Northern Lite – Die dunkle Seite in jedem von uns
Die Erfurter Elektrorocker haben in 2008 mit SUPER BLACK ihr bislang stärkstes Album vorgelegt. Das Teil geht nach vorn, direkt, dunkel und elektrorockt die Hörmuskulatur. Die Frühjahrstour quer durch den deutschsprachigen Raum lieferte dann auch derart viele Adrenalin-Schübe,das Andreas Kubat und Kollegen nicht genug bekamen. Die Tour wurde um einige Herbstsessions erweitert – und führte glücklicherweise am 6.12. auch wieder ins Cottbuser Gladhouse. Das war ja schon zum letzten Northern Lite-Stopp vor zwei Jahren gnadenlos ausverkauft. Wir sprachen mit dem Sänger Andreas Kubat:
In eurem Pressetext ist nachzulesen, dass Super Black für die nächtlichen Autobahnen, die verwischten Lichter und namenlosen Hotels steht, also den drögen Touralltag. Jetzt kommt passend die Extended-Tour – bekommt ihr nicht genug davon?
Das ist es ja – wir sind dazu getrieben. Das kann man sich nicht aussuchen. Wenn man auf Tour ist, nervt das Drumherum zwar. Aber du hast diese ein bis zwei Stunden auf der Bühne, und das ist es Wert, sich das Andere anzutun. Wir hatten ja eine kleine Sommerpause – aber so richtig Urlaub kann von uns keiner machen. Nach zwei Wochen wird uns das schon zu langweilig…
Zum Album: Super Black wirkt deutlich druckvoller als seine Vorgänger, hat sich das auch bei den Gigs der Frühjahrstour bemerkbar gemacht?
Bei den Gigs war es schon immer unsere Handschrift, einen draufzulegen. Jede Rockband spielt live härter – und da machen wir keine Ausnahme. Ich denke, das knallt live ganz gut.
Gab es in der Frühjahrstour ein Highlight – und welchen Stellenwert hatte der Gig in unserer Slawenburg?
Wir waren ja das erste Mal dort zu Gast. Das ist für uns immer eine Herausforderung, aber bisher ist noch nie viel schief gegangen. Es war ein toller Abend. Highlights gab es allerdings viele, da ist es immer schwer, einen Abend nach vorn zu stellen.
Zurück zum Album: Super Black wirkt zum Teil recht melancholisch, manchmal schon fast negativ, hat eine schwermütige Note. Auch die dunkel leuchtenden Blüten das Artworks passen dazu. Isst das jetzt die dunkle Seite von Northern Lite?
Northern Lite ist sowieso die dunkle Seite in jedem von uns. Alles, was wir an Aggression und Verzweiflung haben, legen wir in unsere Musik. Das wird auch durch unser Artwork symbolisiert. Wir arbeiten schon seit 10 Jahren mit demselben Künstler zusammen, das ist ein guter Freund aus frühen Erfurter Zeiten. Mit den Blumen hat er aber wirklich ins Schwarze getroffen – Super Black eben.
Habt ihr mit Super Black endgültig ein stilistisches zu Hause gefunden – oder ist auch wieder eine Rückkehr zu Neo Pop-Zeiten oder gar ein fröhliches unter der spanisches Sonne produziertes Elektrowerk denkbar?
Es ist richtig, dass du das ansprichst. Es wird Veränderungen geben, auch wenn ich Neo Pop nicht mit der Sonne Spaniens in Verbindung bringen würde. Ein Happy- Album wird es von uns sicher nie geben – aber es kann sein, dass sich unser nächstes Werk wieder mehr reinem Elektro widmet.
Ihr seit jetzt über 10 Jahre auf dem Markt, seit 8 Jahren auch mit eurem Label 1st Decade Records. Könnt ihr eigentlich gut davon leben und reicht das für die Elektrorocker- Rente?
Den Sack haben in unserer Branche die allerwenigsten zu, das wird oft überschätzt. Die Millionen in der Schweiz hat also keiner von uns. Wir sind aber in der Lage, gut davon leben zu können – und was später ist, daran verschwenden wir jetzt noch keine großartigen Gedanken.
Ihr seid aber nicht mehr die Jüngsten – wie sieht es da mit dem Privatleben, mit Familie aus?
Das ist bei uns ganz unterschiedlich, teilweise sind ja Familie und Kinder da. Allerdings haben wir unser Privatleben schon auf das berufliche Dasein abgestimmt. Wenn mal einige Gigs aufeinander folgen, sind wir danach auch ein paar Tage zum Entspannen zu Hause. Andere gehen ja auch auf Montage …
Du hast in einem Interview mal gesagt, dass du ein blödes Gefühl beim Covern hast. Aber mit den 2 Auskopplungen vom aktuellen Album sind ausgerechnet zwei von anderen inspirierte Songs erschienen, wie kam es dazu?
Eine wirklich gute Frage. Das ist nämlich einer der Gründe für unsere Trennung von Universal. Die Auskopplungen waren reine Label-Entscheidungen, da konnten wir nicht alles beeinflussen. Wir mögen die Songs ja, hätten uns selbst aber sicher für eigene Stücke entschieden. Das sind Dinge, die bei einem großen Label nicht immer funktionieren, die aber für uns sehr wichtig sind.
Nochmal zur Extended-Tour: Welche Gäste bringt ihr mit?
Das wissen wir vorher nie genau, deshalb haben wir uns das auf den Flyern auch offen gehalten. Vielleicht bringen wir Maria Antonia von Chapeau Claque mit, die auch beim Bundesvision Song Contest dabei war. Vielleicht auch The World Domination. Lasst euch einfach überraschen.
Auf eurem Album sind erstmals Schlagzeug und sogar Streicher an Bord, sind die auf der Tour auch dabei?
Nein, das wäre zu viel.
Auf was dürfen wir uns noch freuen – gibt es z.B. auch visuelle Überraschungen?
Das kommt immer auf die Größe der Location an. Für die größeren Hallen haben wir eine Riesen LED-Wand angeschafft, da haben wir auch für eine Lightshow gesorgt. Im Gladhouse wird das eher ein Clubgig. Aber wir packen immer mehr auf die Bühne, als notwendig ist. Das wird also auch ordentlich knallen!
Vielen Dank für das interview.
www.northernlite.de
www.myspace.com/northernlite
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