Mal traurig, mal albern Sven van Thom im Interview
Nach dem Überraschungserfolg von SUBWAY TO SALLY im vergangenen Jahr ruhen Brandenburgs Hoffnungen beim Bundesvision Song Contest diesmal auf Sven van Thom. Mit „Trauriges Mädchen“ ist er seit Wochen auf Dauerrotation im Radio, mit „(Jacqueline) Ich hab Berlin gekauft“ wird es beim Bundesvision Song Contest allerdings deutlich rockiger. Ein Typ zwischen Melancholie und teils krudem Humor, den wir vorab zum Gespräch baten:
Laut Wikipedia bedeutet Phantom soviel wie Trugbild, unwirkliche Erscheinung, Einbildung oder auch Gespenst, Geist. Warum taucht bei Dir sowohl im eigenen als auch im Albumnamen soviel davon auf?
Erstmal war das nur ein Scherz, ich wollte mich eigentlich Sven van Kurt nennen. So hieß nämlich mein Opa, mit dem ich in der Kindheit ganz viel Schlager hörte. Dann dachte ich aber, dass alle an Nirvana denken und ich in Interviews immer über Nirvana reden muss. Da hatte ich keine Lust drauf. Zehn Minuten vorm ersten Konzert sagte mein Keyboarder: Nenn dich doch Sven van Thom, ha ha ha. Irgendwie passt das aber , weil mich Leute oft nicht wiedererkennen. Ich habe scheinbar etwas Unscheinbares, eben wie ein Geist oder Phantom.
Bist du da traurig drüber?
Nein, das finde ich in erster Linie sehr lustig.
Wieviele traurige Mädchen wollten seit Deinem Überraschungserfolg von Dir getröstet werden?
Wenn ich die zählen müsste, ich bräuchte Jahre (Lacht). Ehrlich gesagt, so richtig gar keine. Dafür gab es aber sehr viel Zuspruch, weil sich viele Frauen verstanden fühlten.
Wär es Dir da thematisch nicht lieber, Du hättest wie seinerzeit mit Sofaplanet noch einen Hit wie „Liebficken“ gehabt?
Um Gottes Willen. Ich bin eigentlich froh, dass sich daran kaum noch jemand erinnert.
Du hast in vielen Songs einen schwarzen und teils absurden Humor – wäre es passender, Du hättest mit einem dieser Songs den ersten Erfolg gehabt?
Nein, finde ich nicht. Auf meinem Album „Phantomschmerz“ sind auch alberne Sachen drauf, es ist aber in erster Linie sehr melancholisch mit vielen Liebesliedern. Deshalb finde ich das sehr passend. Das war für mich auf jeden Fall die erste Wahl.
Auf der Platte finden sich wirklich viele witzige Texte, auch ein Song wie „Anne Will” auf youTube paart tiefe Melancholie mit krudem Humor: Warum dreht sich bei Dir soviel ums lustvolle Versagen?
Hhm. Lustvoll – ist das wirklich lustvoll? Ich bin generell ein nachdenklicher, melancholischer Typ. Da ist Humor ein Weg, mit dieser Eigenschaft umzugehen, um das tägliche Leben besser zu ertragen. Deshalb schwanken meine Lieder zwischen diesen Extremen: Mal traurig, mal albern.
Deine Musik wird in der Label-Info als Gitarren-Pop meets Country und Western beschrieben – reitest Du deshalb im Video zu trauriges Mädchen einen nicht ganz so wilden Esel durch Berlin?
Ich finde den Song schon ein bisschen countryesk – und da ist ja auch das Ennio Morricone-Sampel aus „The Good, the Bad and the Ugly“ enthalten. Da passt der Esel sehr gut in diese westernartige Stimmung.
Seit Mundi-Micha kaufen plötzlich alle Deutschen Mundharmonikas, würdest Du Dich freuen, wenn sie jetzt auch mehr Esel kaufen?
(Lacht.) Da ich persönlich nichts davon habe und auch keine Eselzucht besitze, ist mir das vollkommen egal.
Zwischen Sofaplanet, Beatplanet und Deinem jetzigen Dasein liegen abgesehen vom stets hintergründigem Humor musikalisch doch Welten. Gibt es für Dich trotzdem Vorbilder, große Helden?
Zeitlos sind definitiv die Beatles – auch Radiohead. Mit denen hat meine jetzige Musik allerdings nicht viel zu tun.
War der 60er Beat mit Beatplanet da eine Ausnahmesituation?
Nein, die Band existiert ja immer noch und wir basteln gerade an unserem dritten Album. Da geht es fröhlich weiter.
Welchen Stellenwert hat dann Deine Solokarriere, musstest Du jetzt eigene Wege gehen, um dich weiter zu entwickeln?
Seit den 90ern habe ich immer wieder Soloprojekte gehabt. Eins hieß jahrelang Psychoterrorismus, das hatte musikalisch einen kleinen Anteil von Singer Songwriter, war aber vor allem HipHop, Aggro und fieses Rumgerappe. Das habe ich schon immer gemacht und gebraucht, um auch Abstand zur Bandarbeit zu haben – ich will aber auf keine der beiden Sachen verzichten. Ich würde Band und Solo als gleichwertig betrachten.
Nun zum Bundesvision-Contest: Da trittst Du mit einem fürs neue musikalische Dasein eher untypischen Lied auf, warum mehr Rock als Country-Western?
Tatsächlich weil die Leute von Pro Sieben – also Stefan Raab und ein paar Redakteure – dieses Lied ausgesucht haben. Dann ist es eben der Bonustrack vom Album, warum nicht.
Für welche Jacqueline hast Du eigentlich Berlin gekauft?
Ich habe es nicht für eine Jacqueline gekauft, sondern kaufe Berlin und benenne es so um. Der Name ist nur so, weil es sich grad reimt.
Du warst vor zwei Jahren mit Beatplanet schon mal zu Gast, seinerzeit Vorletzter. Ist das ein schlechtes Omen?
Viel schlechter kann es diesmal ja nicht werden. Das war damals für fünf Minuten sehr traurig, als wir realisiert haben, dass es überhaupt nicht vorangeht. Letztendlich war die Platzierung aber egal, weil wir unser Ding repräsentiert haben und gemacht haben was wir konnten – wir waren mit uns zufrieden. Wir haben ja trotzdem viel Zuspruch bekommen.
Letzte Frage: Warum stehst Du diesmal ganz oben und warum sollen die Leute für Dich anrufen?
Die Leute sollen für mich anrufen, weil sie Geschmack haben … aber eigentlich weiß ich es nicht, ich bin auch kein Freund von Lokalpatriotismus. In diesem Fall würde ich aber alle Gleichdenkenden um den Gefallen bitten, hier eine Ausnahme zu machen.
Interview: Jens Taschenberger
Info
Sven van Thom beim Bundesvision Song Contest
13.2. 2009, Metropolis-Halle Potsdam
Offizielle Voting-Party für Brandenburg: Alte Chemiefabrik Cottbus
Schlagworte zu diesem Beitrag:Bundesvision Song Contest, Cottbus, Interview, Musik, Potsdam, Südbrandenburg






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