Daniel Reiche: All diese Projekte sind meine Hobbys
In dieser Ausgabe wird einer der wohl umtriebigsten Protagonisten der Klubkultur unserer Region gewürdigt. Unternehmer, Veranstalter, Designer, Deejay, Aufklärer … die Liste seiner Aktivitäten ist lang, aber lest selbst:
Du hast eine Kommunikations- und Designagentur, betreust zwei umfassende Infoportale im Web, bist DJ und Veranstalter – Wieviele Stunden hat dein Arbeitstag?
Wahrscheinlich 26. Aber irgendwie bekomme ich das unter einen Hut.
Woher kommt das Engagement und wie kam es zu diesem Weg?
Für die einzelnen Projekte gab es verschiedene Auslöser. Zur Drogenseite kam es zum Beispiel durch viele User-Nachfragen über die seinerzeit bereits existierende Seite ae-pool.de. Vor einigen Jahren, als ich das ins Leben gerufen habe, gab es dazu keine Angebote im Internet. Beim Start von ae-pool.de war das genauso, seinerzeit gab es nur techno.de und viel mehr war nicht in Sicht – schon gar nicht auf regionaler Ebene. Es gab auch lange keine vernünftgigen Flyer in der hiesigen Klubkultur – so kam es zu meiner Grafikagentur arteffective …
Du lebst in Hoyerswerda, nicht gerade der Sonnenschein auf der Landkarte. Bist du eher dort oder im Web zu Hause?
Ehrlich gesagt, eher im Netz. Man hat dort mehr und schnellere Kontaktmöglichkeiten. Zwar trifft man sich auch im realen Leben immer wieder mit Veranstaltern in Hoy und macht viel – aber die Hauptarbeit läuft auf digitalem Weg.
Viele Deiner Projekte hängen eng mit der Klubkultur unserer Region zusammen, verstehst Du Dich als Strippenzieher hinter den Kulissen?
Nein, ich verstehe mich eher als Dienstleister für Veranstalter, aber auch ganz andere Unternehmen. Das reicht von reiner Gestaltung auch bis zu inhaltlicher Arbeit. Natürlich sorgt man da auch für gewisse Vernetzungen – gerade weil man weiß, was die einzelnen Veranstalter planen. Da hilft es schon, wenn man anderen Hinweise geben kann und so Dopplungen in den Planungen für verschiedene Events vermieden werden.
Du hast mit ae-pool eines der ersten Portale elektronischer Lebenskultur überhaupt gegründet, warum hast Du das bei der hohen inhaltlichen Qualität nie kommerzialisiert?
Weil einfach die Zeit nicht da war. Zum Anfang habe ich das gemacht und das Portal ist bis 2004 rasant gewachsen, da waren wir mit Partyreviews und allen Zusatzinfos fast führend in der Region. Dann wurde mir das wirklich zu viel Arbeit – und es kam mir eigentlich ganz recht, dass zu diesem Zeitpunkt Snapscout auf den Plan trat. Mit ihren Partyfotografen und vielen Services entstand da ein neues Angebot, das mich entlastet hat. Da konnte ich ae-pool.de runterfahren, weil das neben der normalen Arbeit auch kaum noch zu stemmen war. Jetzt ist das Portal Liebhaberei, da schreiben ich und ein Freund über gute Platten, Partys, Neuigkeiten und was so anfällt – ganz ohne Zwang.
Mit drug-infopool.de bietest Du die mir beste bekannte Seite aus den Reihen der Klubkultur zum Thema Drogen. Wie kam es dazu?
Wir haben seinerzeit über ae-pool.de viele Anfragen von Nutzern zum Thema Drogen bekommen, das im Internet absolut unterbelichtet war. Deshalb haben wir eine Unterseite eingeführt, die innerhalb von 2-3 Monaten einen so gewaltigen Ansturm erlebte, dass wir eine extra Domain unter drug-infopool.de einrichten mussten. Das haben wir größer und umfangreicher gemacht und gehörten damit bundesweit zu den Ersten. Dieses Portal ist nach wie vor auf topaktuellem Stand.
Mit einem Blick auf die Drogenseite – welche Bewusstseinserweiterung bevorzugst Du privat?
Alkohol. Andere Drogen habe ich noch nicht probiert und auch keine Lust dazu. Ich weiß ja wie sie wirken, weil ich beständig darüber schreibe.
Welche Resonanz hast Du auf dein Engagement, siehst Du dich da als so eine Art Sozialarbeiter der Klubkultur?
Eher als Informationsgeber und -aufbereiter. Gerade wenn es um neue Drogen oder gesetzliche Regelungen geht, findet man oft keine Informationen. Das wird gesammelt und geordnet bereit gestellt. Genutzt wird das Angebot von vielen Konsumenten, insbesondere über Diskussionen im Forum. Aber auch viele Eltern informieren sich auf der Seite über das, was ihre Kinder unter Umständen konsumieren. Schüler nutzen die Informationen oft zu Recherchen für Vorträge – und auch Pädagogen und Sozialarbeiter gehören zu den regelmäßigen Besuchern. Im Westen wird die Seite allerdings deutlich intensiver genutzt, dort scheint man informationshungriger zu sein.
Wie regelmäßig bis Du noch als DJ und Veranstalter unterwegs?
Ich veranstalte unter dem Label „Golden Cat“ einmal im Jahr die „Sexy Nights“ im Lausitz Center Hoyerswerda, da ist es Anfang März ja wieder soweit! Als DJ lege ich bis zu drei Mal im Monat auf – da forciere ich aber nichts, das ist Spaß.
Gibt es bei all den Projekten auch Platz für Hobbys oder sogar eine Familie?
All diese Projekte sind meine Hobbys, da ist kein Zwang dahinter. Für die Freundin bleibt trotzdem Zeit …
Gehst Du selbst noch viel auf Partys oder gehst du es in den freien Stunden eher ruhiger an?
Am Wochenende ist regelmäßig Party angesagt. Da wird noch viel mitgenommen, auch wenn wir keine 17 mehr sind …
Vielen Dank für das Interview.
Projekte von Daniel Reiche im Internet
Schlagworte zu diesem Beitrag:AE pool, drug infopool, Hoyerswerda, Info, Lausitz, Party, People, Service, Sexy Nights, Südbrandenburg






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