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Paul van Dyk

Paul van Dyk

Es geht immer darum, jeden Einzelnen zu überzeugen

Er ist der deutsche DJ-Weltstar schlechthin und seit über zehn Jahren an der Weltspitze unterwegs. Dort gibt es wenige Musiker, die so bodenständig wie Paul van Dyk geblieben sind. Ende April ist er wieder auf der Mayday zu erleben und Anfang Mai im nahen Berlin in einer neuen Location. Wir erwischten Paul kurz vor dem Abflug auf die nächsten Gigs seiner Survey Tour 09 – die ihn u.a. nach Medellin, Miami und Manchester führt – zu einem Gespräch über das Plattenlegen, Kinder und soziales Engagement:

Du bist seit über 10 Jahren nicht nur an der DJ-Weltspitze unterwegs sondern scheinst Dich auch äußerlich kaum zu verändern – wie konserviert man denn Erfolg und Jugend?
Keine Ahnung. Vielleicht ist die Lösung, genau das einfach nicht zu versuchen. Die Frage geht ja in Richtung meiner Philosophie. Für mich ist Erfolg und entsprechende Platzierungen immer das Ergebnis von Arbeit und nie das Ziel. Ich glaube, es ist der Spaß an der Sache, das Musik machen an sich, das mich erfüllt. Da habe ich auch kein Problem mit Enttäuschungen. Dadurch bleibe ich sicher auch ein fröhlicher und optimistischer Mensch – und das wiederum hält auch optisch jung.

Erinnerst Du Dich noch an Deinen ersten DJ-Gig und Deine erste intensive Berührung mit Musik überhaupt?
Ja, an Beides. Der erste Gig war im Tresor und eine erschreckende Erfahrung. Wenn man anfängt, hat man die Plattenspieler ja erst mal zu Hause im Zimmer und da drehst Du der Oma nebenan wegen auch den Bass raus und machst nicht so laut. Da gehen viele Sounds und Sachen unter. Als ich das im Club zum ersten Mal richtig laut hörte, habe ich mich wirklich erschrocken. Meine erste Erfahrung mit Musik hatte ich mit 9, 10 Jahren. Ich habe bei den Hausaufgaben immer Musik gehört und da lief nebenbei immer das Radio. Und plötzlich kam etwas ganz Neues, die erste Single von The Smith. Von da an wusste ich, dass Musik etwas Wichtiges für mich ist.

Paul van DykDu bist ja auch ein Kind der Zone. Bis zum 18. Lebensjahr hast Du da kaum eine freie Musikkultur erlebt – wie kamst Du da zum Plattenlegen?
Ich bin in Ost-Berlin groß geworden. Da gab es zum einen die Möglichkeit, Westradio zu hören – auf der anderen Seite gab es eine Subkultur, die außerhalb der staatlichen Kontrolle stattgefunden hat. Ich kann mich an Punk-Konzerte in Kirchen erinnern und als Ende der 80er das Ding mit Acid-House los ging, haben wir uns das mit Kumpels im Partykeller von Freunden angehört. Natürlich war die Restriktion des Staates problematisch – aber ich kann mich erinnern, auf der Höhe des Acid-House mit Smily-T-Shirt und UK-Fahne durch Ost-Berlin gerannt zu sein.

Wie weit bist Du gekommen?
Da gab es wirklich viel Ärger. Ich wurde irgendwann auch mal von der Volkspolizei auf der Straße eingesammelt und nach Hause gebracht. Die hofften dann, dass meine Mutter so richtig Theater macht. Aber die hat sich nur ganz lieb bedankt, dass sie ihren Sohn nach Hause gebracht haben …

Zum aktuellen Leben: Ich habe in einem Text gefunden, dass Du jährlich 640.000 Kilometer zwischen Deinen weltweiten Gigs zurück legst. Gibt es für Dich noch so etwas wie Heimat?
Ja, aber das hat für mich nichts mit Geographie zu tun. Heimat ist da, wo meine Familie und meine Freunde sind. Ich habe viele Freunde in Berlin, in Wellington und in Hagen am Teutoburger Wald. Irgendwo in diesem Dreieck bin ich zu Hause.

Denkst Du schon an Kinder?
Durch meine Arbeit und mein Engagement im karitativen Bereich weiß ich, dass es eine Riesen-Verantwortung ist, Kinder groß zu ziehen. Man braucht Zeit, um auf die Befindlichkeiten der Kinder einzugehen. Wenn man das nicht macht, kann das viele Probleme für die Kinder und letztendlich auch für die Gesellschaft mit sich bringen. Ich habe jetzt einfach nicht die Zeit, mich in dem Maß um Kinder zu kümmern, wie ich das für notwendig halte. Deshalb werde ich dann Nachwuchs haben, wenn ich auch die Zeit habe. Das werde ich also später in meiner Lebensplanung umsetzen.

