D. Diggler im Interview

“Das vermisse ich übrigens heute am Meisten. Die Wärme analoger Sounds.”
Hinter dem Projekt ‘D. Diggler’ verbirgt sich Andreas Mügge. Unter dem Einfluss seines Vaters, eines Jazzmusikers, beginnt er im Kindesalter Schlagzeug zu lernen um im Alter von 12 Jahren gemeinsam mit ihm in einer Jazzcombo zu spielen. Schnell merkt er, dass seine Passion nicht im Zusammenspiel mit anderen liegt, sondern in der Umsetzung seiner eigenen Ideen unter Zuhilfenahme von MIDI-Equipment. Bereits die erste Produktion für ‘raum…musik’, der Track “Boogiemonster”, findet sich 1998 in diversen DJ-Charts und Clubs wieder. Auch die weiteren Veröffentlichungen imponieren DJs wie Sven Väth oder Monika Kruse und sind mit prägend für den so genannten Frankfurter Sound. Ende April 2000 veröffentlicht ‘D. Diggler’ sein erstes Album mit neuartigen Tracks, deren Spektrum von poppig-süss bis technoid-slammend reicht. Bis Heute erschienen nach unzähligen 12″ und Remixen nunmehr 4 Alben, das letzte 2006 auf dem Berliner Label „Resopal Schallware”. Nach einer Studiopause 2007 erblicken nun frische Tracks das Licht der Welt. Unter Anderem auf Labels wie Oliver Lieb´s „Maschine” oder Pascal Feos´Label „LevelNonZero” und „Resopal Schallware”. Im Frühjahr 2009 erscheint das neue Album auf „Level Non Zero”. Insomnia-Redakteurin Nicole sprach mit dem 34-jährigen Hanauer Vollblut-Produzenten um einige interessante Fragen zu klären.
Dein Name ist eigentlich Andreas Mügge. Welche Geschichte steckt hinter deinem Künstlernamen D.Diggler?
Naja, der Name entstand damals etwas aus einer Bierlaune heraus. Raummusik hatte sich für die ersten Tracks zur Veröffentlichung entschieden, und was noch fehlte war ein Künstlername. Eines Abends saß ich mit einem Freund zusammen, kurz nachdem wir BoogieNights zum ersten Mal gesehen haben. Da kam uns die Idee mit D.Diggler.
Heute, muß ich sagen, immer auf den koksenden Pornostar angesprochen zu werden…, naja, ich bin nicht mehr ganz so in dieser Bierlaune. Damals konnte man das Ausmaß eben weniger gut abschätzen. Für mich ginge es damals um 1-2 Maxies. Dass das mal so gross werden würde, konnte ja niemand wissen. Heute wäre es mir doch lieber, wenn „Andreas Mügge” den Leuten genauso in Begriff wäre, wie D.Diggler ;)
Mit 12 konntest du schon Schlagzeug spielen. Woher kam denn so früh der Antrieb?
Mein Vater hat jahrelang in einer lokalen Jazzband in Hanau als Rhythmusgitarrist gespielt. Ich bin von klein an mit Musik aufgewachsen und somit war ich auf fast allen Auftritten mit dabei. Das Schlagzeug hatte auf mich immer eine magische Anziehungskraft. Ich hatte mit 5 mein erstes Eigenes, mit 9 spielte ich auch mal bei der Jazzband meines Vaters mit. Bis zum 18.Lebensjahr spielte ich, bis ich zur elektronischen Musik kam…
Wann und durch wen bist du damals zur elektronischen Musik gekommen?
Mein Bruder hatte damals Acid House Platten ins Haus geschleppt, u.a. den für mich bis heute größten Acidtrack der Geschichte, Stakker Humanoid. Anfänglich sehr skeptisch, war ich aber irgendwann derart fasziniert von diesen Sounds, die ich noch nie in meinem Leben zuvor gehört hatte. Das war 1989 und ich begann mich intensiv mit der elektronischen Musik auseinander zu setzen.
Wer hat dich in den Anfängen der elektronischen Rave- und Technobewegung am meisten inspiriert?
1991 fand ich mich schon auf ersten Maydays wieder, die Parties in der „Halle” „Weissensee” in Berlin haben mich bis heute sehr geprägt. Genauso wie etliche Nächte im Omen zu Svens Sound oder im Dorian Gray, der Andy Düx, Dag usw. Der Kölner Acid-Techno-Sound aus den Kreisen von Air Liquide & Co. 1994 hat mich musikalisch sehr beeinflusst. Gerade deshalb, weil meist zu 100% analog produziert wurde und der Sound entsprechend warm war. Das vermisse ich übrigens heute am Meisten. Die Wärme analoger Sounds.
Du kommst aus und lebst nach wie vor in Hanau bei Frankfurt am Main. Was macht die Ecke musikalisch eigentlich aus? Fließt ja einiges an prägenden Sounds aus dem Raum seit vielen Jahren in die Szene ein.
