Interview André Tanneberger
Anerkannte Musiker, die auch über ihr Debüt-Album hinaus noch erfolgreich sind und ganze Menschenmassen in Bewegung und Euphorie versetzen gibt es wenige. Und wenn sie dann auch noch gebürtige Sachsen sind, so erfüllt uns das hier in der Region noch mit viel mehr Freude und Neugierde.
Mit „9pm (till i come)“ hatte er seinen großen Durchbruch und inzwischen füllt er weltweit ganze Stadien, belegt den 4. Platz im DJList.com DJ-Ranking und bewegt Menschen Busseweise (!) zu seinen Sets und ausgewählten Live-Konzerten. Die Rede ist von ATB alias André Tanneberger, der am 30. Juli auf dem Flugplatz Litten bei Bautzen zum DNA-discozirkus quasi ein Heimspiel hat. Insomnia-mag hatte im Vorfeld das Vergnügen ein paar Fragen über seine Herkunft, Zukunftsmusik und seine enge Beziehung zu den Fans zu stellen.
Hallo André, schön dass du Zeit gefunden hast, uns ein paar Fragen zu beantworten. Dein aktuelles Album Future Memories ist nun seit einem Jahr auf dem Markt und dein 4. Platz bei der aktuellen DJList.com zeigt eindrucksvoll, welchen Stellenwert deine Musik bei den Fans hat. Wie sehen denn deine Pläne für die Zukunft aus? Erst einmal weiter Touren und weltweit deine Fans mit deinen Sets beglücken oder ist das nächste Album schon am Entstehen?
Hi, ich denke mein weiteres Jahr wird eine Mischung aus beidem. Ich habe für dieses Jahr noch einige tolle Termine in meinem Tourschedule stehen, auf die ich mich wirklich sehr freue. Sei es das Gatecrasher in Indonesien, der Electric Daisy Carnival in Denver, die Nature One, das Electric Zoo Festival in New York oder das DNA Festival in Bautzen, was ja für mich praktisch ein Heimspiel ist. Auf der anderen Seite hab ich aber auch vor kurzem mit den Vorbereitungen sowohl für eine spezielle Mix Compilation, die im Sommer erscheinen soll, als auch für mein neues Album begonnen. Ich denke ich werde mir aber erst gegen Ende des Jahres eine komplette Tourauszeit nehmen um intensiv an dem Album zu arbeiten. Bis dahin freu ich mich darauf zusammen mit meinen Fans rund um den Globus zu feiern, ihnen meine Musik zu präsentieren und vor allem das Feedback und die Emotionen, die sie mir mit jedem Gig mitgeben festzuhalten und in meine neue Musik einfließen zu lassen.
Schaut man sich deine Termine für die nächsten Monate an, wird schnell klar, dass du sehr viel Zeit im Flieger verbringst, aber dabei auch ordentlich rumkommst. Ist das viele Reisen für dich eher ein Segen, da du dadurch auch die Möglichkeit bekommst gelegentlich die fremden Kulturen kennen zu lernen oder eher ein Fluch, da das Hotel die zweite Heimat ist und der Jetlag ein treuer Begleiter?
Ich würde sagen beides. Auf der einen Seite bin ich selbst Hobbypilot und fliege leidenschaftlich gerne. Außerdem, was gibt es spannenderes, als Rund um die Welt zu reisen und vor Ort zu realisieren, dass meine Musik selbst in solch für uns weit entfernten Teilen der Welt gehört wird. Dieses Gefühl ist einfach unbeschreiblich und macht mich mehr als stolz. Es zeigt mir jedes Mal was für eine universelle Sprache Musik doch ist und vor Ort dann live zu erleben, wie man die Leute mit Ihr emotional berührt ist unglaublich.
Auf der anderen Seite gebe ich dir vollkommen Recht, dass Hotelzimmer schon so etwas wie meine zweite Heimat sind. Zudem kommt das Entdecken und kennen lernen fremder Kulturen aus Zeitgründen leider meistens zu kurz. Aber ich versuche die wenige Freizeit vor Ort zu Nutzen um wenigstens ein paar schöne Fotos von der Umgebung zu machen. Die schönsten lade ich dann direkt bei mir auf Facebook und Twitter hoch, um meinen Fans eine Impression meiner Erlebnisse zu geben.
