Mike Väth – Da bin ich lieber der Geheimtipp
Ein großer Name kehrt im Februar ins Cottbuser SOUND ein. Mike Väth, der kleine Bruder von „Papa“ Sven Väth liefert ein hartes Set zum Feiern ab. Wir wollten natürlich wissen, was uns da erwartet und sprachen vorab mit dem sympathischen Plattenleger:
Nerven Dich in Interviews Fragen nach Deinem großen Bruder, „Papa“ Sven?
Ein bisschen schon, aber ich kann das verstehen. Es ist natürlich immer wieder ein Thema, obwohl wir beide grundsätzlich verschiedene Sachen machen. Wir sind beide schon über 20 Jahre in der Szene aktiv und vergleichen uns auch gar nicht. Der Sven hat natürlich in der Musik einen ganz anderen Status – ich habe da neben der Musik auch früh im Design und Artwork meinen Weg gefunden und schon Anfang der 90er eine Künstlervereinigung gegründet. Ich hatte andere Schwerpunkte, während Sven schon damals ganz weit vorn war. Da habe ich mich auch nicht in sein Fahrwasser begeben.
Bereust Du manchmal, nicht von Anfang an hinter den Decks mitgemischt zu haben?
Niemals.
Habt ihr eigentlich ein herzliches Bruderverhältnis?
Absolut, wir sind allerdings drei Brüder. Wir sind alle mit unserem Leben zufrieden und da existiert kein Neid. Ganz im Gegenteil, wir profitieren alle voneinander. Und kreativ sind wir alle – auch unser ältester Holger, der hat einen Blumenladen.
Du legst gerade seit vier Jahren intensiver auf und giltst schon als Geheimtipp, hast in Deiner Wahlheimat Schweiz sogar den Thron der myspace-Musikcharts erobert. Liegt das in den Genen?
Das kann man wohl sagen. Das liegt sicher daran, dass wir mit der Diskothek unserer Eltern aufgewachsen sind. Meine Eltern hatten auch alle Preise im Rock`n`Roll-Tanzen abgeräumt – und unser Leben bestand von Anfang an aus Musik und Tanzen.
Wärst Du in der Szene gern als „Bruder Mike“ ebenso bekannt wie Dein Bruder oder lebst du gern mit Deinem Status als Geheimtipp?
Da bin ich lieber der Geheimtipp. So unbekannt ist man als Bruder von Sven aber nicht, das ist quasi so eine Zwangsprominenz, die man mit sich trägt – ob man das nun will oder nicht. Das sind zwei Seiten einer Medaille: Da ist der Türöffner und natürlich auch eine sehr hohe Erwartungshaltung. Da werde ich an jemandem gemessen, der Weltelite ist – und das ist wiederum nicht so einfach.
Dennoch teilt sich Deine Liebe zur Musik immer noch das Feld mit dem Designer, welche Leidenschaft überwiegt derzeit?
Derzeit ganz klar: Die Musik! Das sind aber zwei Kanäle in meinem Leben, die sich immer wieder austauschen. Ich war ja schon mal vor zehn Jahren mit dem „Mike Väth Projekt“ mit einer Live-Performance unterwegs und habe auch meinen ganz eigenen Sound, an dem ich täglich arbeite. Vor einem dreiviertel Jahr kam nun Anthony Rother auf mich zu und wollte mit mir was zusammen starten. Er ist auch einer meiner besten Freunde – und auch deshalb bin ich darauf eingegangen und treibe das jetzt nach vorn.
Im Februar kommst Du in den Cottbuser Club Sound, das scheint in absehbarer Zeit der einzige Gig im Osten zu sein, warum bist du im wilden Osten so wenig zu erleben?
Ich habe da tatsächlich erst zweimal aufgelegt, einmal in Zwickau und einmal im Klangwerk Ost. Meine Wurzeln sind aber im Osten, zumindest wurden meine Eltern dort geboren.
Wie bereitest du dich auf so einen Gig vor, informierst Du Dich, wie die Klubkultur vor Ort aussieht und bringst Du gezielt neue Trends mit?
Ich bringe meinen eigenen Trend mit. Wenn man mich bucht, dann bucht man Mike Väth und genau meinen eigenen Sound.
Welchen Style wirst Du aus den Plattenkoffern zaubern?
Ich bin in erster Linie Techno-DJ. Ich mag groovige Beats, es muss tanzbar und stimmungsvoll sein. Es darf hart sein, muss aber immer positiv bleiben und Emotionen zulassen. Es ist mir auch sehr wichtig, mit den Leuten zusammen zu feiern, früher da zu sein, die Leute kennen zu lernen.
Bei Dir taucht auch Minimal auf, wobei der Trend auch bei hiesigen Partys immer mehr zu housigeren Sachen geht. Hältst Du die Fahne trotzdem hoch?
Minimal ist bei mir schon ein Element, ich nehme mir die Freiheit, mich nicht nach einem Trend oder Genre zu richten. Egal wo Du hingehst, gibt es immer andere Schwerpunkte. Da finde ich für mich falsch, diesen Schwerpunkten zu folgen. Mein Set hat verschiedene Facetten, da ist Minimal genauso drin wie housigere Sachen.
Lieferst Du ein festes Set oder rockst Du die Party bis zum Ende?
Ich bleibe immer solange, wie die Leute feiern. Ich bin nicht selten der Letzte, der geht.
Auf der Seite dienes Labels Datapunk ist zu lesen, dass schon Dein rein körperlicher Auftritt hinterm DJ-Pult ungewöhnlich ist – was steckt denn dahinter?
Ich bin Tänzer. Bevor ich angefangen habe aufzulegen, habe ich locker 16 Jahre vor Sven getanzt. Vor einigen Jahren habe ich den Sound, zu dem ich tanzen möchte, nun für mich weiter entwickelt. Solange ich Tanzen kann, ist es gut – und deshalb tanze ich eigentlich mein ganzes Set durch.
Letzte Frage: Was wünscht du dir vom Cottbuser Partyvolk für deinen Februar-Gig?
Offenheit. Um einen Abend gemeinsam und schön zu grooven.
Vielen Dank für das Interview.
Info
Mike Väth – Deep Down 27.2.2009 um 23 Uhr
SOUND Universal Dance Club
Schlagworte zu diesem Beitrag:Cottbus, DJ, Interview, Musik, Sound, Südbrandenburg, Techno






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