Interview mit Asem Shama
Es gibt nicht viele Elektronikaktivisten, die seit mehr als 15 Jahren dabei sind und auch heute noch neue Trends setzen. Asem Shama ist einer davon. Seit Anfang der 90er kann man Asem zu den Pionieren der elektronischen Musik in Deutschland zählen. Seine musikalischen Wurzeln liegen im Hip Hop, in den 80ern ist er als Rapper bekannt und in dieser Zeit startet er auch seine ersten Gehversuche in Sachen Electronic Beats im Studio eines Freundes. Dort findet der Hannoveraner sein neues kreatives Zuhause und beginnt seine Visionen umzusetzen. Neben seiner Produzententätigkeit initiiert er die legendären “Ravesydrome” Events. In dieser Zeit baut er mit seinem langjährigen Freund Axel Bartsch ein eigenes Studio auf und gründet das Label “Syndrome Audio“. In den folgenden Jahren etabliert sich Asem mit Releases auf Labels wie Bush, Planet of Drums, Frisbee Tracks, Utils, Spiel-Zeug und seinem eigenen Imprint Ghostline als Schlüsselfigur des deutschen Technountergrunds. Der endgültige Durchbruch kommt mit dem Vanguard Remake von “Flash”. Darauf geht’s in die Charts und “Flash” erreicht Platz 17 in Deutschland und 15 in England. Im November 2005 gründet er mit Axel das Label Sportclub und dringt in minimalistischere Sphären vor. Der Umzug in die Technohauptstadt Berlin 2008 bringt frische Inspiration und eröffnet neue Horizonte. Es kommt zum Kontakt zum Label “Highgrade”, wo er fortan veröffentlicht. Zur nächsten Intensivcrew Sause am 8. Mai im Kesselhaus Singwitz wird der Wahlberliner seine Fähigkeiten unter Beweis stellen. Vorab hat er uns von all unseren Fragezeichen befreit. Hier unser Interview mit Asem Shama:
Beschreib dich doch kurz mal selbst. Was macht dich als Künstler aus und gibt’s auch Macken, die du gern los wärst?
Ich bin’s, der Asem. Ich verbringe viel Zeit im Studio und versuche meinen Sound immer weiter auszufeilen und mich immer wieder neu zu erfinden. Ich sollte vielleicht weniger feiern gehen ;).
Woher stammt eigentlich dein Name?
Das ist ein Jordanischer Name, weil mein Vater daher stammt, meine Mutter ist Deutsche.
Wo liegen deine Wurzeln, was hat dich schon als Kind oder Jugendlicher geprägt?
Hab als Kind viel in der Jazzsammlung meiner Mutter rumgestöbert, später kam Hip Hop, das war damals sehr wichtig, hab auch meine ersten Versuche als Produzent und Vocalist mit dieser Musik gemacht.
Was oder wer hat dich dann schließlich zum Techno gebracht?
Das erste Mal hab ich auf einem Tape aus dem Coco Rico in Italien Techno gehört und war voll begeistert, dann war ich öfter in der Factory in Hannover, das war da der erste Technoschuppen.
Du produzierst jetzt seit 1993 elektronische Musik. Was hat sich seit dem für dich alles verändert und wo liegen heute deine Prioritäten?
Ich hab mehrere Labels gemacht und auf unzähligen veröffentlicht, wobei sich sowohl der Sound als auch meine Arbeitsweise ständig verändert haben. Früher hab ich mich z.B. mit den Studiobasics nie theoretisch beschäftigt, wodurch ich eine sehr unvoreingenommene Herangehensweise hatte, mir aber auch einige wichtige klangliche Kniffe abgingen. Damit beschäftige ich mich aktuell sehr viel, was viel bringt. labelmässig konzentriere ich mich grad auf Sportclub, dass ich mit Axel mache, Paso und Highgrade.
Was macht elektronische Musik nach so vielen Jahren für dich immer noch so reizvoll?
Es kann immer wieder neu sein, es gibt keine Grenzen, ja die Musik ist geradezu dafür geschaffen Grenzen zu überschreiten.
Was steht aktuell von dir in den Plattenläden und was ist in naher Zukunft alles geplant?
