10 Jahre on Decks – Dani’Es & Evok
Vor ziemlich genau 10 Jahren trafen sich die Wege der beiden Oberlausitzer Daniel Stricker aka DJ Dani’Es und Lars Kaufmann alias DJ Evok. Mit ähnlichen Geschichten und doch verschiedenen Richtungen spielen sich die beiden Nostromo Club Residenten seither durch die Lande. Unsere Redakteurin Nicole lud sie auf einen Kaffeeklatsch ein und fragte mal nach, was sich in dieser Zeit so alles getan und verändert hat:
Hey, bevor wir los plaudern gibt es erstmal ’nen Kaffe für die Herren. Mit Milch und Zucker oder wie ist’s lieb?
Dani’Es: Schwarz bitte.
Evok: Ich trinke ihn auch schwarz.
Schwarz wie die Nacht also, passt ja hervorragend. In dunklen Gefilden fühlt ihr euch ja seit nun stolzen 10 Jahren pudelwohl. Wann ging denn der ganze Spaß mit der elektronischen Musik bei euch los?
Dani’Es: Ich glaube so ’97 hat alles angefangen im Blue Valley in Görlitz. Ich bin da ab und an mal hin. Dort lief eher Techno, aber auch House und das war genau mein Ding. Beeinflusst hat mich auch der alt bekannte Radiokanal Evosonic. Freitags liefen da immer Mixe von DJs wie Chris Liebing, Sven Väth oder Massimo.
Evok: Ich bin damals ins kleine Städtchen Ebersbach gezogen und da waren zwei, drei Kumpels, die sich 1995/96 rum schon Plattenspieler gekauft hatten. Ich war bis dato noch etwas planlos, was Musik anging und 1997 habe ich mir dann schließlich mein erstes DJ Set schenken lassen und dann ging’s los mit den wöchentlichen Pilgerfahrten ins Beathouse Bautzen um Platten zu erstöbern. Mitunter versuchten wir damals sogar eher als die Kumpels am Start zu sein, um die besten Platten zuerst abgreifen zu können, dann sind wir natürlich auch jedes Wochenende auf Partys gefahren. Das war schon eine tolle Zeit.
Damals kanntet ihr beiden euch ja noch gar nicht. Ihr habt also unabhängig voneinander an eurem Style gefeilt. Wann und wo kreuzten sich dann eure Wege?
Dani’Es: Ja, bei mir war es damals noch reiner House, damit hab ich angefangen. Tokn hatte mich da mal infiziert mit seinem Set im Blue Valley und von da an hatte es mich mitgerissen. Getroffen haben wir uns bei einem der ersten DJ Contests hier im Raum im Kulti Grohedo. Freitag gab es die Vorrunden und Samstag bin ich dann auf Evok gestoßen und gegen ihn rausgeflogen. Das war quasi der Anfang vom Lied, ja und dann ging alles recht flott.
Evok: Bei mir gab’s richtig auf die Ummel, Techno war Programm. Beim Contest habe ich den zweiten Platz belegt und noch direkt in Großhennersdorf kam ich mit Dani in’s Gespräch. Der damalige Nostromo Club Veranstalter Thomas aus Görlitz sprach uns beide noch am gleichen Abend an, ob wir nicht Lust hätten als Residents dabei zu sein. Eine Woche später standen wir bereits im Club und spielten auf den ersten Partys.
Als Residents vom Nostromo bekamt ihr ja damals ein große Chance euch weiter zu entwickeln. Wie habt ihr denn die Zeit genutzt und empfunden?
Dani’Es: Es ging alles Schlag auf Schlag, wir haben dann einmal im Monat da gespielt. Schnell hat man sich reingearbeitet, an der Deko, am Club, an den Flyern bis hin zum Aufräumen hat man sich voll eingebracht. Wir waren quasi wie eine kleine Familie. Wir haben mitunter Tag und Nacht für Umbauaktionen dort verbracht. Damals sah der Club ja noch nicht so aus wie heute. Natürlich haben die Partys auch jede Menge Kontakte, Freundschaften und auch Bookings außerhalb mit sich gebracht.
