Die Lausitz feiert mit Fengari in der Krone Bautzen
Boom. Das schlug ein. Die Lausitz-feiert-Party in der Bautzener Krone vom Februar diesen Jahres dürfte noch vielen im Gedächtnis haften geblieben sein. Ausverkauftes Haus, drei Floors und Bombenstimmung schrien förmlich nach einer Fortsetzung und so ist es nun am letzten Oktoberwochende soweit. Die Lausitz feiert wieder. Und dieses Mal unter dem Motto: “It’s A Ladies Night”.
Zugegeben, die Idee ist jetzt nicht die neueste, aber die Umsetzung dürfte alles bisher da gewesene in den Schatten stellen, denn die Veranstalter dachten sich, warum nur drei oder vier weibliche DJs an die Decks holen?? Wenn dann gleich alle, die wir kriegen können. Und so ist es nun auch passiert. Ein Großteil der weiblichen Party-DJs nicht nur aus dem Osten Deutschlands wurde in die Bautzener Krone geladen, wobei nicht nach dem Aussehen gegangen wurde (ok, nur ein bisschen), sondern nach spielerischer Qualität und Vielfalt. So gibt es mit Angel D., Miss Roxy, Yo-C, Coline, Fengari, Miss Swan und Hanna Hansen einen ganzen Batzen an Mädel-Power und mit ihnen einen imposanten Kranz an facettenreichen Sounds. Von Minimal, über Vocal- und Discohouse bis hin zu Electro und Tech-Sound ist hier alles vertreten.
Ebenso wie Blackmusic! Daher gilt wieder eines. Vorverkaufskarten oder VIP-Tickets sichern und (P18) am 31. Oktober pünktlich in der Krone aufschlagen. Start ist 22.00 Uhr. Vorverkaufskarten gibt es genau eine Woche vorher ab dem 24. Oktober in allen Lausitzer Filialen von S18, Atrium und TimeOut.
Und als Bonus oben drauf präsentieren wir euch ein exklusives Interview mit der Berliner Techno- und Elektro Ikone Fengari, die an diesem Abend seit langem mal wieder ihre Scheiben in der Lausitz drehen wird. Fengari aka Katja Rick stand uns Rede und Antwort, was sich in letzter Zeit so alles getan hat.
Schön das wir dich noch erwischen, du stehst ja mit einem Bein schon fast im Urlaub. Wie wirst du ihn verbringen und wo geht’s denn hin?
Wir genießen die Zeit auf Sardinien und ich bin sehr froh über diese Abwechslung und freue mich auf die Zeit mit meinen Lieben.
Wann hast du eigentlich begonnen die Musik so richtig ernst zu nehmen?
Die Musik war schon immer ein elementarer Bestandteil meines Lebens, ich wollte schon als kleines Mädchen Sängerin werden und habe immer und überall auf irgendwelchen Kinderbühnen gestanden und gesungen oder getanzt. Später als ich meine Ballettausbildung absolvierte, hatte ich einen großen Hang zu klassischer Musik, das hat sich bis heute nicht geändert. Musik berührt mich manchmal so stark, dass ich alles andere vergesse und in Parallelwelten abtauchen kann. Das Auflegen und Produzieren war von Anfang an sehr wichtig, Ich habe das nie als Hobby gesehen, sondern als meine Berufung, ich wollte nie etwas anderes.
Welche Musik und DJs haben dich damals beeinflusst und welche Neulinge findest du heute bewundernswert?
Das waren so verschiedene Acts und Sparten, aber vor allem Künstler wie David Bowie oder Kate Bush waren meine Lieblinge. Im elektronischen Bereich bin ich mit Prodigy, Aphex Twin und Jeff Mills gewachsen. Meine DJ Lieblinge waren und sind Ellen Alien und Hell. Heute beeindrucken mich Kollegen wie Paul Kalkbrenner, Moderat oder eine Menge französischer Künstler, ich bin ein großer Fan französischer elektronischer Musik.
