Markus Kavka im Interview
Wer kennt ihn nicht, Markus Kavka ist wohl eines der einprägsamsten Gesichter des Musik TV-Senders MTV. Immer auf dem aktuellsten musikalischen Stand mit schlagfertigen Kommentaren. Aber Markus kann noch viel mehr. Neben einem breiten journalistischen Tätigkeitsfeld ist er auch als Deejay unterwegs. Ja, richtig gelesen: Markus Kavka ist DJ und kein Bandmitglied einer Hardrock Kombo. Am 19. Dezember ist er zusammen mit Gunjah im Kesselhaus Singwitz am Start. Nicole Zwahr hatte ihn für euch am Telefon. Am 19. Dezember ist Markus zu Gast im Kesselhaus Singwitz bei der Pleasure Unit X der Intesivcrew Jungs. Dort könnt Ihr Euch persönlich von seinem Können überzeugen. Nun aber erst mal das Interview zum Warmwerden…
Endlich kommst du mal wieder ins Sachsenland und soweit ich weis, bist du auch sehr gerne hier bei uns im Osten. Aktuell stehen gerade 20 Jahre Mauerfall zu Buche. Wie hast du diesen Moment damals erlebt?
Da war ich gerade in Los Angeles für ein Magazin unterwegs und hab dann noch ein paar Tage dran gehängt und war bei Bekannten in Hollywood. Wir haben gerade ferngesehen und auf CNN wurde das berichtet. Für alle war klar, hier passiert gerade was Großes. Ich werde allerdings den Spruch von einem der Typen, die dabei waren, nie vergessen: „Wow, I didn’t know you had a wall.“
Spürst du heute noch Unterschiede beim Feiern und der Mentalität zwischen Ost und West oder findest du, dass sich das Blatt mit den Jahren im wahrsten Sinne des Wortes gewendet hat?
Ja, ich glaube ich bild mir das auch nicht ein, ich denke im Osten geht es etwas ehrlicher und ungezwungener zu. Ich bin gerne da und es ist ja kein Zufall, dass ich mehr in Sachsen und Thüringen auflege. Ich denke, dass die Leute das einfach noch mehr zu schätzen wissen, sicher ist es auch eine Mentalitätsfrage. Ich finde es einfach lustiger im Osten.
Du arbeitest und lebst für deinen Beruf, bist Moderator bei MTV, Schriftsteller und Kolumnist und obendrauf DJ für elektronische Musik mit eigentlichem Hang zur Rock Musik. Warum brauchst du diese bunte Vielfalt und wahrscheinlich auch die Welten, die dazwischen liegen?
Weil mir sonst ganz schnell langweilig wird. Ich bin so ein Input Junkie, dass ich ständig Neues kennen lernen muss. Und im Grunde sind die Dinge nur auf den ersten Blick verschieden, weil vom Prinzip her alles zu mir gehört. Zum Teil ist das auch ein Art Ausgleichssport, nicht nur in der Medienblase unterwegs zu sein. Schreiben zum Beispiel ist halt eine schöne Beschäftigung, wo man auch mal zum Nachdenken kommt, bevor etwas raus kommt, beim Fernsehen ist gesagt, was einmal raus ist.
Bislang hast du drei Bücher geschrieben und veröffentlicht. Was können wir im Jahr 2010 von dir erwarten, bleibt genügend Zeit für ein weiteres Buch und kannst du schon mehr verraten?
Ja, das nächste Buch wird ein Roman, an dem ich auch schon eine ganze Weile schreibe. Das ist jetzt natürlich eine deutlich komplexere Angelegenheit, als die anderen Bücher. Nach fast drei Monaten habe ich knapp 40 Seiten zusammen, mit denen ich gut leben kann. Bis Ende Februar 2010 habe ich noch Zeit zum Schreiben und im Herbst soll der Roman dann erscheinen. Die Thematik wird auch diesmal nicht ganz unautobiografisch, tatsächlich wird es allerdings um ’ne ganz kleine Begebenheit gehen. Außerdem wird es sehr viel mit meiner Herkunft zu tun haben, komme ja vom Lande.
Was bedeutet dir das Schreiben und welche Vorzüge bringt es dir im Gegensatz zum Moderieren oder live deine Lieblingsscheiben zu spielen?
Ich bin ohnehin großer Freund des gedruckten Wortes und lese auch selbst sehr viel und schreibe auch sehr gern. Dabei kann ich in eine ganz andere Welt eintauchen. Ich könnte mir sogar vorstellen aufs Alter mit ’nem Häuschen an der Ostsee nur noch zu Schreiben.
