die Zeit heilt alle Wunden. Jetzt kann ich mich über die Neuauflage des Schallwerks und ihren großen Erfolg nur freuen und wünsche ihm sowie den Betreibern alles Gute für die Zukunft.
Über 10 Jahre Cottbuser Clubleben – woran denkst du gern zurück und woran weniger gern?
Da gäbe es Einiges zu berichten. Gerne denke ich an die vielen wirklich geilen Partys wie im Aqua, dem Kubus, dem Bunker in Drewitz und dem Naturwerk Drachhausen zurück! Ganz besonders jedoch an die vielen eigenen Partys im Schallwerk. Egal, ich schaue lieber nach vorne statt nach hinten und auf die Dinge, die noch kommen werden.
Aktuell werden hier wieder viele hochklassige Bookings angeboten, ist da was in Bewegung geraten?
Na das wollen wir doch hoffen! Ich und mein Partner von Interklang sind der Meinung, dass es einfach wieder Zeit wird neue erfrischende Akzente in Cottbus zu setzen. So wie auch damals im Schallwerk. Auf Grund unserer Zusammenarbeit mit vielen internationalen DJ’s ist es uns möglich, diese auch mal nach Cottbus zu locken. Kiko aus Frankreich ist einer davon…
Auf der anderen Seite häuft sich der Eindruck zunehmender Fehlabstimmung, wenn an einigen Tagen plötzlich alle Locations fette Partys anbieten – mangelt es an Verständnis zwischen den Veranstaltern?
Da gebe ich dir recht. Sicher wäre da eine Abstimmung unter den Veranstaltern das ein oder andere Mal angebracht. Jedoch ist dies manchmal gar nicht so einfach, da spreche ich aus eigener Erfahrung. Andererseits locken so viele unterschiedliche Partys mit Sicherheit viel mehr Partygäste aus dem Umland nach Cottbus…
Jetzt zu Deinen aktuellen Projekten: Ihr expandiert gerade mit Interklang, was geht da vor?
Die Zeit und das Engagement gemeinsam mit meinem Freund Hendrik trägt nun endlich die erhofften Früchte! Nicht zuletzt war es unser großes Ziel, im Ausland Fuß zu fassen. Das haben wir nun geschafft – was sich auch in den Line Up´s vom Funtasy Club & Schallwerk wieder spiegelt. Hier gilt auch noch mal ein großer Dank an den Veranstalter beider Clubs, der mit seiner Offenheit Neuem gegenüber Freiraum für Dinge lässt, die vor einiger Zeit hier nicht mehr möglich waren!
Fühlst du dich mit 40 immer noch am Puls der Clubkultur oder kannst Du Dir so langsam auch ein ruhiges Familienleben vorstellen?
Also wenn ich bitten darf 39. Nein, ich fühle mich nach wie vor und trotz meines Alters noch am Puls der Clubkultur. Mein Job verlangt von mir, immer auf dem neusten Stand zu sein. Außerdem fühle ich mich noch jung und knackig. Partys konservieren halt.
Es gibt allerdings auch eine ruhige, künstlerische Seite an Dir…
Stimmt. Leider kommt diese im Moment einfach nur zu kurz. Ich hoffe das ändert sich in der nächsten Zeit damit ich wieder intensiver an meiner künstlerischen Seite arbeiten kann und mich dem Modellieren von Skulpturen sowie dem Malen widmen kann – um auch ein wenig vom stressigen Alltag abzuschalten.
Danke für das Interview
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