Evok: Bei mir war es etwas schwierig aufgrund der Entfernung, weil ich damals immer wieder zum Arbeiten nach Leipzig musste, aber wenn’s zeitlich ging, war ich vor Ort. Es war natürlich auch ein schönes Gefühl für mich, was ich mir am Anfang immer gar nicht so eingestehen konnte, das die Leute echt wegen meiner Musik auf die Party kamen. Plötzlich war man eben selber derjenige, der da hinterm Pult stand. Die Nervosität ist heute größtenteils weg, aber damals war es echt noch eine große Anspannung wie der Abend wohl läuft.
Über die Jahre konnte man bei euch beiden schon musikalische Veränderungen feststellen. Wie denkt ihr denn selbst darüber und vor allem wie klingt es heute, wenn ihr an den Reglern steht?
Dani’Es: Die klassischen Sparten sind ja irgendwann weggefallen, viele Stile sind verschmolzen. Das ging dann auch weg vom reinen House, war gespickt mit Hip Hop Sounds oder auch Gitarrensounds. Prägend war damals der erste Auftritt von Northern Lite im Nossi. Ich bin dann etwas weg vom House und elektronischer geworden. Heute würde ich sagen klingt es nach einer schönen Mischung aus House, Minimal und Tech House, auf jeden Fall extrem tanzbar.
Evok: Mit treibendem Techno hat alles angefangen, dann kamen die melodiösen Sachen dazu, sogar mal Vocals und eben auch die Gitarren Sounds. Am liebsten waren mir immer die Floors, die nicht nur auf Techno oder House klassifiziert waren, sondern wo ich alles mixen konnte von melodiösen Scheiben bis hin zu härterem Stuff. Hauptsache grooviger Beat, der in die Beine geht. Heute bin ich Papa und naja vielleicht nicht so ruhig, aber schon etwas ruhiger geworden. Wobei ich, wenn es sich anbietet, auch immer noch gerne straffe Techno Sets spiele. Ich würde mal sagen energiegeladene Musik, wozu ich auch selbst auf dem Floor abgehen würde, so klingt’s.
Schwelgen wir doch mal in Erinnerungen. Welche Gigs und Anekdoten stehen denn in eurem DJ Reisetagebuch ganz oben?
Dani’Es: Sputnik Turntable Days, Salzburg Rockhaus, Hannover Soapclub, Summer Spirit, die Ausflüge nach Berlin oder Slubice in Polen fallen mir da als erste ein. Das abgefahrenste war wohl mal ein Gig in Polen. Ich habe an einem Freitag Nachmittag einen Anruf bekommen, ein Pole war an der anderen Leitung und das einzige was ich verstehen konnte war, „du spielen heute Abend bei uns“. Ich bat ihn dann mir lieber eine SMS mit Adresse und Playtime zu schicken. Ich hab den Routenplaner angeschmissen und los ging’s. Vor Ort fand ich eine so tolle und freundlich feiernde Partycrowd vor, so was erlebt man echt nur selten.
Evok: Wir sind mal zusammen mit Dani in den Soapclub nach Hannover gefahren. Ab früh 4 Uhr ging’s dort erst so richtig los. Mir ging es gesundheitlich an dem Abend echt nicht so pralle. Deshalb wollte ich dann im Club schon etwas zeitiger losmachen und habe mich gegen früh halb sieben zu Fuß auf den Weg zum Hotel gemacht. Dabei hatte ich mich so verfranzt, das ich nach 1,5 Stunden rum laufen zum Glück wieder zum Club zurückfand. Naja und nach 3h hatte ich es dann tatsächlich geschafft im Hotel zu landen. Da musste ich dann echt selber über mich lachen.
Dani’Es: Oh ja, das war ein Abend. Die Leute dort wollten und wollten nicht heim. Gegen viertel elf vormittags hatte ich dann so weit die Kurve bekommen, das ich Schluss machen konnte. Mir war nur noch zum Umfallen und dann ging es auch schon wieder auf die Autobahn.
Was stellt ihr denn aktuell alles so an? Für den Vollzeit DJ habt ihr euch ja beide nicht entschieden.