Ich fühle mich hier pudelwohl. Das liegt aber eher an den wohnlichen Verhältnissen, als an der Nähe zu Frankfurt. Frankfurt hat aber schon immer einen grossen Stellenwert in der generellen Entwicklung gehabt, und der „Sound of Frankfurt” war seit jeher stilprägend in der elektronischen Musik. Natürlich auch Inspiration für mich. Noch heute kommen ja viele bekannte und durchaus richtungsweisende Produktionen aus Frankfurt und Umgebung.
Was wäre denn deine ganz persönliche und aktuelle Interpretation für die Stilrichtungen Techno und House Musik heute?
House muß groovig sein. Da gibt es ja gerade jetzt eine ganze Menge wirklich schöner Sachen, gerade aus dem Frankfurter Raum. Techno muß nicht immer hart sein. Wichtig für mich ist das hypnotische und spacige. Gibt es zwar nicht oft zur Zeit., aber deshalb mache ich es ja auch. Ich hasse stumpfen Techno, vor allem Triolen/Shuffle-Techno. Da gibt es zwar hier und da mal Herausragendes, ansonsten aber: Schrecklich!
Im April erscheint dein neues Album „Decade One” auf dem Pascal Feos Label LevelNONZero. Beschreib uns doch mal, was alles so drauf sein wird, wonach es klingt und welche Specials die Fans erwarten?
„Decade one” ist sozusagen das 10-jährige Diggler-Jubiläumsalbum.
Deshalb enthält es auch einen Querschnitt an Digglersounds von aktuellen housigeren Tunes bis zum Diggler-Dub Track á la Basic Channel und Techno. „Special” ist auf jeden Fall das 3-fach Vinyl als Single Auskopplung und insgesamt 8 exclusive Digitaltracks, sowie eine limitierte CD.
Ganz wichtig natürlich, wann wird es erscheinen und wo erhältlich sein?
Die CD gibt’s voraussichtlich Ende April sowie 3xVinyl in 2-Wochenabständen, erhältlich in allen Plattenläden und CD-Shops.
Interessant wäre auch mal der Einblick, wie lange es gedauert hat und welche Prozesse man da als Produzent und Musiker so durchlebt, wenn man an einem Album arbeitet?
Eigentlich habe ich an keinem Album speziell gearbeitet. Es haben sich aber in den letzten 18 Monaten so viele Tracks angesammelt, dass ich mich entscheiden musste, was ich will. Die Masse an Tracks ist ja so gar nicht zu veröffentlichen. Eine Maxi zu releasen braucht Vorlaufzeit, da kann schon mal ein halbes Jahr vergehen. Was also tun mit 50 Tracks? Pascal und ich entschlossen uns daher, die besten, die repräsentativsten Tracks rauszusuchen und daraus ein Jubiläumsalbum zu „formen”. Was nicht einfach ist, wenn man aus so vielen Tracks entscheiden muss. Nach langem Hin und Her, denke ich, haben wir einen echt schönen Querschnitt zusammenstellen können.
Sicher ist es da auch schwierig sich festzulegen. Wo setzt man da eigentlich nach so vielen Jahren Erfahrung selbst die Messlatte an?
Ja die Messlatte ist schwer anzusetzen. Zumal man selbst die Tracks irgendwann eigentlich nicht mehr beurteilen kann. Pascal und ich haben die meisten Tracks am Publikum direkt ausprobiert, was natürlich am besten ist, um die Funktionalität zu testen. Trotz allem habe ich natürlich meine musikalische Vorstellung im Kopf, eine Richtung in die es gehen soll, auch mal wieder Sounds und Melodien zu verwenden, die eine gewisse Wärme ins heutzutage kalte Minimal-Klima bringen.
2007 war von dir produktionstechnisch nicht viel zu hören, was für dich als Vollblut-Produzent ja eher ungewöhnlich ist. Warum hast du pausiert?
Naja Produktionspause möchte ich nicht sagen. Es war eher eine Releasepause, weil ich auch nicht wirklich wusste, wohin mit dem ganzen Kram. Gerade weil ich keine Lust auf dieses Minimal-Geklickere hatte/habe. 2007 und 2008 war wohl für mich die produktionsintensivste Phase seit Jahren. Daher auch diese Flut an Tracks. Einiges ist erschienen auf genannten Labels, vieles wird das Licht der Welt nie erblicken und das Beste ist auf dem Album zu finden.
Du warst recht lange nicht in unserer Gegend und wirst am Ostersonntag in Bautzen live und DJ Set kombinieren. Auf was dürfen sich die Leute freuen, was gibt’s auf die Ohren?
Es gibt einiges vom Album auf die Ohren…und das klingt von Housig bis Technoid.
Außerdem wird es einiges Unveröffentlichtes zu hören geben.
Dein Lebensmotto?
Leben und Leben lassen!
Deine absolute Lieblingsspeise?
Pizza, leider ;)
Dein liebstes Getränk am Set?
Wodka-Lemon
Herzlichen Dank für das nette Gespräch!
Mehr Info & Dates unter:
www.digglermusic.com
www.myspace.com/ddigglermusic
Interview: Nicole Zwahr
Schlagworte zu diesem Beitrag:Bautzen, DJ, Electro, Interview, Minimal, Musik, Paintballbase






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