Alexander Kalkbrenner und die Erfolgsstory um AKF
In unserer neuen Rubrik „Lausitzer“ möchten wir euch künftig engagierte und erfolgreiche Menschen sowie Projekte aus der Lausitz vorstellen.
Erster im Bunde ist der Lausitzer Alexander Kalkbrenner und die Erfolgsgeschichte um sein Unternehmen AKF. Nein, es handelt sich hierbei nicht um einen weiteren Bruder von Paul Kalkbrenner und dessen neustes Musikprojekt, sondern um einen recht bodenständigen 25jährigen Jungunternehmer aus Bautzen, der seit seinem 17. Lebensjahr mit Mopedersatzteilen handelt. Klingt zunächst unspektakulär, doch wartet ab. Schon mit 11 Jahren schraubte Alexander gemeinsam mit seinem Bruder an alten Modellen der Marke Simson und MZ rum. Ein Kult Ritual, welches seit Jahrzehnten bei Jung und Alt bestand hat und bis heute Generationen zusammenschweißt. Galten doch die Modelle der Marke Simson besonders zu DDR-Zeiten als beliebte Fortbewegungsmittel.
Schnell sammelten sich etliche Ersatzteile in Papas heimischer Garage an. Irgendwann sollte diese jedoch mal entrümpelt werden und da hieß es hop oder top. Gern erinnert sich Alexander an die Geburtsstunde seines Unternehmens: „Mein Vater meinte damals, ich solle zusehen, da was draus zu machen, sonst fliege das Zeug weg.“ Und so stellte Kalkbrenner die Ersatzteile bei ebay zum Verkauf in’s Netz. Was sich daraufhin als gar nicht so unlukrativ erwies. 2003 gründete er die Firma AKF zunächst als Einzelperson und handelte fortan mit Mopedersatzteilen. Stück für Stück wuchs das kleine Unternehmen daheim bei den Kalkbrenner’s in Göda heran. Das Kinderzimmer wurde zum Büro umfunktioniert und die ganze Familie half mit. Die Oma kochte, der Vater verpackte, Mutter und Schwester kümmerten sich um den Bürokram, während Alexander ja auch noch seine Lehre als Wirtschaftsinformatiker meistern musste.
Und die Nachfrage stieg und stieg. Mittlerweile handelte AKF nicht mehr nur mit Gebraucht- sondern auch mit Neuteilen, die trotz der Einstellung der Produktion der Simson weiterhin von zwei deutschen Großhändlern hergestellt werden. Wohl bemerkt existieren aktuell wohl noch circa 1 Millionen Zweikrafträder aus dem Hause Simson und MZ.
Professionellere Strukturen und ein Lager mussten her, da der Kundenstamm stetig anwuchs. 2005 zog die Firma AKF dann erstmals in ein Firmengebäude nach Naundorf und vergrößerte sich um drei Mitarbeiter sowie jede Menge Lagerraum. Anfang 2006 musste Kalkbrenner bereits auf fünf Mitarbeiter aufstocken sowie weitere Lagerräume anmieten. Es gab kein Halten mehr. 2007 ging die Firma zur Profiliga über. Ein organisiertes Warensystem sowie computergestützte Arbeitsplätze wurden eingeführt. Das hatte zur Folge, dass man noch mehr Kunden innerhalb kurzer Zeit beliefern konnte. 13 Mitarbeiter bewältigten von da an den Bestelleransturm auf die beliebten Ersatzteile.
Ein Ende ist nicht in Sicht. Im März 2010 zieht die Firma AKF in das heutige Firmengelände auf die Dresdner Strasse in Bautzen. Zusätzlich eröffnet ein Ladenlokal vor Ort. „Ich denke das gerade der generationsübergreifende Aspekt sowie die einfache Technik die Lust am Basteln an den alten Mopeds und Motorrädern Jung und Alt verbindet“, so Kalkbrenner.
Philosophie
„Wir haben uns zum Ziel gesetzt unsere Kunden bei der Erhaltung und Pflege ihrer Simson und MZ- Fahrzeuge nach besten Kräften zu unterstützen. Als begeisterte Simson- Fans wissen wir über die Erhaltung dieser Fahrzeuge bestens Bescheid. Unser Ziel ist es, allen Anfragen aus nah und fern gerecht zu werden und auch dem entlegensten Kunden schnell weiterhelfen zu können.“
Dabei liefert AKF keineswegs nur an Kunden in Deutschland. Anfragen und Bestellungen aus Frankreich, Japan, Neuseeland oder gar der Karibik fordern immer wieder außergewöhnliche Einsätze. „Die coolste Sache, die wir jemals begleitet haben, war eine Aktion des Hamburger Simson-Freaks Florian Rolke, der 2009 mit seiner Schwalbe von Hamburg nach Kapstadt fuhr. Wir haben das Projekt als Hauptsponsor mit unterstützt und nötige Ersatzteile bis nach Namibia gesendet.“ Mehr unter www.slowwaydown.com.
