Die Ohrbooten bei der Campus Party Görlitz
Das Line Up der diesjährigen CampusParty in Görlitz kann sich 2009 wirklich sehen lassen. Bei freiem Eintritt bis 19 Uhr gibt es ein richtig fettes Programm. Als Headliner kommen die Ohrbooten mit Reggae, Hip Hop, Funk, Dancehall, Weltmusik, Rock und Pop ins Dreiländereck gereist. Was Sie verbindet, ist ihr Spaß an positiven Vibrationen, guter Laune und toller Musik. Tanzen zählt schließlich zu den obersten Geboten der Berliner Band. Dabei sitzt auch immer wieder gern der Culcha Candela Vokalist Johnny Strange mit im Boot. Er war bereits auf den beiden vom Beatsteaks Produzenten überwachten Studio CDs der Ohrbooten zu hören und taucht gelegentlich auch bei ihren Liveshows auf. „Der Absolute Burner, stilsicher wie Sau” so das Statement der Beatsteaks über die Trashmonkeys, jene Wahnsinns Rock’n'Roll Kapelle aus Bremen, die 2009 als Co-Headliner auf der CampusParty in Görlitz spielt. Die Trashmonkeys kommen mit einer pumpenden Rhythmussektion, bratenden Gitarren und einer heulenden Orgel, dazu schmettern sie Refrains und Hooklines, die man so schnell nicht wieder aus dem Kopf bekommt! Eröffnet wird der Görlitzer Festivalabend mit einem Debütkonzert der neuen Reggae Band Lars Friedrich & The Offbeat Institution sowie DeKaDent aus Berlin. Ein rundum Programm vom Feinsten! Mehr Info unter www.myspace.com/campusparty!
Interview Ohrbooten
Und damit das Warten nicht so lang wird, haben wir für euch den Ohrbooten-Sänger Ben ans Telefon geholt und über die Band ein wenig ausgequetscht. Lest hier die Einzelheiten:
Hallo Ben, es ist Montag früh um 10.00 Uhr. Wie kommt es, dass du als Bandmitglied jetzt schon fit für ein Interview bist? Gehörst du zu den wenigen gut gelaunten Frühaufstehern der Branche?
Ja das ist eigentlich ganz einfach zu erklären. Ich hab ne Familie und dazu gehört ein zweieinhalb jähriges Kind und da geht’s schon öfter ab 6 Uhr morgens los.
Wie sieht denn sonst euer Tagesablauf so aus? Arbeitet ihr an neuen Songs oder ruht ihr euch unter der Woche von den Auftritten aus?
Na wenn man überhaupt von einem Alltag sprechen kann. Aktuell ist ja die Festivalsaison im Gange, die Studiozeit haben wir gerade hinter uns gebracht und unsere neue Platte eingespielt, jetzt wird sie noch abgemischt und abgeschlossen, erscheint dann im August, ja und dann geht’s weiter auf Tour, also es ist immer wieder was anderes los.
„Und Tschüß” – so hieß der Songtitel von eurem Album „Spieltrieb”. Dabei ging es darum, sich von allem zu trennen und aus der Kälte irgendwohin ins Warme abzuhauen. Was ist schief gelaufen oder fiel euch die Trennung von Berlin und euren Fans so schwer?
Eigentlich geht die Bedeutung da gar nicht so weit in die Tiefe. Es geht einfach um die Sehnsucht nach Sonne und schönem Wetter. Das Stück ist an einem trüben Tag im Januar entstanden und jeder kennt doch das Gefühl, wenn dann mal gut ist mit Schlechtwetter und einfach mal wieder die Sonne rein muss ins Herz.
Auf dem letzten Album „Babylon bei Boot” fordert ihr die Leute zur Bewegung bzw. direkt zum Tanzen auf. Sind die Deutschen so ein träges Volk, dass ihr diesen Song als Single herausgebracht habt oder versteckt sich eine ganz andere Message dahinter?
Ok, also wir haben eigentlich recht gute Erfahrungen gesammelt, was das angeht, allerdings ist es wohl wahr, das der deutschen Gesellschaft etwas der Groove fehlt. Also um es mal kurz zu erklären, ein Deutscher klatscht zum Beispiel ganz pragmatisch, die Südländer sind da schon mit mehr Feuer und Taktgefühl am Start. Aber eigentlich ist der Titel raus gekommen, weil wir ihn einfach geil fanden! Wir entscheiden das eher nach Gefühl, nicht immer zwingend nach der Aussage des Stückes.
Wie geht es denn bei euren Konzerten so ab? Rum gestanden wird da doch eher weniger!?
Es wird viel getanzt, mitgesungen und es ist schon komisch, wenn das nicht passiert. Bei Support Shows beliebäugeln einen die Leute ja im Vorprogramm eher, aber in letzter Zeit wird Pogo und Stage Diving regelmäßig zelebriert, was wir natürlich sehr begrüßen. Es kann, darf und soll ruhig wilder zugehen!
Eure Musik ist ja von sehr vielen Stilrichtungen geprägt. Von Raggae, Dancehall über HipHop bis hin zu Jazz ist nahezu alles vertreten. Für welche Genres könntet ihr euch denn noch begeistern? Euer Bandmitglied Onkel hatte ja vor den Ohrbooten auch mit Death-Metal und Technobands zu tun…
So gehen wir eigentlich nicht ran. Jeder hat so seine spezielle Lieblingsmucke, die er hört, aber tendenziell hören wir alle alles. So fließt am Ende ein buntes Gemisch in einen Topf und wir nennen das Gyp Hop, abgeleitet von Gypsy.