Nach unzähligen Umzügen lebst du nun in Berlin, bist eigentlich ein Bayer, hast aber auch schon in Köln und Duisburg ’ne gewisse Zeit verbracht. Wo fühlst du dich am meisten zu Hause?
Ich hab das so irgendwie in mir drin, das ich immer mal wechseln muss. In Berlin hab ich das aber zum ersten Mal nicht. Ich wohne jetzt seit 9 Jahren hier. Berlin ist meine Stadt, was soll danach noch kommen. Natürlich habe ich auch eine große Heimatverbundenheit nach Bayern. Das ist mir da allerdings alles zu klein und beengend, zu konservativ und letzten Endes bisschen zu gediegen für mich.
Was sind Dinge worüber du dich zu gerne amüsierst oder herzlich lachen kannst?
Oh, ganz viele, ich lache ja auch fast den ganzen Tag. Allerdings bin ich überhaupt kein Freund von Comedians.
Was bedeutet für dich Glück im Leben und was ist Luxus?
Ich hab da keinen großen Anspruch. Wenn ich morgens aufwache oder abends einschlafe und sagen kann das war oder wird ein super Tag, ist spitze. Es sind einfach die Kleinigkeiten. Zeit spielt natürlich auch eine wichtige Rolle. Gut ich habe es mir so ausgesucht, aber zwischen Sommer und Herbst habe ich an 4/5 Projekten gleichzeitig gearbeitet und musste mir dann in meinen Kalender echt auch das „Schlafen“ eintragen.
Du wärst ja eigentlich ein perfektes Jurymitglied für eine dieser Superstars oder Popstars Ausführungen. Hättest da schon die Chance gehabt mit zu machen oder reizt dich so was eher nicht?
Ich hatte schon mal ne Anfrage von Popstars, allerdings reizen mich derartige Sachen überhaupt nicht. Das ist kein Umfeld in dem ich mich sehe.
Du hast schon unzählig viele Musiker, Stars und Sternchen während deiner Laufbahn getroffen und interviewt. Welche haben dir besonders imponiert und wer hat dich gar gänzlich enttäuscht?
Beeindruckt haben mich tatsächlich die Leute, deren Musik ich auch schon immer toll fand, gerade aus meiner Jugend. Bands wie Depeche Mode, The Cure, New Order oder Nick Cave gehören dazu. Deren Musik hat mich schon früh begleitet und die waren dann tatsächlich auch so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Überrascht haben mich Kylie Minouge oder Madonna, das waren sehr spaßige Begegnungen. Künstler wie Maria Carey oder Bon Jovi reizten mich eher weniger.
Welche Musik bringt dich im Radio, im Auto oder auf Reisen zum Abschalten, falls du neben deinem Job überhaupt Musik konsumierst?
Meistens ist das auch die Musik, die ich selber Auflege, was damit zu tun hat, dass ich mindestens einmal pro Woche einen 2h Mix mache und den höre ich dann im Auto zur Kontrolle. Zum einen lernt man so seine neuen Platten besser kennen und eine gewisse Qualitätskontrolle gehört für mich auch dazu. Also ich höre im Auto immer Techno, zu Hause darf es auch Indie Rock und easy home listening sein, entspannte elektronische Musik.
Du bist auf vielen Ebenen auch gemeinnützig engagiert. Für welche Dinge setzt du dich aktuell in Projekten oder Organisationen ein?
Also da gibt es zum einen die Organisation „Freunde fürs Leben“, das ist Suicid Prävention, da geht’s quasi darum das Thema in die Öffentlichkeit zu bringen. Wir wollen die Leute damit aufrütteln. Dann bin ich auch engagiert bei „Junge Helden“, eine Organspende Awareness Organisation. Da geht es ebenfalls darum, das Thema in die Medien zu bringen. Und dann hab ich ja noch meinen Blog gegen Rechts, Störungsmelder.org. Da wird man informiert über Nazis und zusätzlich zu den Texten mache ich Workshops und gehe direkt in die Schulen. Anfang Dezember bin ich da auch in der Lausitz zu Besuch an der Mittelschule in Neusalza Spremberg.
Nachdem du die Wahl in diesem Jahr mit deiner Netaktion begleitet hast, wie weit geht denn dein politisches Engagement nun nach der Wahl?