Dani’Es: Mir war es schon immer wichtig den Druck nicht zu groß werden zu lassen, alles just for fun zu machen. Ich arbeite heute freiberuflich als Grafiker, also schon kreativ, aber die Musik steht entspannt im Hintergrund. Trotzdem bastele ich an eigener Musik und noch in diesem Jahr sollen die ersten Sachen erscheinen. Wir sind ja beide auch heute noch Residents im Nossi, sicher nicht mehr ganz so in dem Ausmaß und auch mit anderer Crew-Besetzung, aber das ist ok so.
Evok: Bei mir kam Nachwuchs dazu und ich wohne jetzt wieder in meiner Heimat und die Familie geht einfach vor. Die Musik steht natürlich trotzdem noch auf dem Plan. Ich verspüre da aber nicht so den großen Druck. In meiner Freizeit bastle ich ebenfalls an eigenen Produktionen und habe sie auch schon auf den Floors ausgetestet, allerdings ist das ganze bislang nie so richtig ausgereift, da fehlt einfach die Zeit. Das Nostromo ist nach wie vor meine Homebase und das K16 in Löbau bespiele ich auch ab und an sowie natürlich andere regionale Events.
Pro & Contra Vinyl vs. Digital, was meint ihr als alte Vinyl Hasen?
Dani’Es: Ich finde die Faszination geht beim digitalen Auflegen für mich verloren. Es wird einem durch die Technik viel abgenommen. Heute kann plötzlich jeder ein DJ sein und der Wert des eigentlichen Handwerks geht dadurch verloren. Ich finde es auch als Gast langweilig, wenn da die Notebooks stehen und der DJ schaut nur da rein.
Evok: Auf der einen Seite ist das digitale Auflegen eine coole technische Sache, was lohnenswert ist mal auszutesten. Allerdings kann ich es echt nicht leiden, wenn dann während eines Sets die nachkommenden DJs ihre Sachen anstecken müssen und dich eigentlich behindern bei deinem Fluss. Man hat natürlich das unglaubliche Schleppen nicht mehr, aber das ist auch das Einzige.
Verfolgt ihr eine Philosophie?
Dani’Es: Ich finde man sollte immer das machen, was einem Spaß bringt. Ich mache das Ganze aus Liebe zur Musik und nicht weil es um den Hype einer Person geht..
Evok: Ich finde man sollte Momente genießen, wenn sie da sind und in Erinnerung behalten. Gänsehautfeeling ist echt was tolles und das sollte man sich bewahren.
Wenn ihr euch heute nach 10 Jahren gegenseitig betrachtet, was fällt euch da ein?
Dani’Es: Was mich schon immer sehr faszinierte, Lars hat immer das Händchen für den richtigen Track an der richtigen Stelle. Er war schon immer einer meiner regionalen Lieblings DJs. Seine Auswahl ist einfach genial und ich finde super, wie er die Leute zum Feiern bringt. Silvester z.B. im Nossi haben wir zusammen gespielt, Lars hat die älteren Sachen von früher ausgepackt und ich die aktuelleren Sachen beigemischt, das in einem Paket war schon sehr interessant.
Evok: Seit ich Danilo kennen gelernt habe, hat er sich über die Zeit sehr positiv gewandelt. Seine Musikauswahl ist mir heute wesentlich angenehmer, ich konnte mich anfangs eben nicht so mit den House Sachen anfreunden. Toll ist auch, das wir uns nie als Konkurrenten gesehen haben.
Das große Danke darf nicht fehlen!
Dani’Es & Evok: Wir danken all denen, die uns die ganzen Jahre unterstützt haben. Danke auch unseren Eltern, die uns verständnisvoll jeden Sonntag ausschlafen ließen und das Frühstück oder Mittagessen bis nachmittags haben stehen lassen. Natürlich auch all denen, die bislang zu unseren Sets gefeiert haben, den Nostromo Leuten von Anfang bis heute, allen Veranstaltern und vielen mehr.
Und nicht vergessen, wir sind immer noch buchbar…hehe ;-). Auf die nächsten 10 Jahre!

Aktuelle Dates:
Evok
- 23.05.10 Mandarin Club – Löbau
- 05.06.10 Nostromo Club – Görlitz
Dani’Es
- 05.06.2010 Nostromo Club – Görlitz
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Schlagworte zu diesem Beitrag:DJ, Electro, Görlitz, House, Interview, Minimal, Nostromo, Techno






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