Neben dem vielen Reisen, den Gigs, Promoterminen und dem Produzieren und Remixen neuer Tracks bleibt sicher nicht viel Zeit für Entspannung und Privates. Was ist denn für dich die effektivste Art und Weise abzuschalten und neue Kraft zu tanken?
Für mich ist es sehr wichtig neben meinem Beruf, was die Musik ja nun für mich ist, auch mal Abstand davon zu bekommen und Zeit mit meiner Familie und Freunden zu verbringen. Daher versuche ich meine Tage, wenn ich nicht auf Tour oder unterwegs bin, bewusst wie normale Arbeitstage zu organisieren, Tagsüber zu produzieren oder organisatorische Termine wahr zu nehmen und abends frei zu haben. Klar ist das immer leichter gesagt als getan, aber eigentlich funktioniert es ganz gut.
Ansonsten hab ich schon seit Jahren in der Ambientemusik eine Leidenschaft gefunden, die mir wirklich hilft von dem „Alltagsstress“ abzuschalten und mich treiben zu lassen. Ich liebe es Ambiente sowohl zu produzieren als auch zu hören. Klar, viele werden sich jetzt fragen wie das sein kann, da es ja auch Musik und in dem Fall eigentlich Arbeit ist, aber ich empfinde es als absolute Entspannung mich in dieser Art von Musik zu verlieren.
Als einer der führenden DJ´s weltweit und durch deine Bookings bei den angesagtesten Clubs und Festivals bist du musikalisch ja immer up-to-date und hast sicher auch die Möglichkeit, Trends mit zu pushen, wenn nicht gar zu setzen. Wo wird deiner Meinung nach die Reise in dieser doch sehr kurzweiligen und extrem wandelbaren Musikkultur in den nächsten Monaten sowohl musikalisch als auch feiertechnisch hingehen?
Das ist immer schwer zu sagen, da Musik nicht einfach planbar ist. Es spielen so viele Faktoren eine Rolle, die entscheiden ob ein Track ein Hit oder ein Flop wird, ob ein bestimmter Produktionsstiel oder Sound der neue Trend wird, oder direkt wieder verpufft.
Ich denke, es ist sehr schwer auf biegen und brechen zu versuchen einen neuen Trend zu setzen. Das ist ehrlich gesagt auch gar nicht meine Ambition. Ich versuche dem Publikum mehr von dem zu geben, was sie sonst eigentlich seltener zu hören bekommen und habe beim Auflegen schon einen sehr eigenen Stil, der auch mal weit vom derzeitigen Trend abweichen kann. Diese Eigenständigkeit ist mir viel wichtiger als globale, neue Trends zu schaffen. Ich bin sowieso der Meinung, neue Trends passieren nicht geplant, sondern entstehen einfach ungewollt. Das ist auch gut so.
Auf deinem mySpace-Profil hast du geschrieben, dass du für deine Fans „ATB in Concert“ ins Leben gerufen hast. Dabei spielst du ausschließlich deine eigenen Singles. Wird es auch in 2010 André Tanneberger live als Konzertvariante geben?
Auch wenn es bisher noch keine offiziellen „ATB in Concert“ Termine gibt, arbeiten wir intensiv an der Planung und Realisierung für dieses Jahr. Aber ich bin mir sicher, dass ich wieder das ein oder andere „ATB in Concert“ geben werde und ich freu mich schon wirklich sehr darauf.
Das letzte „ATB in Concert“ in Poznan, Polen hat wirklich alle meine Erwartungen übertroffen. An diesem Abend hat einfach alles gestimmt. Von der Stimmung des Publikums über Sound, Licht und Bühne bis hin zur Organisation war wirklich alles absolut perfekt. An diesen Erfolg möchten wir selbstverständlich anknüpfen und schauen gerade, in welchen Städten der Welt sich noch ein „ATB in Concert“ realisieren lässt.
Allerdings ist es jedes Mal eine logistische Herausforderung Künstler als auch Technikcrew, wir sind immerhin 15 Personen, zu einem bestimmten Termin zusammen zu bringen, da sie natürlich auch alle noch andere Projekte verfolgen.