Dein Papa war zu DDR Zeiten auch DJ. Welche Vorteile und Einflüsse hat dir das gebracht? Die Platten waren ja damals heiß begehrt und du warst ja quasi an der Quelle.
Mein Papa hat mir in erster Linie das Verständnis für Musik nahe gebracht. Er hatte damals schon auf Radio DT64 elektronische Musik aufgenommen und mit Mainstream vermischt, mit Kassettendeck und Plattenspieler. Das war wirklich lustig, zumal es ja auch Grenzen in der DDR gab, was die Musik angeht. Noch heute habe ich eine interessante Plattensammlung, die aus aller Herrenländer zusammengetragen wurde, da mein Vater Seefahrer war. Diese Art Rumtingelei jedes Wochenende fand ich damals schon toll, aber ich hätte nie gedacht, dass ich letztlich selbst nun doch schon 15 Jahre ein ähnliches Leben führe, wie er.
Wie wichtig ist dir heute noch das Tanzen?
Ich trainiere immer noch jeden Tag, aber professionell Tanzen ist einfach nicht mehr drin, dafür fehlt mir die Zeit. Ich kompensiere meine Bewegungssucht durch Joggen und Schwimmen und dies jeden Tag mindestens eine Stunde, kann ich jedem nur empfehlen, das stärkt einen mental ungemein. Nun habe ich aber einen kleinen Sohn, der mit seiner Mama möglichst oft tanzen möchte, ich komme davon wohl nie wirklich los. Darüber hinaus beschäftige ich mich seit Jahren mit Tanzwissenschaft, ich studiere diverse Filme und plane nach wie vor eine Doktorarbeit in diesem Bereich. Doch leider muss diese Idee etwas warten, ja hätte der Tag nur mehr Stunden J
Fengari ist ein Name, der in der elektronischen Szene seit 1995 fest verankert ist. An welcher Stelle siehst du dich heute selbst in der stark gewachsenen DJ Welt und welche Aufgaben hat denn deiner Meinung nach ein DJ heutzutage?
Mittlerweile bin ich schon seit 15 Jahren dabei und von Anfang an auch unterwegs. Es gibt soviel gute und interessante Künstler und diese Vielfalt macht Spaß. Ich denke, dass ich in diesem Gefüge jemand bin, der über das Auflegen hinaus viele Projekte angeschoben hat und es war mir immer sehr wichtig, die Musik mit anderen gesellschaftlichen Bereichen fusionieren zu lassen. Ich engagiere mich stark im Kulturbereich (Theater, Tanz) sowie im medialen Bereich (diverse TV Formate, Kolumnen, journalistische Arbeiten, politische Diskussionen, Wahlkampfhilfe etc.) sowie in der Förderung von Nachwuchs (DJ Culture, Schooltourprojekt der deutschen Phonoakademie) insofern sehe ich mich als vielseitige Künstlerin. Das Auflegen allein wäre mir wohl zu langweilig. Ein DJ heutzutage muss vor allem die Gabe haben, eine Dramaturgie über sein Set zu entwickeln, die aber erst durch das Zusammenspiel mit dem Publikum entsteht, das Ziel ist Ekstase.
Gab es für dich eigentlich auch mal Phasen, wo du einfach müde warst vom Techno Rummel?
Nicht wirklich, natürlich freue ich mich auch mal Samstags vor dem Fernseher einschlafen zu können oder mit meiner Familie einen entspannten Abend zu genießen, aber ich bin ein ruheloser Mensch und brauche die Abwechslung, von daher liebe ich es immer wieder woanders zu sein und auf neue Leute zu treffen. Über die Jahre haben sich da auch diverse Freundschaften entwickelt, nur Leben die Leute auf der ganzen Welt verteilt. Die Musik ist meine Passion und ohne diese Liebe wäre dies nicht möglich. Immer wieder werden neue Stücke releast, die mich kicken, es geht immer weiter. Die Inspiration ist hier immer da und sie kommt von überall her, man muss nur die Augen und Ohren offen halten.
