PANKOW-Sänger André Herzberg im Gespräch
“Eigentlich wird es umso komplizierter, je länger man das macht”
Es scheint zum Ritual zu werden: Bereits zum dritten Mal infolge findet sich die Ostrock-Legende PANKOW zur gemeinsamen Live-Tour im Abstand von zwei Jahren zusammen. Am 31. Januar treten André Herzberg und seine Mannen im Gladhouse an – wir sprachen vorher mit dem Frontmann:
Pankow geht mal wieder auf Tour, nach zwei Jahren Pause und im großen Rahmen 27 Jahren Bandgeschichte. Kommt da etwas Melancholie auf?
Nein, überhaupt nicht. Ich bin froh, wenn wir ab und zu mal konzentriert spielen, so wie wir das jetzt wieder vorhaben. Von Melancholie kann da keine Rede sein.
Schwelgt ihr da nicht manchmal in der Erinnerung an alte Zeiten? Immerhin sahen nicht wenige die innovativste DDR-Rockband in PANKOW – und die Wende bedeutete ja auch einen Einschnitt für das Rebellentum und die Popularität …
Ach so meinst du das. Ja, natürlich. Ich denke manchmal darüber nach, warum das so war. Ich gebe mich da aber weniger meinen Gefühlen hin. Das ist weniger Melancholie, ich analysiere da eher die Verhältnisse und die Veränderungen an diesen.
Warum haben sich gerade die rebellischen Bands des Ostens nach der Wende nicht durchgesetzt – auf dem Ostrock-Thron stehen ja leider die schon zuvor eher systemkonformen Puhdys?
Dafür habe ich eine Erklärung: Ich glaube, für viele Menschen ist es sehr schwer, sich mit solchen Dinge zu identifizieren wie sie uns umtreiben. Sie müssten dann ja über ihre eigene Anpassung nachdenken. Das klingt vielleicht kompliziert, aber die meisten Menschen müssen sich in ihrem Leben nun mal anpassen, da ist es nur wenigen Leuten vorbehalten, das nicht zu müssen oder nicht zu können. Nach dem Fall der Mauer gibt es auch eine Verklärung dessen, was DDR war – und da passt auch eine Erinnerung wie PANKOW schwer rein, die etwas mit Auflehnung zu tun hatte. Das können nur ganz wenige nachvollziehen, weil sich leider nur ganz wenige aufgelehnt haben.
Wie siehst du die heutige deutsche Musikszene, speziell die, die aus dem Osten kommt?
Ich muss zugeben, dass ich mich nicht viel mit anderer Musik beschäftige. Da habe ich den Überblick und auch das Interesse verloren. Es passiert selten, dass mich auf internationaler Ebene etwas Neues interessiert – und schon gar nicht, was aus Deutschland kommt.
Was legst Du dann zu Hause in den CD-Player?
Meistens gar nichts. Ich höre kaum Musik – höchstens mal die eigenen Sachen um zu überprüfen, ob das noch okay ist. Ich mache schon so lange Musik, da bekommst du eine andere Sichtweise, da wird selbst Musik-hören irgendwie zum Beruf. Ich konzentriere mich mehr auf neue Songs oder auf die bevorstehende Show, bereite mich körperlich vor und übe die Abläufe. Eigentlich wird es umso komplizierter, je länger man das macht.
Mal zum Cottbuser Konzert: Ihr habt mit den Cottbusern SANDOW hier eine interessante Parallele; benannt nach einem Stadtteil, im Osten rebellisch, danach irgendwie weiter, Trennung, Reunion – und jetzt wieder auf Tour. Gibt es eine heimliche Verbindung?
Ich hatte mit dem Chris Hinze von SANDOW vor Jahren mal zu tun – aber zufällig und nach der Wende. Ansonsten ist das wohl eher ein Zufall …
Ihr spielt am 31. Januar im Gladhouse, was erwartet uns da?
Wir spielen ein Showkonzert bestehend aus allem, was wir am Besten können. Musik aus allen PANKOW-Zeiten. Wir spielen neue, mittelalte und alte Sachen, einfach eine dichte Show. Da werden auch die ganz alten Hits dabei sein.
Welches Publikum kommt heute zu Pankow-Konzerten, gibt es da auch neue Fans?
Manchmal sind das die Kinder von den Leuten, die früher zu uns gekommen sind. Zumindest haben uns das schon ein paar Mal Leute aus dem Publikum erzählt.
Zum dritten Mal vereint Pankow sich nun im 2-Jahres-Rhythmus zu einer Tour – wird es diesmal auch nach der Tour gemeinsame Projekte geben?
Wir sind im Moment gerade in Verhandlung mit der Volksbühne über die Wiederaufnahme eines Rockspektakels, das wir mal gemacht haben. Das soll eine Neuinszenierung mit Castorf werden, sicher ein spannendes Projekt …
Was würdest Du später beispielsweise unter wikipedia.de gern als lexikalische Erinnerung über Pankow lesen – eher etwas über Rebellen oder über die Rolling Stones des Ostens?
Auf keinen Fall die Rolling Stones des Ostens, das wäre schrecklich. Rebellen trifft es da eher. Die Leute sollen aber einfach die Musik in Erinnerung haben und unsere Songs singen – am besten noch Erinnerungen an Tränen oder Lachen, also irgendwelche Emotionen in Zusammenhang mit unserer Musik. Das wäre schön.
Vielen Dank für das Interview
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