Zukunftsprojekte und Neuheiten
Seit 2004 betreibt AKF erfolgreich den Onlineshop www.akf-shop.de. Verkauft werden neben Ersatzteilen für Simson und MZ, Bekleidung, Pflegemittel, Werkstattzubehör und Helme. In den kommenden Wochen soll ein neuer Onlineshop mit verbessertem Design und einer Reihe neuen Funktionen für die Kunden an den Start gehen.
„Wir wollen mit der Zeit gehen, uns mit dem Markt weiter entwickeln. Gerade jetzt wo iPads und Smartphones immer mehr zum Tragen kommen, sind neue Wege und Möglichkeiten im Vertrieb wichtig“, verrät uns der Geschäftsführer.
Auch auf der Internetplattform Facebook sorgt AKF für Aufsehen. Fast 4000 Fans gaben der Seite bereits ihr „Gefällt mir“. Bis zum 15. Februuar lief der AKF- Fotowettbewerb unter dem Motto: Wer hat das schönste Moped? Die Bilder mit den meisten „Likes“ sahnen unter anderem eine Foto-Doppelseite im demnächst erscheinenden Katalog ab. Mehr unter: www.facebook.com/akfshop
„Mit dem AKF Katalog 2012 wollen wir Leuten die Möglichkeit bieten auf 386 Seiten alles Wissenswerte zu den Zweikrafträdern in der Hand zu halten. Von Ersatzteilen aller Art, Anleitungen und Infos bis hin zum Zubehör soll der Katalog auch als eine Art Lexikon für Bastler einen besonderen Wert erhalten“, berichtet uns der Firmengründer. Dabei hat Alexander Kalkbrenner noch so manche Idee in der Schublade versteckt. „Ziel ist es, mit der Firma weiter zu wachsen, das ist das was mich antreibt. Und ich hoffe das die Faszination für die Mopeds noch lange erhalten bleibt.“
Einen großen Anteil am Erfolg des Unternehmens verdankt Alexander seiner Familie. „Wir haben immer zusammengehalten. Mein Vater und meine Mutter haben mir stets den Rücken gestärkt. Ich denke mein Sinn für Neues und meine größere Risikobereitschaft sowie Kreativität auf der einen Seite und die unersetzbare Lebenserfahrung, Ausdauer und Disziplin meines Vaters Hans Georg auf der anderen Seite machen bis heute die perfekte Mischung aus Allem aus. Dafür bin ich sehr dankbar.“
Das Unternehmen hat sich in den letzten Jahren stark verjüngt. Das AKF Team besteht heute aus 17 Mitarbeitern aller Generationen und überliefert damit auch ein selten gewordenes Betriebsklima und Miteinander. Wir sind gespannt auf neue Geschichten, Produkte und Projekte aus dem Lausitzer Vorzeigeunternehmen.
Besucht den AKF Shop vor Ort auf der Dresdener Straße 70a in Bautzen.
Öffnungszeiten:
- MO – FR: 10-17 Uhr
- SA: 09-12 Uhr
oder im Onlineshop unter www.akf-shop.de
Geschichte der Simson
Die Brüder Löb und Moses Simson gründen 1856 die Firma Simson & Co.. In den Folgejahren werden Gewehre und Gewehrläufe hergestellt. 1896 beginnt das Unternehmen mit der Produktion von Fahrrädern. 1907 steigt das Unternehmen in die Automobilproduktion ein, der Rennwagen Simson Supra wird berühmt. Bis 1945 baut das Werk Fahrräder, Waffen und Autos. 1946 wird der Betrieb, der als Rüstungsbetrieb gilt, teilweise von Sowjetsoldaten demontiert und in Kisten als Wiedergutmachung für den Krieges in die Sowjetunion transportiert. Das Werk wird später von der Sowjetunion an die DDR übergeben und 1952 wird es von der Regierung in “VEB Fahrzeug- und Gerätewerk Simson Suhl” umbenannt. Der Betrieb konzentriert sich nach dem zweiten Weltkrieg wieder auf die Zweiradherstellung. Die Fabrikationslinien produzieren mehr als 300.000 Exemplare des Motorrades AWO 425. Die Motorradmontage wird Anfang der 60er Jahre zu Gunsten des Kleinkraftradbaus eingestellt, Motorräder werden in der DDR nur noch im Motorradwerk Zschopau (MZ) hergestellt. In den Folgejahren blüht die Produktion auf. In der DDR rollen bis zu 200.000 Fahrzeuge pro Jahr aus den Montagehallen. Die Serienfertigung der so genannten “Schwalbe” beginnt 1964. Die Schwalbe verhilft der Firma zu Weltruhm. In der DDR steht sie für den Aufschwung im ostdeutschen Zweiradbau. Nach der Wende erobert sich der schöne Roller rasch eine Fangemeinde im Westen. Bei Traditionsclubs und Vereinen genießt die Schwalbe den gleichen Status wie Käfer oder Vesper Roller. Nach der politischen Wende in der DDR versuchen Investoren die Produktion in Gang zu halten und Neuentwicklungen auf den Markt zu bringen. Im Herbst 2002 kam die Fertigung zum Stillstand. Mehr unter: www.mz-und-simson.de
Schlagworte zu diesem Beitrag:akf, Bautzen, Lausitzer, MZ, Simson, Teileverkauf






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