Moguai – Ich hatte schon zwei Hörstürze
Einer der erfolgreichsten deutschen Techno DJs scheint an unserer Feierkultur Gefallen gefunden zu haben. Gerade im Dezember rockte MOGUAI den Cottbuser Hangar, nun startet er mit einem weiteren feinen Set den Tanzfrühling im Lübbener Club Bellevue. Wir sprachen mit dem umtriebigen DJ, Produzenten und Labeleigner:
Du bist seit Anfang der 90er beim House- und Techno-Cirkus dabei. Zu Deiner Leidenschaft, dem Skateboarden, hätte allerdings eher etwas HipHop-lastiges gepasst? Wie hast Du zur elektronischen Musik gefunden?
Das kam durchs Ausgehen. In meiner Jugend hörte ich viel Punk, Skatepunk, auch Psychobilly und anderes verschrobenes, schräges Zeug. Ich war auch regelmäßig in Düsseldorf unterwegs und kam in einem Laden namens Ratinger Hof das erste Mal mit elektronischer Musik in Berührung. Die Veranstaltungsreihe hieß Technozoid. Resident war mein Kumpel und jetziger Partner Phil Fuldner. Das hat mich inspiriert, ich habe mir einen MKZWO zugelegt und dann hat sich das verselbständigt.
Tocotronic sangen mal einen anhaltenden Trend beschreibend „… der ist jetzt auch DJ in Berlin …“ – was hält Dich eigentlich als „Lonely Cowboy“ in Recklinghausen?
Vielleicht gerade, weil alle dahingegangen sind. Ich komme ja auch gerade von der Berlinale und kann das bestätigen – da habe ich viele Kollegen getroffen, die inzwischen dort leben. Ich finde Berlin auch super, wollte aber immer nach Amsterdam gehen. Ich war auch kurz vor dem Absprung, aber da wurde das Ding mit meiner Musik immer erfolgreicher. Jetzt bin ich viel auf Tour, oft auch in Berlin. Da genieße ich die Ruhe in der Woche zu Hause. Das ruhigere, geregelte Leben ist wichtig zum Aufladen.
Inzwischen bist Du über 15 Jahre als Plattenleger on tour – geht das nicht irgendwann auf die Ohren und die Nerven?
Die Frage passt: Ich hatte schon zwei Hörstürze. Das ist allerdings schon sieben, acht Jahre her. Allerdings habe ich mich selbst ungenügend geschont. Seitdem trage ich beim Auflegen immer spezielle Ohropax mit einem 15 Dezibel-Filter – und habe glücklicherweise keine Probleme mehr.
Nach einer gewissen Regierungszeit erleben wir etwas verzögert auch in unserer Provinz den Niedergang des Minimal hin zu housigeren Sachen. Beeinflussen Dich solche Trends oder ignoriert man solche Moden als gefragter DJ?
Als Radio DJ habe ich natürlich auch eine Informationsfunktion. Da gehört es zu meinen Aufgaben, den Leuten auch neue Sachen und Trends mitzugeben. Allerdings war ich als DJ nie auf ein Ding festgelegt und habe schon immer verschiedene Styles gespielt. Wichtig ist nur, dass man ihnen eine eigene Note geben kann und sie in das eigene Set passen. Insofern habe ich kein Problem mit Minimal, letztendlich ist das aber auch nur eine Facette.
Du bist sehr aktiv am Auflegen, auf deiner Website stehen allein im März/April 16 Gigs, dazu Radiosendungen, Labelarbeit. Bist Du ein Workoholic?
Ich sehe das ja gar nicht als Arbeit. Ob das Label, Deejaying, Remixen oder die Radiogeschichten – das alles macht mir Spaß. Natürlich mache ich in meinem Leben auch andere Sachen. Man muss das nur gut koordiniert bekommen. Ich habe ja auch ein Privatleben und eine Frau. Wir bekommen das aber gut gedengelt, sie ist als Schauspielerin und Model auch viel unterwegs und ähnlich gepolt. Wenn ich mir das richtig überlege, habe ich eigentlich vor, noch mehr zu machen.
Wonach suchst Du Deine Gigs aus – muss nur die Gage stimmen oder spielen Location und Ort auch eine Rolle?
Location und Ort sind sogar extrem wichtig. Ich könnte hier im Ruhrpott jedes Wochenende zu Kursen spielen, die woanders nicht zu verwirklichen sind. Ich sehe aber keinen Sinn, in irgendwelchen Kommerzläden aufzulegen, nur damit dort ein bekannter Name auf dem Flyer steht. Da schaut mein Büro auch anderswo genau hin, nicht umsonst kümmern sich hier neben mir noch drei weitere Leute um alles, was Moguai so treibt.
Ende letzten Jahres warst Du im Cottbuser Hangar 5 – und bist im März relativ kurz danach nebenan im Lübbener Bellevue. Hat dir das Publikum so gefallen?
Das Publikum war toll und ich freu mich schon auf den Gig im März. Mir ist gar nicht aufgefallen, dass der Abstand so kurz ist – der Gig im Bellevue ist auch schon seit langem und sogar vor dem Hangar geplant gewesen. Das im Dezember war allerdings eine wirklich gute Party, da rechne ich eher mit positiven Nachwirkungen.
Nach dem Cottbuser Hangar als eher größere Location gehts nun mit dem Bellevue in intimere Clubgefilde – was magst Du mehr?
Definitiv intimere Clubgefilde. Da lässt sich eine ganz andere Stimmung aufbauen. Ich gehe auch privat lieber in kleinere Clubs. Abende wie im Bellevue sind für mich selbst wie ein Ausgehen. Ich gehe früher hin, nehme die Stimmung und Mentalität der Leute auf und spiele dann die Platten, die ich bei der Party selbst gern hören würde. Das funktioniert immer!
Worauf dürfen sich Tanzfreunde im Bellevue freuen?
Sicher bringe ich einige neue Singles mit, wie z.B. eine neue Version von dem Klassiker “Beatbox”, welche die erste Single nach dem Relaunch meines Labels PUNX sein wird. Ein Clubabend ist immer etwas Besonderes für mich! Da haben die Location und die Leute, die Art wie dort Party gefeiert wird, jedes Mal einen gehörigen Einfluss auf das Set. Ich freue mich sehr auf den Abend im Bellevue!
Nochmal zu Dir: Was steht im Hause Moguai an? In Deiner Diskography finden sich ja unzählige Mix-Compilations. Darf man sich auch mal auf ein reines Moguai-Album freuen?
Ja, ich möchte jetzt endlich ein Album machen. Das ist längst überfällig und soll in 2009 nun endlich kommen. Es wird etwas vollkommen anderes als die Mixalben, die ich seit Jahren mache. Ich träume schon seit fünf Jahren davon, auf diese Weise eine neue Seite zu präsentieren. Das nächste Mal reden wir also sicher über mein neues Album …
Moguai
Club Bellevue Lübben
14. März 2009 | 23.00 Uhr
www.club-bellevue.net
Schlagworte zu diesem Beitrag:Club Bellevue, House, Interview, Lübben, Musik, Südbrandenburg






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