Wie und wo kaufst du denn deine Platten ein? Hast du ’nen Lieblingsplattenladen oder stöberst du lieber im Netz nach neuen Scheiben?
Beides. Ich liebe das Spacehall in Berlin, ein Fossil der Plattenläden. Dann decks records via Internet, hier gefällt mir vor allem die Aktualität und Ordnung des Sortiments und die freundliche Kommunikation. Ich kaufe und spiele nach wie vor Vinyl, CDs kommen nur zum Einsatz, wenn es bestimmte Tracks nur in dieser Form gibt. Mir gefällt das Vinylhandling einfach besser, ich halte Musik gern in der Hand.
Wie siehst du die Entwicklung der Szene, schließlich bist du seit fast 15 Jahren dabei, da hat sich ja einiges in Sachen technische Hilfsmittel, Kommunikation, Selbstdarstellung etc getan.
Die Szene ist jünger und vielfältiger geworden. Es ist heute technisch einfacher Musik zu produzieren, was ich sehr gut finde, denn so bekommt jeder die Chance sich zu verwirklichen. Plattformen wie facebook oder myspace sind hier sehr hilfreich, vor 15 Jahren steckte das Internet gerade mal in seinen ersten massentauglichen Zügen. Es ist erstaunlich, wie vernetzt die Musikszene heute weltweit ist. Diese Globalisierung öffnet völlig neue Horizonte und man bekommt die Möglichkeit Musik zu finden, die sonst wahrscheinlich irgendwo in der Garage verschimmeln würde. Natürlich ist es nicht einfach als Künstler aus dieser Masse heraus zu stechen, aber die Bedingungen sind trotzdem für alle gleich, sehr demokratisch oder?
Leute, Partner und Kooperationen kommen und gehen in solch einer Zeit. Wer sind denn für dich immer noch gute Weggefährten von Anfang an und welche Zeitgenossen gesellten sich dazu?
Mein Booker Vladimir Bojic von Jackfruit ist seit 15 Jahren mein Begleiter und Freund, dann Frank Müller aka Beroshima, Ellen Alien und einige andere vor allem Berliner Artists mit denen ich seit langer Zeit arbeite und befreundet bin. Durch meine Tätigkeit als Bookerin bei Gigolo Records (2004 bis 2007) kamen Künstler wie Play Paul, David Carretta oder Savas Pascalidis hinzu, mit denen ich gern arbeite und die ich mittlerweile auch als Weggefährten betrachte. Nicht zu vergessen meine Freunde und mein Ehemann, die mich seit etlichen Jahren begleiten.
Bookingagentur, Label, DJ Kollegen, mit wem arbeitest du aktuell zusammen, wie und wo ziehst du deine Fäden?
Momentan arbeite ich mit Produzenten wie Sven Brede und Marcio Katana zusammen, Releases auf dem Label Aspekt und meine Bookings laufen über Jackfruit.
Wo gehen den heute deine Ideen und Einstellungen allgemein zur Musik hin? Magst du vielleicht auch mal andere Styles ausprobieren?
Ich spezifiziere Musik nicht, ich höre alles und ziehe aus allem Ideen und Inspirationen. Es gab Zeiten da habe ich nur Breakbeats und HipHop aufgelegt, aber Elektro ist immer mein Sprachrohr geblieben, wahrscheinlich hat das was mit der körperlichen Einstellung zur Musik zu tun, wenn nur durch wenige Nuancen Impulse gesetzt werden und man unweigerlich tanzt und fühlt.
Was gibt es sonst für Neuigkeiten, Zukunftspläne und laufende Projekte? Ich habe gehört du warst grade wieder im Studio.
Aktuell gibt es neue Vös auf Aspekt Records, erst kürzlich ein Sommerremix und aktuell ein Track auf dem neuen Album, auf dem sehr viele Berliner Künstler vertreten sind. Ich arbeite derzeit an einer neuen EP und ein Album ist für die nächsten 2 Jahre geplant.