Für mich ist „ATB in Concert“ eine exklusive Möglichkeit, den Leuten meine Musik vollkommen herausgelöst aus einem DJ Set live mit Sängerinnen, Sängern und Band zu präsentieren. Es gibt mir die Möglichkeit zu zeigen, dass ich nicht einfach nur DJ, sondern in erste Linie vor allem Musiker bin.
Du bist hier in Sachsen geboren, um genau zu sagen in Freiberg bei Dresden. Noch vor der Wende sind deine Eltern mit dir im Alter von 11 Jahren in den Westen ausgereist. Wie stark sind denn noch deine Beziehungen zu deiner alten Heimat und was ist das für ein Gefühl am 30. Juli hier in der Region spielen zu dürfen.
Auch wenn ich schon lange in der Nähe von Bochum wohne, erinnere ich mich immer wieder gerne an meine Zeit in Freiberg. Um genau zu sein, bin ich ja nicht direkt in Freiberg sondern in Brand Erbisdorf aufgewachsen.
Ich war erst Anfang des Jahres im Rahmen meiner ATB the DJ 5 Tour in der Gegend und habe mir die nostalgische Zeitreise gegönnt, Brand Erbisdorf einen Besuch abzustatten, um zu schauen was ich noch alles erkenne. Viele Ecken kamen mir auch noch bekannt vor aber es hat sich doch auch viel verändert.
Zum DNA-discozirkus auf dem Flughafen Bautzen haben sich schon zahlreiche Fans aus ganz Deutschland und Polen angekündigt. Es ist sogar die Rede davon, dass sie organisiert in Bussen einreisen werden. Wie wichtig ist dir eine enge Beziehung zu deinen Fans und welche Möglichkeiten nutzt du, um dich für ihre Treue zu bedanken?
Ohne meine Fans wäre ich heute nicht das, was ich bin. Sie sind die Basis meines Seins und ich haben ihnen so viel zu verdanken. Es macht mich stolz auf meiner Website im Forum zu verfolgen, wie sie Fanbusse organisieren, die mich auf meine Gigs quer durch Europa begleiten. Erst Ende letzten Jahres hat mich der deutsche ATB Fanclub bis nach Poznan in Polen zu meinem letzten „ATB in Concert“ begleitet. So ein besonderes Event mit meinen engsten Fans zu feiern, ist natürlich der Wahnsinn und krönt einen solchen Abend.
Zudem bietet mir das Web 2.0 heutzutage die Möglichkeiten meine Fans rund um Globus zu erreichen und sie immer up to date zu halten. Ob über meine Website, Facebook, Twitter oder Myspace, ich kann ihnen direkt meine Gedanken, Fotos und Eindrücke mitteilen und auf das Feedback was sie mir darauf geben reagieren. Dieser direkte Kontakt ist für mich essentiell, weil er mir bei der Weiterentwicklung meiner Musik, meiner Performance und mir als Künstler weiter hilft. Dabei möchte ich nicht, dass die Leute das Gefühl haben, nicht wirklich mich auf meinen Onlinemedien zu treffen. Bei allen Posts auf meinen Seiten können meine Fans 100%ig davon ausgehen, dass sie auch wirklich von mir sind und sie mit mir kommunizieren.
Kannst du uns zu guter letzt noch verraten, was die Gäste zum DNA-discozirkus von ATB musikalisch erwarten wird und was deine Wünsche bzw. Vorstellungen zu diesem Event sind?
Um es kurz zu sagen, einfach einen geilen Abend mit bester elektronischer Musik. Ich bin mir sicher, dass wir das Zelt so richtig rocken werden. Zudem werde ich mich zu dem Zeitpunkt mitten in der Vorbereitungsphase für mein nächstes Album befinden und versuchen so viele Emotionen wie möglich, welche mir das Publikum mitgibt aufzufangen und mit ins Studio zu nehmen.
Wir bedanken uns für das Interview!
Ich habe zu danken! Wir sehen uns beim DNA-discozirkus
Schlagworte zu diesem Beitrag:DJ, House, Interview, Musik, Trance






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