Aktuell kommen grad ein Paar Remixe von mir raus, z.B. auf Raschenbach und Substream aus Schweden, dann gibt’s bald nen neuen Track von mir auf Sportclub im Rahmen der 5 Jahres Compilation und ein 4 Tracker kommt im Juni auf Impact Mechanics Chicago.
Woher kommen deine Inspirationen und was steckt alles in deiner Musik drin?
Mein Umzug nach Berlin hat mir viel Inspiration gegeben, weil hier einfach immer gute Events mit interessanten Künstlern laufen. Auch habe ich das Lesen von Literatur für mich entdeckt, was sich durchaus auf meine Kreativität auswirkt.
2008 bist du von deiner Heimatstadt Hannover nach Berlin übergesiedelt. Was hat sich seit dem für dich getan, unter anderem hast du ja deine neue Homebase bei dem Berliner Label Highgrade gefunden?
Ja es hat sich einiges getan, die Zusammenarbeit mit Highgrade, die ich wirklich sehr schätze. Auch hat es sich ergeben, dass ich mehrere Leute wie z.B. Marc Miroir und Monika Kruse, mit der ich zwei Remixe gemacht habe, produziere. Auch hab ich gute Kontakte zu den Clubs aufgebaut und bin regelmäßig am Auflegen hier, was viel Spaß macht und mich sehr freut.
Arbeitest du immer noch fest mit deinem Kollegen Axel Bartsch zusammen und an welchen Labels und Projekten seid ihr grad dran?
Wir teilen uns das Studio und machen wie gesagt zusammen das Label Sportclub, wo es jetzt einiges zu erwarten gibt.
Oh, was denn da so alles?
Es gibt am 23.5. in Hannover und am 29.5. in Berlin in der Bar 25 Releaseparties zu unserer 5 Jahres Compilation auf der Tracks von Alex Niggemann, Gabriel Ananda, Mario Aureo, Axel und mir sein werden.
Wie und wann habt ihr euch mit Axel eigentlich mal kennen gelernt und was macht eure Zusammenarbeit so besonders?
Wir haben uns in den späten 80ern auf einer Hip Hop Party durch einen Stromausfall kennen gelernt. Das Besondere bei uns ist, glaub ich, dass wir immer um die Sachen ringen, so dass am Ende etwas entsteht, was Hand und Fuß hat.
Du sagtest du produzierst namhafte Künstler wie Monika Kruse oder Marc Miroir. Was stehen denn aktuell für Kooperationen an?
Mit Daniel FX hab ich einiges gemacht, weitere Neuzugänge sind erstmal nicht geplant aber nicht ausgeschlossen.
An welche deiner vergangenen Auftritte erinnerst du dich heute noch zu gerne?
Loveparade ’98 als wir ’nen Wagen gemacht haben, Wire und Womb in Tokyo und an meinen ersten Gig im Berghain.
Über 80 Releases stehen heute auf deiner Uhr, hat man da noch ganz besondere Träume und Vorstellungen für die Zukunft?
Ich wünsche mir vor allem, dass ich weiter von der Musik leben und mich auf allen Ebenen weiterentwickeln kann. Eine weitere Optimierung meines Sounds ist das nie ganz erreichbare Ziel bzw. besser gesagt der Weg.
Gehst du neben der Musik auch noch anderen Arbeiten nach oder lebst du allein davon?
Selten arbeite ich als Veranstaltungstechniker.
Wo würde man dich antreffen, wenn du mal nicht spielst, auch im Club oder eher gemütlich daheim?
Ist beides möglich.
Aktuelle Top 5:
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Gigs im Mai2010:
- 08.5. Kesselhaus Singwitz
- 15.5. Dice Berlin
- 17.5. Suicide Berlin
- 23.5. Bismarckbahnhof Hannover
- 29.5. Wilhelmshafen
- 30.5. Bar 25 Berlin
Merci und bis bald in Singwitz!
Bidde, ja bis bald!
Asem Shama im Web
Interview: Nicole Zwahr
Schlagworte zu diesem Beitrag:DJ, Electro, Intensivcrew, Interview, Kesselhaus, Musik, Techno






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