Engagierst du dich eigentlich noch bei diversen Nachwuchsprojekten oder anderen Geschichten? Ich erinnere mich da an die Sache mit der Studentin, der du und Miss Yetti das Auflegen innerhalb einer Woche beibringen wolltet?
Aktuell steht da kein Projekt an, aber so was ändert sich ja schnell. Ich muss gestehen, dass ich ausgefüllt bin mit meiner Arbeit, dem Auflegen und Produzieren und vor allem mit meinem Sohn, der absolute Priorität in meinem Leben hat. Er ist mein ein und alles.
Du bist seit zwei Jahren stolze Mama. Was möchtest du dem Kleinen in Sachen Musik unbedingt mit auf den Weg geben? Zeigt er denn schon verstecktes Interesse an deinen Platten?
Levin Ernesto ist gerade 2 Jahre alt geworden, ein wunderbares Alter. Musik ist ihm praktisch in die Zellen gelegt worden, denn ich habe bis kurz vor seiner Geburt Musik gemacht und aufgelegt. Heute macht sich dies bemerkbar, er singt ständig und spielt auf seiner Kindergitarre, klimpert am Klavier und tanzt für sein Leben gern. Seit einiger Zeit bestimmt er, welche Musik wir hören sollen und sucht die Platten und CDs aus dem Regal aus. Aktuell steht er auf Moby.
Schreibst du eigentlich immer noch gerne Lyrics? Auf deiner Homepage die Texte sind zwar schon etwas älter, aber vielleicht gibt’s da ja mal wieder frische Zeilen von dir.
Lyrics schreibe ich eigentlich in jeder Lebenslage, die Worte fließen, wie sie kommen. Das passiert einfach so. Ich schätze mal das geht allen Textern so. Man denkt nicht groß nach. Und die Leser sollen ja für sich interpretieren, was sie daraus mitnehmen. Meistens geht es um das Thema Liebe, das ist immer noch das faszinierendste Konstrukt des Lebens, aus dem ja irgendwie alles entspringt.
Du übst neben dem DJing auch noch einen ganz „normalen“ Job aus. Sicher hättest du auch die Möglichkeit allein nur von der Musik zu Leben. Warum ist dir die andere Seite des Lebens auch so wichtig?
Ich bin zu vielseitig als mich nur mit einer Sache zu beschäftigen, aber ich habe auch den Anspruch in allem, was ich tue, gut, möglichst perfekt zu sein, das ist sicher für manche Leute anstrengend, aber so bin ich nun mal. Ich ziehe aus allen Tätigkeiten immer wieder neue Ideen, so auch in meinem Job. Wahrscheinlich bin ich ein nimmermüder Marketingjunkee, der in allem immer noch was anderes finden möchte. Durch das Tanzen auf mehreren Hochzeiten habe ich die Möglichkeit, mehrere Facetten zu erfahren. Ich brauche die Abwechslung, aber trotzdem auch eine gewisse strukturelle Ordnung. Mein Leben ist völlig sortiert und unchaotisch, auch wenn das nicht leicht vorstellbar ist. Ich wollte nie finanziell von der Musik abhängig sein, deshalb habe ich studiert und gehe seit 10 Jahren einem normalen undertheweekjob nach, nicht aber ohne hier wieder Dinge zusammenzuführen und mit der Musik fusionieren zu lassen.
Last but not least, du warst ja lange nicht in unserer Gegend, Ende Oktober kommst du mal wieder in die Lausitz. Auf was dürfen wir uns denn aktuell freuen, wie klingt Fengari 2009?
Fengari klingt sexy, überraschend, verspielt und trotzdem straight, hoffe ich zumindest.
aktuelle Top 5 Acts:
Moderat, Oliver Huntemann, Adriano Canzian, Hell, Olli Koletzky
Lieblingsplatten ever:
Rabbit in the Moon, David Carretta, Fisherspooner, Miss Kittin, Beroshima
Merci für die überaus nette Plauderei!
Mehr Info unter:
Interview: N. Zwahr
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