Marusha – Es könnte gar nicht besser sein
Marusha ist der Inbegriff der deutschen DJane. In der Blüte des Techno groß geworden, hat Ende der 90er mit dem Wandel des Techno ihr Erfolg nachgelassen – auch neue Alben und TV-Rollen wie in der Popstars-Jury änderten daran nichts. Dennoch erfreut sich die einstige „Queen of Techno“ noch immer großer Popularität. In unserer Region ist sie in den nächsten Wochen gleich zwei Mal zu Gast – wir verabredeten uns zu einem Interview am frühen Morgen, recht ungewöhnlich für die Plattenlegerzunft:
Guten Morgen Marusha, schon einen Kaffee gehabt?
Natürlich, ich bin auch schon seit 6 Uhr wach. Mit einem kleinen Kind fängt der Tag eben früher an.
Deine Homepage schläft dafür momentan vor sich hin, ist Dein Webmaster getürmt?
Die ist in der Überarbeitung, weil da seit 5 Jahren nicht viel passiert ist. Es gibt aber auch auf myspace ein aktuelles Portal mit allen Infos. Da schleift es wirklich ein bisschen bei meiner eigenen Seite. Das kleine Stiefkind wird aber bis zum Sommer wieder laufen …
Du bist jetzt gut 20 Jahre im Techno-Zirkus unterwegs und legst immer noch regelmäßig auf. Wie hältst Du die Spannung und was inspiriert Dich?
Ich habe in den letzten 20 Jahren einfach festgestellt, dass ich durch und durch Künstler und der Musik verfallen bin. Ich liebe Musik und meinen Beruf und bin tagtäglich dankbar dafür, dass ich das selbstbestimmt machen und leben darf. Ich fühle mich wohl damit – das ist wie eine sehr gut laufende Liebe und Beziehung.
Das Rumgereise und nächtliche Plattengelege verlangt aber auch dem Körper einiges ab – wie lange willst Du Dir das noch antun?
Das ist bei mir nicht mehr so extrem wie früher. Seit vor drei Jahren mein Kind kam, habe ich auch überhaupt keine Lust mehr, so viel unterwegs zu sein. Das habe ich gestoppt. Außerhalb von Europa nehme ich gar keine Bookings mehr an, da bin ich wohl müde geworden. Die Fliegerei nervt, weit weg von zu Hause nervt. Ich möchte immer gewährleisten, dass ich maximal ein bis zwei Tage von meinem Sohn getrennt bin.
Hat Das Mama-werden Deine Sicht aufs Leben und das DJ-Business geändert?
Nein. Was sich aber entwickelt, ist eine komplett neue Ära einem kleinen Menschen gegenüber. Ich sehe mein Kind da nicht in einem Mosaik mit dem Business, das sind vollkommen verschiedene Dinge. Mein Kind ist aufgerückt auf Platz 1 in meinem Leben – dann kommt ganz lange gar nichts – und dann kommt meine große Liebe Musik.
Du wurdest in den 90ern oft als „Queen of Techno“ bezeichnet. Bist Du jetzt die „Queen Mum“ der einstigen Technobewegung?
Das ist doch ein Kompliment. Es gibt auch tatsächlich keine andere Frau, die so früh dabei war und soviel gemacht hat. Ich war im Vergleich zu anderen auch sehr erfolgreich und habe immerhin Millionen von Platten verkauft. Das ist heute sicher kaum noch möglich – schon durch das Internet. Dann habe ich 17 Jahre Radio gemacht, hatte ja schon mit 21 meinen Techno-Club in Nürnberg. Die Mädels, die jetzt Erfolg haben, waren damals noch auf einem ganz anderen Planeten unterwegs. Von daher hätte ich mit diesem Bild kein Problem.
Worin liegt in Deiner heutigen Musik der Unterschied zu dem, was Du in den 90ern auf den Plattenteller gelegt hast?
Einen wichtigen Unterschied gibt es nicht: Ich lege immer noch mit Vinyl auf. Das werde ich bis ans Ende tun, und wenn es keine Platten mehr gibt, dann höre ich sofort auf. Für mich persönlich sind Platten das DJ-Medium. Musikalisch lege ich sehr gemischt auf, das habe ich damals aber auch getan. Da mischte ich Gabba und Techno-Sachen mit Hardcore-Breakbeats, was seinerzeit niemand tat. Die meisten fahren zu 80% immer einen Style, das ist heute nicht anders. Es ist selten, dass einer in drei Stunden eine Zeitreise macht und vier verschiedene Styles einbringt. Das ist auch nicht einfach, weil man seinen Plattenkoffer gut kennen muss, damit es eine runde Sache wird.
In unseren Breiten bist Du am 25.4. auf der Happy Station in Cottbus und Anfang Juni beim Benefiz in Wormlage zu Gast. Auf was dürfen wir uns freuen?
Ich spiele nach wie vor gern Breakbeats, aber auch Bootlegs, auch mein Pink-Bootleg. Dann auch coole Sachen aus dem Minimal, mal was aus dem Techhouse, dazwischen Elektro, auch mal härtere Acid oder Oldschool-Scheiben. Prodigy ist in meinem Koffer. Auf Verfrickeltes stehe ich gar nicht, man muss dazu immer gut absteppen können. Jede Platte, die ich spiele ist von mir geliebt und ausgesucht und hat auch Partycharakter.
Letzte Frage: Erfolg, Sicherheit und Familie hast Du. Welchen Wunsch würdest Du Dir noch gern erfüllen?
Dass mein Kind und ich gesund bleiben. Dann ist alles Bestens. Ansonsten bin ich wunschlos glücklich. Es könnte gar nicht besser sein.
Vielen Dank für das Interview
Interview: Jens Taschenberger
Schlagworte zu diesem Beitrag:DJ, Interview, Musik, Südbrandenburg, Techno






Dein Freund paul möchte Deine Meinung zum Thema kennen lernen...