Ulf Hennicke – Der rockigste Angestellte der Stadt Cottbus
Für gute Konzertkultur und den alternativen Partysektor steht in Südbrandenburg vor allem das Cottbuser Gladhouse. Das dort viele junge Bands und Partykonzepte ein zu Hause gefunden haben, dafür ist vor allem der Booker Ulf Hennicke zuständig. Wir sprachen mit wem wohl rockigsten Angestellten der Stadt Cottbus:
Wo liegen eigentlich Deine Wurzeln?
Geboren wurde ich in Weimar, da war nichts los. Glücklicherweise bin ich als junger Mensch mit der Familie nach Doberlug-Kirchhain gezogen. Da war erstaunlich viel los. Ein großer Musikladen namen Kohlenpott war sogar größer als das Gladhouse. Damit fing es auch bei mir an – ich erlebte dort die alte DDR-Bluesriege.
Wie kamst Du nach Cottbus?
1991 wegen des Studiums. Zwei Semester war ich ordentlich am Studieren und dann kam mit die Pause im Club Zwischenbau, in dem ich zwei Jahre im Vorstand mitgemacht habe. Damals war jeden Dienstag Konzert – und wir haben angefangen, nach den Konzerten aufzulegen. Da wurde aus mir DJ Prinz Ulf. Der Zwischenbau war meine Hauptstation – und um das Studium zu finanzieren, habe ich im STUK eine Rockdisko ins Leben gerufen.
Du warst auch DJ?
Das war anfangs nur ein Hobby. Später wurde das dann mehr, mein Studium habe ich mir hauptsächlich durchs Deejaying finanziert. Ich habe aber gelernt, dass sich das Dasein als Booker nicht gut mit dem DJ verträgt. Als DJ steckt man zu sehr in den Charts und Aktuellem – das interessiert die Leute bei Konzerten aber nicht.
Wie bist Du eigentlich Booker im Gladhouse geworden?
Das war eine hochoffizielle Ausschreibung der Stadt Cottbus. Da wurde zu einem schriftlichen Test geladen, während dem das SLOW (Kneipe/Café im Gladhouse) mit knapp 20 Bewerbern wie ein Klassenraum aussah. Nach dem Test wurde ich zum Gespräch eingeladen und habe den Job bekommen – und bin jetzt der rockigste Angestellte der Stadt Cottbus.
Wie sehr trägt das Programm Deinen privaten Geschmacksstempel?
Ich mache das Programm ja nicht ganz allein. Die Rocktailparty ist allerdings mein Baby und natürlich fließt bei allen Entscheidungen der eigene Geschmack mit ein. Wenn ich aber nur das machen würde, was ich selber gern höre, wären die Veranstaltungen ganz sicher öfter entschieden schlechter besucht. Man kann den Leuten aber auch nicht verkaufen, was man selber überhaupt nicht mag. Ein Grundsatz von uns lautet beispielsweise, im Gladhouse nie eine gecastete Band zu veranstalten.
Habt ihr einen Bildungsauftrag?
Eigentlich nicht. Aber wir führen die Jugend an Rockmusik heran – und das ist in gewisser Weise ein Kulturauftrag. In heutigen Zeiten, wo fast nur noch konsumiert wird, ist ein Jugendlicher, der sich mit Rockmusik auseinandersetzt, ja schon als Kulturinteressierter zu werten.
Was war Dein größter Fehlgriff beim Booking?
Ich hatte tatsächlich mal eine Veranstaltung an einem Donnerstag, zu der niemand kam. Nun war das eigentlich kein Fehlgriff, weil die Band wirklich gut war. Es gab aber schon Konzerte, bei denen überraschend wenige Leute kamen – das war zuletzt bei Pankow so.
Gab es auch besondere Bookings in genau entgegen gesetzter Hinsicht?
Viele insbesondere deutsche Bands wie Kettcar, Tomte, Beatsetaks oder Sportfreunde Stiller – die haben alle bei der Rocktailparty im Gladhouse gespielt, bevor sie groß wurden. Das auch für eine niedrige Gage – und darüber freu ich mich. Wenn man das generell verfolgt, gibt es auch andere Meilensteine: Rammstein haben hier ihr erstes Konzert vor 150 Leuten gespielt, Rosenstolz haben vor 30 Mann im SLOW gespielt. Viele Bands haben mal klein im Gladhouse angefangen. Manche wie die Beatsteaks kommen auch nochmal zurück.
Wie sieht Dein Arbeitsalltag aus?
Eine sehr zerteilte Woche mit vielen Wochenenddiensten. Ansonsten ist der Job sehr vielseitig: Von der Programmauswahl, Vertragsgestaltung und Abrechnung der Veranstaltungen bis zur Werbung. Ein schöner und interessanter Job!
Was motiviert Dich – Du bist ja weder am Erfolg noch am Mißerfolg beteiligt?
Mein eigener Anspruch, gute Veranstaltungen zu machen und Kultur nach Cottbus zu holen. Ich bekomme auch und meist von außerhalb viel positives Feedback zu unserem Haus und unserem Programm. Außerdem kann ich im Büro immer meine Musik hören – und das ist auch eine schöne Sache.
Kannst Du Dir vorstellen, hier alt zu werden und irgendwann als DJ Prinz Ulf bei Kaffee und Kuchen aufzulegen?
Man kann den Job sicher nicht bis in die Rente machen. Momentan geht es sicher noch einige Jahre – mit meinen Erfahrungen im Veranstaltungsbereich wird es irgendwann aber gute Alternativen geben.
Was spielt aktuell in Deinem CD-Player?
Intelligente verschachtelte Gitarrenmusik in all ihren Facetten. Momentan höre ich oft „The Low Frequency in Stereo“ – die kommen auch bald ins Gladhouse.
Letzte Frage: Was wünscht Du Dir vom Publikum?
Respekt. Gegenüber anderen Veranstaltungsbesuchern, gegenüber den Angestellten. Das wäre mir wichtig. Und ich wünsche mir mehr zufriedene Cottbuser!
Ulf Hennicke
Booker, Gladhouse Cottbus
www.gladhouse.de
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