Club Bellevue Lübben – André Matthes im Gespräch
Seit fünf Jahren macht sich der Lübbener Club Bellevue um stilvolle und lupenreine elektroakustische Tanzunterhaltung verdient. Ein Projekt, dass sich inzwischen auch auf Gastspiele im Beeskower Club Treibstoff und in der Slawenburg Raddusch erstreckt. Dahinter steckt ein bescheidener Kopf: André Matthes, den wir zu diesem Gespräch fast überreden mussten:
Du versuchst seit 2004 mit dem Club Bellevue inmitten von sauren Gurken Klubkultur zu machen – warum hast Du Dich gegen den einfachen Weg einer herkömmlichen Diskothek entschieden?
Die Frage hat sich für mich nie gestellt. Meine Motivation war von Anfang an die Liebe zur elektronischen Musik – und daran hat sich nichts geändert. Das ist mein Leben und da stehen finanzielle Aspekte weniger im Vordergrund. Ich bin zwar in der brandenburgischen Klubkultur groß geworden, wie so oft im Leben ist das mit dem Bellevue aber einem Zufall zu verdanken. Eigentlich bin ich studierter Kaufmann, habe in Freiberg und Australien meine Zeit vor dem Bellevue in Hörsälen verbracht und in Auktionshäusern gearbeitet. Dann kam aber glücklicherweise alles anders …
Was macht das Bellevue aus und was für ein Publikum feiert in Deinen Mauern?
Das der Club inzwischen überregional einen guten Ruf genießt, liegt vor allem am Publikum. Die Leute, die zu uns kommen, sind individuell, ein kleines bisschen verrückt, feierwillig – aber auch anspruchsvoll. Die kommen nicht her um zu sehen und gesehen zu werden, sondern um wirklich zu Feiern!
Im Gegensatz zum Gemisch aus elektroakustischer Tanzunterhaltung, Black Music und Querbeet vieler Südbrandenburger Veranstalter bist Du seit Jahren rein elektroakustischen Acts treu geblieben. Ist das Konzept aufgegangen?
Das ist auf jeden Fall aufgegangen. Mit der Zeit habe ich die Bedürfnisse des Publikums auch immer besser kennen gelernt und entsprechende Veranstaltungsreihen ins Leben gerufen – wie die King Size House Clubbings. Letztendlich entscheiden die Gäste und die fühlen sich hier offensichtlich wohl.
Mit dem Schallwerk und weiteren Veranstaltern scheint nun auch bei anderen eine Rückbesinnung stattzufinden – wie beurteilst Du den Weg der Südbrandenburger Klubkultur?
Aktuell auf jeden Fall positiv. Wir müssen durch den Standortnachteil gegenüber den Partymetropolen ja auch oft Überzeugungsarbeit leisten, um überhaupt gute Acts hierher zu holen. Die Partys sind aber wieder hochwertiger geworden und es wird mehr auf das Lineup, den Sound und das Deko- und Lichtkonzept geachtet. Die Gäste profitieren davon, weil immer mehr Wert auf einen Rundum-Wohlfühlcharakter gelegt wird.
Du veranstaltest jetzt auch von Zeit zu Zeit Events im Beeskower Treibstoff – noch so eine stylische Liebhabelocation in der absoluten Provinz. Macht sich hochklassige Klubkultur auf dem Lande besser?
Ich denke, die macht sich überall gut. Mir ist der Beeskower Treibstoff schon immer positiv aufgefallen – und da einer der dortigen Macher ein guter Freund von mir ist, hat sich die Zusammenarbeit mit der gemeinsamen Reihe „100 Oktan“ angeboten. Die Acts fühlen sich dort immer pudelwohl, kommen gern wieder. Das Publikum ist auch extrem begeisterungsfähig.
Zurück zum Bellevue: Bei Deinen Partys legst Du ja großen Wert auf Qualität und öffnest Deine Türen nur wenige Male im Monat. Was treibst Du noch so, wenn Du dich nicht gerade um Partys kümmerst?
Eigentlich dreht sich alles um den Club. Wir haben da auch kein standardisiertes Marketing. Jede Veranstaltung ist etwas Besonderes und wird separat beworben. Vom Booking über die Büroarbeit bis zur Flyerverteilung habe ich mit meinem Team genug zu tun – viel Zeit für Anderes bleibt da kaum.
Gibt es eine Familie oder eine Freundin und lässt sich das gut mit dem Veranstalterleben vereinbaren?
Es gibt eine Freundin und einen kleinen Hund, unsere französische Bulldogge Lotte. Das lässt sich wunderbar vereinbaren, meine Freundin arbeitet auch im Club an der Bar mit.
Mit welchen Nebentätigkeiten oder Hobbys lenkst Du Dich vom beatlastigen Nachtgeschehen ab?
Wenn Zeit ist, verbringe ich jede freie Minute in Museen oder auf Antik-Märkten, sicher auch meiner Vergangenheit und Arbeit in Auktionshäusern wie Christies und Nagel geschuldet. Das ist nach wie vor eine große Leidenschaft von mir.
Wie informierst Du Dich über Trends und neue Acts – gehst Du selbst noch aktiv und viel zu anderen Partys?
Viel geht heute über das Internet. Einige Clubs wie das Loft in Ludwigshafen oder die Worldleague in München sind sicher Vorbilder. Ansonsten informiere ich mich in den passenden Szenemags wie Raveline oder Groove, aber auch in den regionalen Partymags wie ihr eines seid. Da kann man sich auch viel Feedback von anderen Veranstaltern holen.
Du hast schon viele Perlen der Plattenlegergilde im Bellevue gehabt, aber wen der Noch-Nicht-Dagewesenen würdest Du Dir mal hinter die Plattenteller des Bellevue wünschen und warum?
Ein Traum wäre mal ein Sven Väth oder ein Anthony Rother. Das ist aber finanziell nicht zu stemmen, zumal der Eintritt dann entsprechend teuer wäre.
Ein letztes Wort: Wer noch nicht im Bellevue war, sollte unbedingt mal vorbeikommen weil:
… es eine wunderschöne Wohlfühl-Location mit tollen Acts sowie einem netten und begeisterungsfähigen Publikum ist – und weil es mit einer guten Soundanlage und immer wieder wechselnden Deko überrascht. Sicher auch, weil wir viele Acts präsentieren, die nicht alle Tage in Brandenburg unterwegs sind.
Vielen Dank für das Interview
Schlagworte zu diesem Beitrag:Club, Club Bellevue, Lübben, Party, People, Südbrandenburg






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