Ich bin da ja schon immer interessiert und das war im Prinzip nur ein Ausriss. Ich arbeite mit dem ZDF immer noch an einem Projekt, was dann mal eine gesellschaftspolitische Sendung werden soll. Derzeit sind wir aber noch in der Testphase und das kann noch dauern.
Als Journalist, Moderator und DJ kommst du unheimlich viel rum und erlebst die schrägsten Geschichten. Gibst denn grad eine kurze Anekdote der letzten Tage oder Wochen, die du uns erzählen magst?
Ja, letzte Woche habe ich Rod Stewart in London getroffen und interviewt. Das ist schon schräg, wenn man so einen Weltstar interviewt, der da rein kommt und tatsächlich noch genauso aussieht, wie vor etlichen Jahren aussah, die gleichen Haare, die gleiche raue Stimme. Er ist ein sehr lustiger, etwas prolliger aber extrem unterhaltsamer Zeitgenosse. Und nach dem Interview bin ich mit dem Fahrstuhl kurz runter gefahren um eine zu rauchen und als ich gerade wieder zum Fahrstuhl ging, stand er grade drin, stieg aus, packte mich und tanzte mit mir Arm in Arm durch die ganze Hotellobby. Ich meinte, ich bin keine Frau, das war ihm egal. Echt verrückt.
Was unterscheidet deiner Meinung nach das Nacht- vom Tagleben und was bringt welche Vorzüge für dich mit sich, du bist ja denke eher der Nachtmensch?
Oh ja, ich bin eine totale Eule. Ich zähle immer die Stunden, das es endlich wieder Nacht wird. Ich funktioniere vor 10 Uhr morgens überhaupt nicht. Tatsächlich habe ich dann meinen biochemischen Tiefpunkt zwischen 16 und 17 Uhr. Richtig fit bin ich dann erst nach 20 Uhr. Ich gehe auch nicht vor 2 Uhr ins Bett, weil bis dahin dann all die vielen Sachen in meinem Kopf entstehen.
Wie schaffst du es so viele Dinge parallel machen zu können? Das fordert sicher einen äußerst durchgeplanten Terminkalender und einen stets freien Kopf. Bist du so ein straighter Typ oder gerätst du auch mal aus den Fugen?
Tatsächlich bin ich den beiden Jungs Ansa und Boris meiner Agentur SKM sehr dankbar. Die Beiden regeln dass alles für mich, weil sonst bin ich da schon ganz schön verpeilt und würde sicher ganz viele Sachen vergessen. Bis vor sechs Jahren hatte ich noch alle meine Termine im Kopf, aber jetzt geht das nicht mehr.
Welche ist eigentlich deine Einsteiger Szene musikalisch gesehen, zu welcher Art von Generation zählst du dich selbst?
Ich bin halt schon ein totales 80ies Kid. Ich habe Ende der 70er/ Anfang der 80er angefangen Musik zu konsumieren, Depeche Mode, Culture Fox, Soft Cell, Visage und viele mehr, und das zieht sich ja bis heute durch.
Du erlebst es ja seit vielen Jahren hautnah mit, wie hat sich deiner Meinung nach die Musikszene in den letzten 20 Jahren verändert und was denkst du, auf welche Art und Weisen werden wir Musik in der Zukunft konsumieren?
Na ja, zumindest nicht mehr haptisch, also es wird keine Tonträger mehr geben, die man anfasst und irgendwo reinschiebt. Alles ist viel schnelllebiger geworden. Wenn U2 beispielsweise jetzt anfangen würden Musik zu machen, würden sie nie mehr so groß werden. Ich mag zum einen dass es viel Neues in kurzer Zeit gibt. Ich hänge aber auch nicht so sehr alten Sachen nach. Ich würde zum Beispiel. nie auf ’ne Ü30 Party gehen, um die alten Sachen immer und immer wieder zu hören. Für mich ist es halt wichtig, dass die Uhr sich immer weiter dreht. Musik als Kulturgut wird’s immer geben, aber ob es so wertvoll bleibt, bezweifle ich.
Wie siehst du die Entwicklung der jungen Generation heute? Haben sich bestimmte Dinge grundlegend verändert oder dreht sich das Rad ähnlich weiter nur in moderneren Formen?
Es dreht sich immer so weiter, also wenn ich jetzt zurück schaue, da waren da ähnlich viele technische Innovationen in meiner Jugend. Heute geht alles noch bisschen schneller, junge Menschen stehen auch unter größerem Druck sich zu entwickeln und was aus sich zu machen. Ich denke es ist schwieriger als noch vor 20 Jahren.