Ihr wollt verstanden werden, daher singt ihr auf Deutsch. Ist es leicht, da immer die passenden Worte zu finden oder liebäugelt ihr auch mal mit anderen Sprachen oder Gastsängern?
Also erstmal kann ich gar keine andere Sprache besser als Deutsch. Da würde das sonst glaube dreimal so lange dauern mit dem Songtexten. Englisch schreiben ist da für mich schon was anderes. Die richtigen Worte finden, hat ja am Ende auch bisschen was mit Ausdauer zu tun. Früher habe ich Texte viel schneller geschrieben, heute denke ich mehr über den roten Faden nach. Ist einfach bewusster geworden der ganze Prozess, vor allem die letzte, dritte Platte. Das hat ja auch was mit Perfektion zu tun, Phonetik, man schafft Bilder usw.. Für Gastsänger sind wir natürlich offen, es muss halt einfach nur passen und der Sound und die Sprachen müssen einen Sinn ergeben und bislang hat sich das eben so einfach noch nicht ergeben.
Eure Band besteht ja zur Hälfte aus Ossis und der Rest kommt aus den alten Bundesländern. War das bei euch jemals ein Thema oder sind die vermeintlichen Unterschiede eher ein aufgebauschtes Medienthema?
Das ist schon auch mal Thema, aber man veralbert sich da eher gegenseitig, eher aus Spaß als mit Hintergründen behaftet. Das ist für unser Leben doch auch überhaupt nicht wichtig. Und die Geschichten gerade von der ostdeutschen Seite mal zu hören, ist sehr interessant, ich komme ja nun aus dem westlichen Teil Berlins.
Apropos Wahlkampf, seid ihr eigentlich politisch engagiert oder in sozialen Projekten tätig? Wenn ja, was macht ihr und in welchem Umfang?
Ja, wir engagieren uns für „Schule gegen Rassismus”. Wir haben da eine Patenschaft an zwei Schulen in Berlin übernommen, beide liegen in Bezirken, wo es auch echt Probleme gibt mit Rechtsgesinnten. Wir begleiten da Workshops und Projekte oder spielen einfach mal live auf dem Schulhof.
Vor zwei Jahren habt ihr in Dresden am Elbufer als Vorband der Beatsteaks gespielt und wenn ich richtig informiert bin, dann seid ihr auch mit den Toten Hosen gut befreundet. Sind das Vorbilder für euch oder wollt ihr euch an niemandem orientieren?
Also die Toten Hosen haben uns in ihre Plattenfirma aufgenommen, was uns natürlich damit auch beeinflusst hat. Die Beatsteaks sehen wir aber schon eher mal persönlich in Berlin und die haben uns auch musikalisch inspiriert, aber das ist jetzt nicht das, was wir genau umsetzen wollen. Beide sind natürlich Bands mit ner enormen live Erfahrung, wo man sich da schon auch was abgucken kann.
In der Zeit vor den Ohrbooten und der Anfangszeit hast du mit Matze, einem Mitbegründer der Kombo, als Straßenmusiker deinen Lebensunterhalt bereits recht erfolgreich verdient. Zelebriert ihr das ab und an noch oder bist du ganz froh, wie es jetzt ist?
Wir machen schon noch gerne Straßenmusik, aber eben nicht mehr so oft und eben in einem anderen Rahmen. Uns fehlt einfach die Zeit dafür, deshalb passiert das nur noch ganz selten. Die nächsten acht Wochenenden sind wir zum Beispiel gar nicht in der Stadt und das macht’s eben schwierig. Trotz allem, auf der Straße kann man schon sehr viel lernen, das Grundgefühl auf der Bühne ist am Ende genau so, man muss die Leute begeistern und um sie kämpfen.
Wie sehen denn eure Zukunftspläne allgemein so aus?
Wir hauen tierisch rein. Dieses Jahr ist extrem! Bis Anfang März haben wir an neuen Songs geschrieben, haben geprobt, waren im Studio, dann geht’s natürlich auch noch auf Tour und dann ist das Jahr fast schon wieder rum. Unsere Aktivitäten kann man übrigens auch gerne auf unserer Homepage verfolgen, www.ohrbooten.de. Wir sind sehr glücklich und heiß drauf, das es jetzt wieder auf die Bühne geht. Ja und zu nächsten Platte und der Musik kann ich so viel verraten, es wird auf jeden Fall unheimlich mit Gyp Hop zu tun haben. Sie klingt sehr auf den Punkt gebracht und ist ja auch über einen sehr langen Zeitraum entstanden. Wir haben alles live eingespielt und freuen uns nun riesig drauf, die neuen Sachen live zu spielen.
Im Juni spielt ihr gleich auf mehreren CampusFestivals – unter anderem auf dem in Görlitz. Studenten sind ja dafür bekannt weltoffen und in Feierlaune zu sein. Mit welchen Erwartungen fahrt ihr zu diesem Konzert?
Wir haben ja schon mal in Görlitz gespielt und da ging’s richtig ab, das war wirklich geil. Wir hoffen natürlich, dass es diesmal wieder scharf geht. Unser Bekanntheitsgrad ist ja bis heute nun auch wieder gewachsen und da werden schon ein paar Fans vor Ort sein. Wir geben auf jeden Fall unser Bestes!
Vielen Dank für deine Zeit und dann werden wir uns in Görlitz mal fein zum Beat bewegen!
Die Band
Noodt (Tasten, Bass, Backings)
Ben (Stimme, Stifft, Zettel)
Onkel (Beats, Backings)
Matze (Gitarre, Backings)
Das Interview führten: Nicole Zwahr & Christian Klinger
Schlagworte zu diesem Beitrag:Bands, Festivals, Görlitz, Interview, Lausitz, Musik, Party, Titelstory






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