Apropos Papa-Dasein: Seit 99 kümmerst Du Dich mit Deinem Label VANDIT um innovative, junge Künstler. Wie wird man ein VANDIT?
Zunächst müssen wir die Musik mögen. Es klingt zwar blöd: Aber man muss das Potenzial erkennen. Wir haben schon Künstler gesignt, deren Sachen nicht toll klangen. Die ersten Tapes z.B. von Guiseppe Ottaviani waren nicht großartig, aber das Potenzial stimmte. Wir müssen auch alle Spaß haben, miteinander zu arbeiten. Insofern ist auch die menschliche Komponente sehr wichtig.

Du hattest vorhin kurz Dein soziales Engagement angesprochen. Auf Deiner Seite findet man unter LINKS erst mal einige soziale Projekte, bevor es überhaupt mit Musik losgeht. Was liegt Dir momentan besonders am Herzen?
Ganz klar das Projekt RÜCKENWIND, das vom Haus der Familie und von mir vor einigen Jahren ins Leben gerufen wurde. Es geht darum, in diesem reichen Land allen Kindern unabhängig vom familiären und sozialen Hintergrund Bildung, Betreuung und Zuneigung zu gewähren. Es gibt sehr viele weniger ideale Familienverhältnisse, aus denen Kinder entspringen, die von vornherein weniger Chancen haben als andere. Da versuchen wir anzusetzen und arbeiten mit Kindern von 3 bis 14 Jahren. Das reicht vom motorischen Training in Theatergruppen bis zu Computerkursen. Wir versuchen auch, die generationsübergreifende Nachbarschaftshilfe einzubinden. Die Kinder sind gebannt, wenn Oma ein Märchen vorliest – und die wiederum hat ein gutes Gefühl, gebraucht zu werden. Solche Dinge halten das soziale Gefüge einer Gesellschaft zusammen und das ist essentiell. Dafür engagiere ich mich im politischen Rahmen und versuche über einen positiven Lobbyismus, hier etwas zu erreichen.

Paul van DykBringst Du den Kindern auch das Plattenlegen bei?
Das halte ich persönlich ja für eine veraltete Technologie. Für mich hat elektronische Musik schon immer etwas damit zu tun, auch die neuesten Technologien zu benutzen. Insofern spielen Plattenteller bei mir schon lange keine Rolle mehr. Ich würde Kindern eher das Musizieren beibringen.

Du hast im DJ-Dasein fast alles erreicht – was inspiriert Dich noch?
Da kommen wir wieder zur ersten Frage zurück. Mein Antrieb ist kein Preis oder der Erfolg – das ist nur das Ergebnis. Mein Antrieb ist es, Musik zu machen, meine Ideen so gut wie möglich musikalisch auszudrücken. Das treibt mich an. Es ist bei den Gigs auch unwichtig, ob Tausend, zehntausend oder eine Million zuhören. Es geht immer darum, jeden Einzelnen zu überzeugen, warum gerade dieser Teil der Musik mir so viel bedeutet.

Das funktioniert bei Dir aber rund um die Welt. Ist Paul van Dyk ein universelles Produkt oder ticken die Tanzflächen in unterschiedlichen Winkeln der Erde anders?
Das ist jedesmal anders, selbst wenn Du in einer Stadt in verschiedenen Clubs auflegst. Es ist schon ein Unterschied, ob Du in London ins MATTERS oder ins MINISTRY OF SOUNDS gehst – da hast Du vollkommen unterschiedliche Crouwds vor Dir. Ich habe immer eine klare Idee von dem, was ich mag und präsentieren will. Alles andere ist immer von der Interaktion mit den Leuten abhängig und absolut individuell.

Du bist Ende April auf der Mayday – in unserer Nähe am 2.5. im Berliner ASTRA Club. Was erwartet uns auf dieser Vandit Night und was ist das ASTRA?
Das ist eine neue und sehr spannende Location. Ich glaube, die Infrastruktur mit Parkplätzen und Erreichbarkeit und die Location mit ihrer angenehmen Größenordnung und der Sound des Ladens passen. Musikalisch haben wir uns Jerome Isma-Ae eingeladen, dann bin ich dran – und dann folgt Alex M.O.R.P.H. sicher mit Sachen von seinem neuen Album. Da kann man sich also auf einiges freuen.

Ist bei Dir auch was Neues in Arbeit?
Ja, da gibt es auf der Vandit Night auch was zu hören. Zudem arbeiten wir gerade an einem „Best Of“-Paket. Das wird das Beste von meinen Arbeiten aber auch Remixen wie New Order, Justin Timberlake oder U2 enthalten. Von meinen eigenen Tracks gibt es auch aktuelle Remixe und noch einen ganz neuen Track. Ich habe auch schon die nächsten Pläne für 2010 und das nächste Album.

ASTRA
(S-Bahn Warschauer Straße)
02.05.09 | 23 Uhr

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Eine Antwort zu “Paul van Dyk”

  1. Insomnia-mag » Paul van Dyk - Best of Album: Volume schrieb am 13.05.2009 um 11:05 Uhr:

    [...] Insomnia-mag sprach mit Paul van Dyk im Interview [...]

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