Wo siehst du denn selbst deine Zukunft, sicher bleibst du auf allen Ebenen am Ball, aber wo magst du gerne mal all deine Kraft und Visionen rein stecken?
Ich glaube ich werde immer so verschiedene Baustellen beackern, damit es nicht langweilig wird. Ansonsten würde ich sehr gerne mal das aktuelle Sportstudio moderieren. Na man darf ja noch träumen.
Bist du denn so sportlich?
Ja ich bin ein totaler Fußballexperte.
Na da entlocken wir dir doch gleich mal ’ne Prognose für die Fußball WM 2010 in Südafrika?
Unseren Burschen traue ich das Halbfinale zu. Sonst muss Brasilien genannt werden und Geheimfavorit ist diesmal England.
Und wenn wir schon mal einen Experten am Start haben, kannst du uns für 2010 ein paar Trends voraus sehen, was oder wer wird hip?
Also 2010 wird man uns wohl mit ganz vielen Klons von Lady Gaga belästigen. Denke das wird halt so der Trend sein, lustige, schrille Mädchen, die lustige, schrille Musik machen.
Was hast du für das kommende Jahr alles geplant, wo wirst du mitwirken, vor der Linse oder am Äther stehen?
Das nächste Jahr ist bislang noch eine ziemliche Wundertüte, so ist das halt, wenn man freiberuflich ist. Es kann sein, das ich noch mehr zu tun habe oder eben alles ganz anders kommt. In der Medienszene kann das heute hüh und morgen hot sein, ich lass mich da überraschen.
Ja und wie schaut es mit deiner DJ Karriere aus, wird es denn auch mal Sound auf Vinyl von dir geben?
Den gibt’s schon, weis nur keiner. Das erste Release kam im Juli raus und das zweite kommt im Januar. Ich mache das allerdings unter einem Pseudonym, weil ich nicht möchte, dass die Leute die Scheibe nur wegen meinem Namen kaufen sondern wegen der Musik. Das Label ist ganz neu extra dafür gegründet worden und es gibt auch bislang nur diese zwei Releases. Es wird auch definitiv keine Informationen zum „wahren“ Künstler vor dem dritten Release geben. Es geht um die Musik.
Du spielst am 19. Dezember als Weihnachtsbonbon im Kesselhaus Singwitz. Was können wir an diesem Abend von dir erwarten?
Ich komme da ja zusammen mit Gunjah und wir machen das jedes Jahr, gewöhnlich in der Showboxx in Dresden, mal so ’ne ganze Nacht back2back zu spielen bis wir beide tot umfallen. In Singwitz ist es natürlich meine Premiere, aber mir wurde gesagt Weihnachten geht’s da ordentlich zur Sache.
Wer sind aktuell deine DJ und Liveact Favoriten in der elektronischen Szene?
Nichts so außergewöhnliches, ich guck mir den Kalkbrenner gerne an, das ist schon immer wieder ein Erlebnis. Und ansonsten vieles was auf Mobilee raus kommt oder Up On You, live mag ich auch sehr gerne Heinrichs & Hirtenfellner, Lexy mag ich auch sehr gern, ja und überhaupt so die ganze Berliner Blase.
Wie schaut eigentlich Weihnachten im Hause Kavka aus? Drückst du dich lieber vor dem Shopping-Rummel und Weihnachtsmarktalarm?
Weihnachten verbringe ich bei Mama und Papa, ganz traditionell daheim in Bayern. Ja und der Rest hebt mich gar nicht so an, ich kaufe auch nach wie vor die meisten Geschenke am 23. und 24. Dezember ein, so alarmmässig.
Und eins musst du uns noch verraten, was gehört denn bei dir zum Feste unbedingt auf den Tisch?
Gans, Klöße und Rotkohl, ganz klassisch und lecker von Muttern gekocht.
Du hast das letzte Wort:
Sachsen fetzt! Merk ich immer wieder!
Super, das freut uns natürlich! Dann sehen und hören wir dich am 19. Dezember im Kesselhaus Singwitz und die Intensivcrew heizt schon mal den Ofen für den Weihnachtsbraten vor. Vielen Dank für das äußerst sympathische Gespräch!
Interview: Nicole Zwahr
Schlagworte zu diesem Beitrag:DJ, Intensivcrew, Interview, Kesselhaus, Musik






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weiß einer von euch unter welchem pseudonym kavka seine Releases rausgebracht hat.
ich habe ihm schon eine mail geschrieben, aber bekam keine antwort